Grüne Branche

Erledigt über Nacht

Mechanische Unkrautbekämpfung
Noch ist es Zukunftsmusik, aber die Technik schreitet fort. „Robot Oz“ zeigt den nächsten Schritt bei der mechanischen Unkrautbekämpfung in der Gehölzproduktion.

Sie sind längst mehr als Visionen: LKW, die ohne das Zutun eines Fahrers weite Strecken sicher bewältigen, oder innerstädtische Transportmöglichkeiten, die im normalen Verkehr automatisch ihren Weg finden. Warum sollten die hier umgesetzten technischen Möglichkeiten nicht auch auf anderen Ebenen Eingang in die tägliche Praxis finden können?

Roboter „zum Anfassen“
Wie man sich die mechanische Unkrautbekämpfung der Zukunft vorstellt, konnten Unternehmer aus dem Bereich der Gehölz- und Gemüseproduktion am 1. April bei ihrem Kollegen Peter Heydorn in Bevern im Praxistest begutachten.

Auf Einladung des Versuchs- und Beratungsrings Baumschulen e.V. Schleswig-Holstein (VuB) waren Vertreter des französischen Start-up-Unternehmens Naїo Technologies (Toulouse) angereist, um ihren „Robot Typ Oz“ vorzustellen.
„Oz“wurde für die Gemüsefreilandproduktion entwickelt, um in diesen Kulturen die mechanische Unkrautbekämpfung zu erledigen, den Arbeitskräfteeinsatz zu minimieren und von den üblichen Arbeitszeiten unabhängig zu machen.

Gut 30 Interessenten hatten sich zur Vorführung des Roboters eingefunden, darunter auch Unternehmer, die sich schwerpunktmäßig mit dem Erdbeeranbau beschäftigen. Im Verlauf eines gut einstündigen Praxiseinsatzes in einem Sträucherquartier der Baumschulen Heydorn ließ sich erahnen, welche künftigen Nutzungsmöglichkeiten sich für Roboter in Kulturarbeiten in Pflanzreihen bieten.

Roboter: „Typ Oz“
Der Roboter vom Typ Oz, der sowohl zur mechanischen Unkrautbekämpfung als auch als „Erntehelfer“ eingesetzt werden kann, lässt sich wie folgt beschreiben:

  • Maße: circa 45 cm breit, 60 cm hoch und 100 cm lang
  • Gewicht ohne Anbaugeräte: 150kg
  • Antrieb: je Rad ein Elektromotor
  • Anbaumöglichkeiten für diverse Werkzeuge zur mechanischen Unkrautbekämpfung und zum Transport von Lasten bis 300 kg (beispielsweise Erntegut)
  • Kommunikation über SMS, zum Beispiel bei unüberwindbaren Hindernissen, bei Energiebedarf und anderem
  • Arbeitsdauer: drei bis zehn Stunden, je nach Leistung und Kapazität der eingesetzten Lithium-Batterien, die in wenigen Stunden aufgeladen werden können.
  • umfangreiche Sicherheitselemente zum Schutz von Personen und Kulturen
  • Orientierung mit Hilfe von Laser- und Kameratechnik, Fernsteuerung.
  • Der Einsatz eines Roboters setzt einige Eckdaten voraus, die es einzuhalten gilt. Dazu gehören:
  • eine möglichst ebene und gerade Fahrgasse zwischen den Reihen, die bezogen auf das Vorführgerät einen Mindestabstand von 60cm haben und von gleicher Länge sein sollten;
  • Für eine reibungslose Arbeit sind dem Roboter insbesondere folgende Informationen über eine Eingabetastatur mit auf den Weg zu geben:
  • zu leistende Arbeit: Unkrautbekämpfung, Transport, Begleitung einer Arbeitskraft;
  • Anzahl der Reihen, die zu bearbeiten sind, deren Abstand und Länge;
  • Bearbeitung der Reihen: einseitig oder beidseitig;
  • Bearbeitungsabstand bezogen auf in der Reihe stehende Pflanzen;
  • Fahrgeschwindigkeit im Bestand
    u.v.m.

Die Vorführung in Bevern wurde von den anwesenden Unternehmern mit großem Interesse begleitet, Einsatzmöglichkeiten diskutiert und auch schon über die betriebsindividuelle Verwendung eines Roboters nachgedacht. Große Anerkennung fand die Programmierleistung, die zur Steuerung des Roboters notwendig ist.

Je nach Ausstattung bedarf es einer Investition zwischen 21.000 und 24.000 Euro. Wenn also die Rahmenbedingungen, die heute in den meisten Quartieren ohne weiteres problemlos herzustellen sind, stimmen, dann ist es schon jetzt möglich, die mechanische Unkrautbekämpfung in Teilen des Unternehmens rund um die Uhr zu erledigen.

Helmuth G. Schwarz, Appen-Etz
Dr. Heinrich Lösing, VuB


Lesen Sie den ganzen und ausführlichen Artikel in Ausgabe 05/2016 Deutsche Baumschule.