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Erster alevitischer Friedhof Europas eröffnet

In Hamburg-Bergedorf wurde der erste alevitische Friedhof Europas eröffnet. Das rund 5.000 Quadratmeter große Gelände auf dem Bergedorfer Friedhof bietet Platz für etwa 250 Gräber, das erste Feld umfasst 95 Grabstellen.

Ismail Ceylan, Vorsitzender der Stiftung Alevitische Gemeinde in Hamburg, bei der Eröffnung von Europas erstem alevitischen Friedhof. Foto: Melek Ceylan/Stiftung Alevitische Gemeinde

Der Bezirk Bergedorf stellt den Aleviten zudem eine ehemalige Schulsporthalle zur Verfügung, in der Abschiedsräume und Büros eingerichtet wurden. Die alevitische Gemeinde trägt die Betriebs- und Unterhaltungs-/Renovierungskosten des Gebäudes, das mehrere Jahre leer stand.

Aleviten: keine rituellen Waschungen und Gebete bei Bestattungen

Die alevitische Lebens- und Glaubenspraxis unterscheidet sich wesentlich von der muslimischen. So gebe es bei Bestattungen keine rituellen Gebete und Waschungen. Außerdem sind Männer und Frauen auch im Gottesdienst gleichberechtigt und alevitische Frauen tragen keinen Schleier. Dafür machen Aleviten bei Trauerfeiern Musik, bevorzugt mit der Saz, einer traditionellen Langhalsgitarre, erläutert Ismail Ceylan, Vorsitzender der Stiftung Alevitische Gemeinde in Hamburg.

Das Besondere an diesem Friedhof in Bergedorf: Er soll nicht allein den Aleviten vorbehalten sein, sondern auch anderen kleineren Religionsgemeinschaften offenstehen, die ebenfalls Konflikte mit muslimischen Trauergesetzen kennen, etwa Aramäern und Jesiden.

Weiterer alevitischer Friedhof in Berlin-Neukölln geplant

Hamburg wird aber nicht lange allein bleiben. Im Sommer soll auch in Berlin-Neukölln auf dem St. Thomas-Friedhof eine eigene Begräbnisstätte eröffnet werden. Die alevitischen Gemeinden in Berlin zählen rund 70.000 Aleviten. In ganz Deutschland gibt es mehr als 20 Millionen, 60 Prozent von ihnen sind deutsche Staatsbürger. (jen)

Mehr zu Europas erstem alevitischen Friedhof lesen Sie in der Friedhofskultur 6/2016.