Erfolgreicher „Girls- und Boys-Day“: Teil 2

Veröffentlichungsdatum: , Katrin Klawitter

In der vergangenen Woche berichteten wir über die Erfahrungen einiger Betriebe mit dem „Girls- und Boys-Day“. Auch in Einzelhandels- und Friedhofsgärtnereien nahmen zahlreiche Kinder am Aktionstag teil. Auch hier hörten wir uns um und holten Stimmen ein.

Vielfältige Arbeiten in Einzelhandelsgärtnerei

Die sieben Mädchen und Jungen in der Einzelhandelsgärtnerei Jenkel aus Țangstedt durften am Aktionstag den Tagesablauf eines Azubis erleben, durften leichte Kulturarbeiten mitmachen, die Topfmaschine ausprobieren, trendige Kräuterpflanzen und deren Produktion kennenlernen, verstehen, warum manche Pflanzen erst in dieser Jahreszeit draußen wachsen können - und waren „super begeistert“, wie Tara Schmidt von der Gärtnerei Jenkel berichtet. Geführt und geleitet wurden sie an diesem Tag von den Azubis des Unternehmens, die ihnen verschiedene Aufgaben stellten. Der Aufwand für den Tag ist zwar hoch, betont auch Schmidt, aber alle Mitarbeiter machten das sehr gerne. „Letztendlich ist es doch eine recht einfache Möglichkeit, eine solche Chance zu nutzen, um Nachwuchs zu motivieren - sehr wertvoll für uns, und das nur für einen Tag Aufwand“, fasst sie zusammen. Tatsächlich hat die Gärtnerei Jenkel durch die Teilnahme am „Girls- und Boys-Day“ in den vergangenen Jahren schon Praktikanten und Azubis gewonnen.

Geschenke für die Girls und Boys bei Klefer

Sehr viel Spaß hatte demnach auch Nikita, 11 Jahre alt, in der Einzelhandelsgärtnerei Klefer in Augustfehn. „Toll“ fand er es, mit Chef Dirk Klefer gemeinsam an der Topfmaschine Gräser zu topfen, weil man sich da so beeilen musste. Aber am meisten beeindruckt hat den Schüler überraschender Weise etwas anderes: Sich Pflanzen aus dem Sommerblumensortiment selber aussuchen und daraus eine Schale zu pflanzen. Diese durften die neun Kinder, die am Aktionstag der Gärtnerei teilnahmen, genauso mit nach Hause nehmen wie die Sträuße aus jeweils zehn Rosen, eigenhändig entdornt und gebunden. Die Einzelhandelsgärtnerei nimmt regelmäßig am Aktionstag teil - und das sehr gerne und weniger aus Eigennutz, als für den Nutzen der gesamten Branche: „Wenn ein paar der Schüler im Gartenbau landen, ob bei uns oder in einem anderen Betrieb, dann ist doch schon viel gewonnen“, sagt Klefer.

Geleitet wurde der Tag von Mitarbeiterin Maren Meenken, die den Teilnehmern nicht nur beide Bereiche der Gärtnerei - Floristik und Produktion – näherbrachte, sondern beim Sträuße binden und pflanzen, düngen, angießen nebenbei auch ein bisschen vermittelte, warum ein solcher Beruf eine Lehrzeit braucht. „Die Zeiten zwischen den Tätigkeiten, in denen man mit den Schülern ins Gespräch kommt, beim gemeinsamen Frühstück in der Gärtnerei beispielsweise, sind toll“, resümiert Meenken - denn da kommen Fragen, die Mädchen und Jungen werden offener und interessierter. Wichtig sei es, für eine solche Veranstaltung einen festen Ansprechpartner zu bieten, um Vertrauen aufzubauen, mehr Aufmerksamkeit und Zeit zu geben. „Man merkt auch ziemlich schnell, wer einen Draht zu den Tätigkeiten hat und wer da gar nichts mit anfangen kann“, weiß sie nach mittlerweile fünfmal „Girls- und Boys-Day“ -Erfahrung. Bei einem oder zwei Kandidaten kann sie sich auch in diesem Jahr vorstellen, dass sie für ein Praktikum anfragen werden. Sie sieht in dem Aktionstag wesentliche Vorteile für beide Seiten: „Für uns ist es toll, zu zeigen, was der Betrieb so alles hergibt - ein Familienbetrieb, Nachhaltigkeit, vielseitige Arbeit. Dass wir beispielsweise auch mit Trauernden arbeiten, ihnen mit unseren Blumen helfen, das überrascht viele Schüler“, weiß sie. Umgekehrt rate sie den Schülern immer, sich vor der Berufswahl so viele Betriebe wie möglich in verschiedenen Sparten anzuschauen. „Nimm mit, was geht - und hört auf Euere Bauchgefühle, schaut, was Euch Spaß macht“, rät sie. Auch an Nikita scheint sie damit den richtigen Appell gerichtet zu haben: Er selbst sagt, er fand es spannend, mal einen Beruf ein bisschen auszuprobieren und zu schauen, was dahintersteckt. Er kam, so erzählt es seine Mutter, nach Hause mit dem Wunsch: „Mama, wenn Du in Zukunft was pflanzen willst, dann möchte ich immer mitmachen.“ Für den Betrieb, so ergänzt Dirk Klefer, ist der Aktionstag zudem immer eine gute Werbung, wenn die Kinder mit Sträußen und bepflanzten Körben nach Hause kommen. „Und wenn der eine oder andere Schüler zum Praktikum wieder kommt, dann ist doch schon richtig viel gewonnen.“

Friedhofsgärtnerei weckt großes Interesse

„Einen Tag als Friedhofsgärtner*in“ hatten Christine und Klaus Lange, Inhaber der Friedhofsgärtnerei Gressl aus Braunschweig, im „Girls- und Boys-Day“-Radar inseriert. „Die Plätze waren sofort weg! Damit hatten wir nicht gerechnet!“, blickt Christine Lange noch immer überrascht zurück.

Zwei junge Mädchen (5. und 9. Klasse) erschienen zum Aktionstag und wurden den ganzen Tag von den beiden Chefs höchstpersönlich und mit viel Einsatz betreut. „Diese Zeit haben wir uns ganz bewusst genommen“, sagt die Inhaberin und gelernte Staudengärtnerin. Sie und ihr Mann Klaus wollten das Gefühl vermitteln, „mitten drin zu sein, zu zeigen, was dem Gärtner alles abverlangt wird“. Die geplanten Aufgaben waren dann auch umfangreich - reichten von handwerklichen Tätigkeiten wie Eisbegoniensämlinge zusammenpikieren, Angießen im Folientunnel, Tagetessämlinge topfen und ausstellen, Margeriten umtopfen bis zum Besuch auf dem Friedhof und dem Kennenlernen verschiedener Grabarten und der Grabpflege. „Auch für uns war das ein wichtiger Tag, um an den heutigen Jugendlichen „dran“ zu blieben - schließlich sind unsere Kinder schon groß, unsere Enkel noch sehr klein“, lacht die Unternehmerin. Gelernt habe sie auch einiges, was ihnen beim Ausrichten des nächsten „Girls- und Boys-Day“ helfen wird: Dass es in Zukunft bei einem solchen Tag beispielsweise wichtig ist, ihn mit Anschreiben, Anfahrtsskizze, genauen Zeitangaben vorzubereiten. Außerdem sei es ihr wichtig, mit jedem Bewerber vorher persönlich am Telefon zu sprechen, nicht nur mit den Eltern, um ihnen ein Stück den Weg zur Selbständigkeit und Eigenverantwortung zu ebnen - wichtig für ein künftiges Berufsleben. Rundum sind Langes sehr zufrieden mit der Teilnahme am „Girls- und Boys-Day“: „Nett, aufmerksam, konzentriert“ seien die Mädchen gewesen und hatten Spaß an dem Tag, genauso wie die Langes selbst. Beide Mädels bekamen Pflanzen für zu Hause, eine Tasche mit Stift und Info-Adressen im Netz, um sich über den vielseitigen Beruf des Gärtners/ der Gärtnerin weiter zu informieren.

Hier können Sie die Erfahrungen der anderen Betriebe nochmals in unserem Teil 1 der „Girls- und Boys-Day“-Umfrage nachlesen.