Grüne Branche

Eschentriebsterben: Neue Schadpilzform entdeckt

Massiver Pilzbefall lässt derzeit viele Eschen in Mitteleuropa sterben. Betroffen sind auch weite Teile Deutschlands, teilt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) mit. Als ein Hauptverursacher des sogenannten Eschentriebsterbens wurde vor Kurzem die Nebenfruchtform (Chalara fraxinea) des „Eschenblatt-Stengelbecherchens“ (Hymenoscyphus albidus) identifiziert. Außerdem ist jetzt eine zweite schädigende Erscheinungsform dieses Pilzes (Hymenoscyphus pseudoalbidus) entdeckt worden.

Massiver Pilzbefall lässt derzeit viele Eschen in Mitteleuropa sterben. Foto: Thorben Wulf

Ungeklärt sei bisher, warum eine lange bekannte und bisher nützliche Pilzart plötzlich Pflanzen derart schädigen kann.


„Die Meldung klingt bedrohlich“

Hartmut Balder, Professor an der Berliner Beuth Hochschule für Technik, Fachbereich Gartenbau/Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management, kommentiert dazu:


„Die Meldung der LWK klingt inhaltlich bedrohlich. Offensichtlich finden unbemerkt Populationsverschiebungen international statt, ohne dass wir dies im Beginn mitbekommen. Eine Folge von Globalisierung verstärkt durch Klimaveränderungen. Umso dringlicher muss in der Praxis entwickelt werden:

  • Überwachung von Pflanzenbeständen außerhalb von Produktionsflächen, um Epidemien rechtzeitig mitzubekommen,
  • konsequente Entwicklung und Umsetzung von Gegenmaßnahmen auch in Naturschutzgebieten,
  • Erhaltung von Forschungsressourcen,
  • Züchtung von Gehölzen muss endlich gezielt und konsequent organisiert werden.“

Wenige Standorte sind noch vital

Befallene Bäume verlieren dabei mitten in der Vegetationszeit ihr Laub und zeigen kahle Kronen. Betroffen sind Eschen aller Altersklassen, so die LWK. Es trifft aber vor allem die jüngeren Pflanzen, die je nach Standort einen Totalverlust erleiden können.

Auch immer mehr ältere Bäume sind erkrankt, und es muss damit gerechnet werden, dass sie bald absterben. Nur wenige Standorte sind noch weitgehend vital, heißt es weiter.

Ursache für das Absterben der Eschen ist eine Nebenfruchtform des „Eschenblatt-Stengelbecherchens“, das im natürlichen Kreislauf die abgefallenen Blätter der Esche zersetzt.

Die Erkrankung ist bei massivem Auftreten der Symptome nicht zu bekämpfen. Die Infektion der Eschen erfolgt vermutlich über den Blattaustrieb, daher auch der Name: „Eschentriebsterben“. Andere Arten wie Eichen oder Buchen befällt der Schädling nicht.

Ähnlich wie bei dem seit über 30 Jahren grassierenden „Ulmensterben“ geben einzelne, noch völlig intakte Bäume in stark befallenen Beständen Hoffnung auf die Erhaltung dieser wichtigen Laubholzart. Daraus könnten in Zukunft resistente Pflanzen gezüchtet werden.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfiehlt privaten Grundstücksbesitzern, geschädigte Bäume zu entfernen und die Zweige zu verbrennen, um die weitere Ausbreitung einzudämmen.

Angesichts des Krankheitsdrucks könne es sich dabei nur um Schadensbegrenzung handeln. Neuanpflanzungen, so rät die Kammer, sollten vorerst unterbleiben.