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Erinnerungsgarten vereint Kulturen

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Was verbindet Mitteleuropa, Südeuropa, Vorderen Orient und Japan? Wo sind eine Wasserstelle nach maurischem Vorbild und Glücksklee als verbindendes Symbol für den Dialog zwischen Angehörigen verschiedener Herkunft kombiniert? Auf beide Fragen gibt es Antworten im „Erinnerungsgarten der Kulturen“ auf der Gartenschau Enzgärten 2015 in Mühlacker.

Im Erinnerungsgarten kommen die Kulturen zusammen, jede Grabstätte ist dem jeweiligen kulturellen Hintergrund entsprechend gestaltet. Foto: Edwin Hanselmann

Friedhofsgärtner vereinigen Kulturen

Die Anlage wurde in den mitteleuropäischen, den südeuropäischen, den muslimischen und den asiatischen Bereich gegliedert, zusätzlich ein Gemeinschaftsgrabfeld und eine Kommunikationsfläche integriert. Der erwähnte Glücksklee gehört zu einem Gedenkstein an dieser Kommunikationsfläche. Auch die maurische Wasserstelle – dem Garten der Alhambra nachempfunden – ist hier eine besondere Symbolik. Vier Wege – eingerahmt von Lavendel – laufen auf die Wasserschale zu und kennzeichnen damit die vier Himmelsrichtungen. Das Wasser gilt als Symbol des Lebens und der Erneuerung.

Erinnerungsgarten als Stätte der Integration

Was die badischen Friedhofsgärtner in Mühlacker präsentier(t)en, ist das Konzept für eine Weiterentwicklung der gärtnergepflegten Grabfelder. Eine solche Anlage soll Grabstätten für Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Religionen kombinieren, zugleich das Miteinander in der modernen Gesellschaft symbolisieren. Sie versteht sich – so jedenfalls die Intention der „Erfinder“ – als gemeinsame Stätte der Erinnerung, Begegnung und Integration für die Hinterbliebenen.

Auf Friedhofsgärtner Christof Hilligardt aus Pforzheim geht die Projektidee zurück. Die Anlage auf der Gartenschau Mühlacker entstand durch die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner zusammen mit der badischen Landesfachgruppe Friedhofsgärtner sowie dem Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg. Mühlacker – etwa zehn Kilometer nordöstlich von Pforzheim gelegen – ist eine Kommune im Enzkreis mit etwa 25.000 Einwohnern. Menschen aus immerhin 80 Nationen wohnen in dieser „großen Kreisstadt“.

Grabstätten wie in Mittel- und Südeuropa

Eine dreistufige Treppe aus drei Holzscheiben, drei Sommerblumenbeete mit Elatiorbegonien und Impatiens NeuGuinea, dazu Mitchella und Waldsteinien als Bodendecker – dies gehört zu den Details des mitteleuropäischen Bereichs der Anlage. Er umfasst drei Erdgräber mit drei Grabmalen, doch sind die Gräber nicht durch Einfassungen getrennt, vielmehr miteinander verbunden, und der gesamte Bereich wurde stark modelliert. Zu den hier verwendeten Solitärs zählen verschiedene Rhododendren, Ahorn, Eiben und Magnolien.

An der Schnittstelle zum anschließenden südeuropäischen Bereich liegt ein flussförmig-länglich gestaltetes buntes Beet aus gelben und orangefarbenen Knollenbegonien, weißen gefüllt blühenden Semperflorens und gelben Sanvitalien. Ein engelsförmiger weißer Gedenkstein ist ebenso an dieser Schnittstelle wie ein mit hellbraunem Travertin/Marmor-Gemisch bedeckter Weg.

Muslimische Grabstätten nach Mekka ausgerichtet

An den südeuropäischen schließt sich ein Bereich mit drei muslimischen Einzelgrabstätten an, selbstverständlich in südöstlicher Himmelsrichtung nach Mekka ausgerichtet. Die drei Gräber sind ruhig gestaltet. Das hellgraue Grabmal eines Grabes hat ein markantes Tulpensymbol, denn die Tulpe hat im Islam hohen symbolischen Wert und wird in Moscheen oft als ornamentaler und kalligrafischer Schmuck gezeigt. Die Mitte der Grabfläche ist mit Marmorsplitt bedeckt und in Form und Farbe dem Grabmal angepasst. Rechts und links davon sind Echeverien gepflanzt.

Umgeben sind die drei Gräber von einer Rahmenbepflanzung mit Blumenbändern, was nach Angabe Hilligardts an ähnliche Beete in Parks in der Türkei erinnert. Zu den Pflanzen im Rahmenbereich zählen auch Hanfpalme, Granatapfel und Feige.

Asiatischer Bereich dem Japangarten nachempfunden

Der asiatische Bereich als vierter Teil der Gesamtanlage wurde japanischer Gartengestaltung nachempfunden. Dass dabei viel mit Kies und anderen Steinen gearbeitet wird, kam ebenso zum Tragen wie die Verwendung von kurz geschnittenen Bambusstielen sowie Gehölzen wie Ahorn. Die Schriftzeichen auf der aus Ton entstandenen Stele greifen die buddhistische Philosophie auf: „Der Wind trägt die Seele ins Nirwana!“

Mehr zum Thema Erinnerungsgarten lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der TASPO.