Grüne Branche

Ernüchternde Bilanz: Internationale Gartenschau Hamburg schließt mit Millionen-Defizit

Am Sonntagabend endete die Internationale Gartenschau (igs) Hamburg nach 171 Tagen. Mit einer ernüchternden Bilanz: So zählte die igs lediglich 1,05 Millionen Besucher (Stand: 10. Oktober) – nicht einmal halb so viele wie die Initiatoren erwartet hatten. Dadurch fielen auch die Einnahmen erheblich geringer aus, was unterm Strich ein Defizit von rund 37 Millionen Euro ergibt. 

Die Besucherzahlen der igs blieben weit hinter dem Erwartungen zurück. Foto: igs 2013/Andreas Bock

2,5 Millionen Gäste hatten Gutachter prognostiziert und damit das Ziel gesetzt, die igs durch die Einnahmen komplett zu refinanzieren. Stattdessen die ernüchternde Bilanz: Nur rund 50 Prozent der erwarteten Gäste und damit auch erheblich weniger Einnahmen für die Gartenschau. Die verbleibenden Kosten für den Betriebszeitraum von März 2007 bis Ende 2014 belaufen sich nach offiziellen igs-Angaben damit auf maximal 37 Millionen Euro. Ausgegangen war man zuletzt von einem Minus von 25 Millionen Euro.

Kritik musste einem Bericht des Hamburger Abendblatts zufolge vor allem Jutta Blankau (SPD), Stadtentwicklungssenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende der igs GmbH, einstecken. „Senatorin Blankau ist als Aufsichtsratsvorsitzende der igs persönlich verantwortlich für die betriebswirtschaftlichen Ziele und Vorgaben für die Gartenschau, also auch für die Festlegung der Eintrittspreise“, wird Roland Heintze, stellvertretender Vorsitzender und haushaltspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion von dem Blatt zitiert. Blankau habe Heintze zufolge die Kritik an den Eintrittspreisen „monatelang ausgesessen“. Diese Haltung koste die Hamburger nun mehrere Millionen Euro. „Der Senat ist den Hamburgern Antworten schuldig. Wir verlangen Einsicht in die Unterlagen der betroffenen Aufsichtsratssitzungen der igs“, so Heintze im Hamburger Abendblatt.

Die igs-Verantwortlichen führen das verhaltene Besucher-Interesse hingegen vor allem auf das Wetter zurück. Die Gartenschau in Hamburg habe es mit Schnee und Frost bis April, launigem Wetter zu Beginn und der kritischen Zurückhaltung vieler Hamburger bis zum Schluss nicht leicht gehabt. Dem Hamburger Abendblatt zufolge nannte Blankau außerdem die Konkurrenz mit anderen Großveranstaltungen der Hansestadt, wie Hafengeburtstag oder Kirchentag, als Gründe für den geringen Zuspruch.

„Aus wirtschaftlicher Sicht haben wir unser Ziel weit verfehlt und müssen erkennen, dass keine der vermeintlich sicheren Prognosen der Experten zutreffend waren“, resümierte igs-Geschäftsführer Heiner Baumgarten. „Im Ergebnis aber kann ganz Hamburg stolz sein auf die Entwicklungen und positiven Veränderungen in Wilhelmsburg. Eine Entwicklung, die es ohne die igs nicht gegeben hätte“, so Baumgarten weiter. Der Wilhelmsburger Inselpark steht ab heute den Hamburgern als weiterer großer Volkspark der Hansestadt zur Verfügung.

Darüber hinaus sei die igs 2013 eine großartige Leistungsschau der gärtnerischen Berufe gewesen, wie Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG), betonte. „In den Freilandwettbewerben wie in den 26 Hallenschauen haben die besten Gärtnerinnen und Gärtner aus dem In- und Ausland ihr Können gezeigt. Trends und Inspirationen für die private Welt gab es in unendlicher Fülle. Ich wünsche den Wilhelmsburgern und allen anderen Besuchern, dass der Pflegezustand des igs-Geländes erhalten bleibt und sie so auch künftig ihren Park genießen können“, so Sandner.

Ab dem 14. Oktober heißt das Gartenschaugelände „Wilhelmsburger Inselpark“ und ist, bis auf die vom Umbau betroffenen Bereiche, frei zugänglich. Sofort geöffnet werden der Haupteingangsbereich mit dem Weg zur Schwimmhalle, Kletterhalle und zum Wälderhaus, der Bereich am Kuckucksteich und der große Spielplatz am Kuckuckshorn sowie der Zugang über die Brücke Brackstraße. Anfang November folgt der westliche Teil rund um die alte Kapelle und der Südbereich um die Hauptbühne und die Kulturlandschaften. Mitte 2014 soll der Park in seinem endgültigen Zustand sein. Während des Umbaus sichern Bauzäune die Umbaubereiche.

Der gesamte Inselpark bleibt in seiner Struktur, wie bereits vor der Gartenschau geplant, erhalten. Etwa ein Drittel der 80 Gärten bleibt erhalten. Ein „funktionierender“ Park braucht mehr Rasenflächen als bislang vorhanden. Diese entstehen in ausreichender Größe. Unter anderem werden im Süden weitere 150 Bäume gepflanzt; außerdem werden zusätzlich rund 60 Kleingärten gebaut. (ts/igs)


Zahlen & Fakten: Das war die igs 2013

  • 1,047 Mio. Besucher (Stand: 10.10.13).
  • 8.902 Dauerkarten.
  • Über 30.000 Nachbarschaftskarten wurden beantragt; insgesamt gab es damit 27.672 Zutritte.
  • 73.952 Feierabendkarten.
  • 528.268 Monorailfahrten.
  • Klasse! ist Spitze: Über 1.600 Bildungsveranstaltungen mit mehr als 35.000 Teilnehmenden. Das Programm wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission ausgezeichnet.
  • 4.000 Reisebusse vor allem aus Deutschland brachten fast 145.000 Gäste zur Gartenschau. Internationale Anreisen kamen aus Dänemark, Schweden, Holland, Österreich, Schweiz, England, Liechtenstein, Polen, Russland, Ungarn.
  • Großes Medieninteresse: Über 3.200 Akkreditierungen in sechs Monaten.


Service

  • Mehr als 3.000 individuelle, öffentliche oder Fach-Führungen mit über 65.000 Teilnehmern.
  • Bis zu 1.000 Menschen waren täglich hier tätig, u.a. Ehrenamtliche, Künstler, Bildungsreferenten, Sportanleiter, Stammpersonal, Servicekräfte, Gastronomie, gärtnerische Pflege, Reinigungskräfte, Sicherheitspersonal, Polizei, Erste Hilfe.
  • 837 Bollerwagen, 224 Rollatoren, 1.204 Rollstühle und 2.114 eScooter wurden kostenlos verliehen.
  • 132 ehrenamtliche Helfer/innen unterstützten tatkräftig das igs-Team (u.a. Besucherservice, in den Kulturlandschaften, bei Presse, Marketing, Veranstaltung und ParkSport).


Gärtnerische Leistungen

  • 400 Aussteller mit 770 Wettbewerbsbeteiligungen.
  • Einige Millionen Pflanzen im Gelände.
  • Medaillenregen: 1.709 Gold, 1.237 Silber, 889 Bronze; 98 Große Goldmedaillen; 110 Ehrenpreise (Blumenhalle und Freiland).


Weltreligionen auf der igs

  • 550 Veranstaltungen lockten die Besucher in die Welt der Religionen, davon etwa 150 Vorträge und religiöse Festveranstaltungen der Muslime, Buddhisten, Hindus, Juden und Christen. Ein Höhepunkt war das buddhistische Ullambana-Fest am 7. September.
  • Die Christen feierten 400 Andachten und Gottesdienste.
  • 200 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiteten die Besucher beim Gang durch den christlichen „Lebenspfad“ Garten; 10.000 Kerzen wurden an der Hoffnungswand angezündet, 50.000 Segensbänder verteilt.


Sport

  • Über 900 Veranstaltungen und Angebote für alle Zielgruppen und  Altersstufen.
  • Sport-Höhepunkte: Tourauftakt des Deutschen Sportabzeichens und ParkSport-Abzeichens, sechs Skate-Contests, Deutsche Boule-Meisterschaften und Finale der Boule-Bundesliga, Hella-Inselparklauf, Open-Air-Kino, HipHop-Workshops und Battle, verschiedene Turniere, Kinderturnshows, Gesundheitsforen, jeden Tag ParkSport-Angebote zum Mitmachen.
  • Skater aus ganz Europa zu Gast auf modernster Skate-Arena des Nordens.