Erfurter Brunnenkresse: „Wer unsere Kultur erlebt, ist begeistert“

Veröffentlichungsdatum:

Ralf Fischer (l.) bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Karola in Erfurt die Brunnenkresse-Klinge, die er 1990 von seinem Vater übernommen hat. Foto: Brunnenkresse Fischer

Brunnenkresse wird in Erfurt seit Jahrhunderten in sogenannten „Brunnenkresse-Klingen“ angebaut – die einzige noch erhaltene wird seit mehreren Generationen von der Eigentümer-Familie Fischer bewirtschaftet. Im Interview mit der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) spricht Betriebsinhaber Ralf Fischer über seine gärtnerische Passion und seine Erinnerungen an die IGA anno 1961 in Erfurt.

Wie kommt Ihre Familie zum Anbau der Brunnenkresse?

Brunnenkresse wird in unserer Familie bereits in der fünften Generation angebaut, der erwerbsmäßige Anbau der Brunnenkresse begann in Erfurt im Jahr 1630. Unsere Brunnenkresse-Klinge ist mittlerweile auch ins Denkmalbuch der Stadt Erfurt eingetragen – als letzte im Originalzustand erhaltene Brunnenkresse-Klinge Erfurts. Die komplette Klinge hat eine Größe von 2.000 Quadratmetern, von denen 500 Quadratmeter bewirtschaftet werden. Klinge ist die Bezeichnung für einen Wasserlauf. Denn Brunnenkresse braucht frisches Wasser und das haben wir in unserem „Dreienbrunnen“-Gebiet.

Haben Sie schon einmal an einer Gartenschau teilgenommen?

Schon mein Großvater hat bei einer Gartenschau in Erfurt mitgemacht. Wir selbst waren schon bei der Internationalen Gartenschau in Hamburg (IGS) dabei und haben dort eine Silbermedaille für unsere Brunnenkresse erhalten, darauf sind wir sehr stolz. Und wir haben bei der Landesgartenschau in Apolda mitgemacht, Erfurt ist jetzt die dritte Ausstellung.

Was hat Sie als Erfurter Unternehmen besonders an der Teilnahme bei der ersten BUGA-Hallenschau „Willkommen in Erfurt – der Stadt des Gartenbaus und der Gartenschauen“ gereizt?

So eine Bundesgartenschau (BUGA) passiert einem im Leben nur einmal, da ist es eine Ehrensache, dass man sich beteiligt. Ich sehe mich als Botschafter unserer Jahrhunderte alten Gartenkultur und war deshalb als Aussteller gerade in dieser ersten Hallenschau vertreten. Wer unsere Brunnenkresse-Kultur erlebt, ist begeistert – sowohl die Besucher von weit weg als auch die Erfurter selbst. Wenn man eine solche Gartenbau-Geschichte besitzt, muss man das auch erhalten! Wir wissen von vielen Besuchern und Anrufern, dass Menschen an der Brunnenkresse interessiert sind. Wir wollen die Blumen- und Gartenstadt Erfurt wieder zum Leben erwecken. Und ich möchte, dass Erfurt wieder mit Fug und Recht „Blumen- und Gartenstadt Erfurt“ heißt – das hat die Stadt verdient.

Wie haben Sie das Thema „Willkommen in Erfurt – der Stadt des Gartenbaus und der Gartenschauen“ in Ihrem Ausstellungsbeitrag interpretiert?

Wir haben den Anbau der Brunnenkresse vorgestellt, vom Samenkorn angefangen. Ich zeigte die Pflanzen und den Verlauf ihres Wachstums – beginnend mit den Jungpflanzen, die ich in einer Herzform ausgesät habe, weil unsere Arbeit von Herzen gemacht wird. Man sah den gesamten Wachstumskreislauf der Pflanze vom Samenkorn bis zur erntefertigen Brunnenkresse – sehr hübsch in Glasvasen und hellen Spankörben arrangiert. Und dann stellten wir natürlich noch die vielen leckeren Produkte vor, die sich aus Brunnenkresse herstellen lassen, wie zum Beispiel Salz und Senf mit Brunnenkresse. Wirklich lecker! (Anm. d. Red.: Für seinen Ausstellungsbeitrag in der ersten BUGA-Hallenschau erhielt der Betrieb den Ehrenpreis des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft für „die Bemühungen um die Erhaltung des traditionellen Erfurter Brunnenkresse-Anbaus“)

Haben Sie noch Erinnerungen an die Internationale Gartenbau-Ausstellung (IGA) von 1961 hier in Erfurt?

Die IGA gehört fest zu meinen Kindheitserinnerungen und schon damals gab es dort Brunnenkresse! Ich weiß noch, wie ich als Kind auf dem IGA-Gelände herumgelaufen bin und sehe noch heute diese Halle und ihre damalige Gestaltung vor meinem geistigen Auge. Und nun war ich selbst als Aussteller in der gleichen Halle, in der schon mein Vater damals gewesen ist. Jeden Abend hat übrigens auf dem IGA-Gelände jemand zum Feierabend Trompete gespielt – das hörte man durchs ganze Tal des Dreienbrunnens und wir haben jeden Abend auf diese wunderschönen Töne gewartet. Diese Geschichte lässt uns nicht los und ist in unseren Köpfen verankert!

Cookie-Popup anzeigen