Grüne Branche

Entschädigungsfonds – besser heute als morgen!?

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Der Gartenbau braucht dringend einen Entschädigungsfonds – besser heute als morgen, fordert Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen (BdB). Nur damit ließen sich beispielsweise Baumschulen, die in einen Quarantäne-Sperrkreis geraten sind, wirtschaftlich am Leben erhalten. Welche Vorteile ein Fonds noch hätte.

Besonderes Risiko für Baumschulen: Pflanzen werden im Freiland und über einen Zeitraum von mehreren Jahren herangezogen. Foto: BdB

1. Man kann mit einem Fonds schnell auf unbekannte Schädlinge reagieren.

Vor zehn Jahren konnte sich niemand die zerstörerische Kraft und das riesige Wirtspflanzen-Spektrum des Feuerbakteriums Xylella vorstellen. Heute haben wir keine Ahnung von jenen Schaderregern, die vielleicht in ein, zwei oder zehn Jahren einwandern.

Die am Markt vorhandenen Versicherungslösungen sind hier zu statisch, in dem sie nur auf bekannte Schadorganismen rekurrieren, kritisiert Guhl.

2. Ein Fonds kann auch eine längere Dauer der Betriebsunterbrechung abdecken.

Beim Feuerbakterium war zunächst eine Betriebsunterbrechung von fünf Jahren vorgesehen – keine Versicherung wäre bereit, ein solches Zeitfenster abzudecken.

Nach wissenschaftlicher Evaluation konnte bei Xylella unter besonderen Umständen die Dauer der Quarantäne durch die EU reduziert werden. In Sachsen wurde deshalb nach eineinhalb Jahren der Sperrkreis aufgehoben; bereits im Vorfeld wurde er in seinem Radius reduziert.

Auch hier kann nur ein Fonds finanziell so atmen, dass er dem Betrieb eine Brücke über einen zunächst nicht absehbaren Zeitraum bietet.

3. Der Fonds bietet einen fairen Ausgleich zwischen Wirtschaft und Staat.

Quarantäneschädiger wandern im Regelfall nicht durch den hiesigen Gartenbau oder die Baumschulwirtschaft ein, sondern durch die globalisierte Wirtschaft, die im Warenaustausch nicht nur Naturstoffe wie Steine oder Paletten zu uns bringt, sondern Huckepack auch „fiese“ Schädlinge. Daher ist es richtig, dass sich die Gesellschaft am Fonds mit einem Löwenanteil beteiligt.

Aber natürlich steht die Baumschulwirtschaft zu ihrer Verantwortung und schlägt daher eine Co-Finanzierung vor. Dies bedeutet, dass die Betriebe ein striktes Hygienemanagement durchführen, weil sie mit einem Fonds nicht ein Rundum-Sorglos-Paket einkaufen, sondern sich selbst an der Kompensation etwaiger Schäden bei sich oder im Kollegenkreis beteiligen.

Hiesige Wirtschaft vor Untergangsgefahren durch Quarantäneschädiger schützen

Darüber hinaus soll auch die „Systemrelevanz“ der Baumschulen nicht unerwähnt bleiben. In der Debatte um grünere Städte, um die Biodiversität und um die Gesundheitswirkung von Grünflächen nehmen die Baumschulen Guhl zufolge eine Schlüsselrolle in der Verwirklichung dieses gesellschaftlichen Postulats ein.

Wer deutsche Gehölzqualität sichern und keine Importe mit fragwürdigen Qualitäts-, Pflanzenschutz- und Sozialstandards haben will, sollte großes Interesse daran haben, die hiesige Wirtschaft vor den Untergangsgefahren durch Quarantäneschädiger zu schützen, meint der BdB-Hauptgeschäftsführer.

Dieser Beitrag ist Teil des TASPO dossier IV/2018 „Der Gartenbau – mittlerweile zu risikoreich?“, das Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.