Grüne Branche

EU-Fördermittel für Absatzwerbung: Binnenmarkt weiter bedacht

Die Absatzförderung für Blumen und Pflanzen, Obst und Gemüse kann weiterhin in Deutschland und EU-weit mit Finanzmitteln der EU rechnen. Das hat der EU-Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des EU-Parlamentes jetzt bestätigt. 

Anfang Mai startet die Kampagne „Frische ist Leben“ mit Plakaten auf 4.000 Parkplätzen großer Supermarktketten. Sie ist Teil der EU-Kampagne des deutschen, belgischen und niederländischen Obst- und Gemüsesektors unter dem Schirm von „5 am Tag“. Werkfoto

In einer Abstimmung zur „Verordnung über Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen für Agrarerzeugnisse“, wie es genau heißt, hat der Ausschuss den Kompromiss gebilligt. Er gilt jetzt nicht nur für Drittländer, sondern auch im Binnenmarkt. Zuvor lag für den Binnenmarkt nur eine reine Informationsförderung auf dem Tisch. Man hätte die Verbraucher beispielsweise über den Einsatz und Zweck eines Qualitätssystems informieren können und dies hätte die EU dann finanziell gefördert.

Eine Absatzförderung für Produkte wie Schnittblumen, Topfpflanzen, Gehölze, Obst und Gemüse in Europa war im vorigen Entwurf aber nicht vorgesehen. So erklärte es Gabriele Harring, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Zierpflanzen und dort auch für Absatzförderung und EU-Fragen zuständig, auf Anfrage der TASPO. Sie ist federführend im Zentralverband Gartenbau (ZVG) zuständig für die Arbeit in den Gremien der EU und in diesem Fall für die Empfehlungen an die Ausschussmitglieder und die Abstimmung mit anderen europäischen Verbänden. Der jetzt vorgelegte Kompromiss sieht die alleinige Förderung durch die EU vor.

Die Nationalstaaten sind jetzt in der Ko-Finanzierung wie in früheren Modellen nicht mehr vorgesehen. Das bedeute, statt früher bei 50 Prozent Förderung liegen die EU-Mittel jetzt bei 70 bis 80 Prozent für bewilligte Maßnahmen. Die anderen 20 bis 30 Prozent sind von der beantragenden Organisation zu tragen. Dies sollen beispielsweise Verbände oder Organisationen sein, jedoch keine Einzelfirmen.

Bei ernsthaften Marktstörungen wie der EHEC-Krise kann die EU ihre Förderung für Absatzmaßnahmen bis auf 85 Prozent erhöhen. Mitgliedstaaten mit finanziellen Defiziten oder Problemen können bis zu 90 Prozent beantragen. Die EU-Kommission ist jetzt auch in der Lage, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um schwere Marktstörungen zu vermeiden. Und die Palette der förderfähigen Produkte ist auf teilweise verarbeitete Lebensmittel ausgeweitet worden. Vor allem aber sind alle Produkte des Gartenbaues voll förderfähig, betont Harring.

Fördermöglichkeiten in Drittstaaten betrifft nach ihrer Einschätzung vor allen den Ernährungsbereich. Absatzwachstum werde hier in den Drittstaaten erzielt. Blumen und Pflanzen zielen mit ihrer Absatzwerbung doch zunächst auf den deutschen, dann den europäischen Markt. Laufende Kampagnen sind beispielsweise die für Poinsettien „Stars for Europe“ oder die Werbung „Lieblingsblumen“ sowie „Zimmerpflanze des Monats“ des Blumenbüro Holland. Bei Obst und Gemüse ist es die Kampagne „5 am Tag“. Sie alle haben jetzt eine gute Grundlage, um fortgeführt werden zu können, sagte Harring.

Fertige Planungen liegen noch nicht in der Schublade, hier bleibe erst einmal der weitere konkrete Umsetzungsweg abzuwarten. Wie geht es jetzt weiter? Die neuen Förderkriterien sollen in dieser Woche im Parlament in Straßburg verabschiedet werden. Hier sind keine Änderungen mehr zu erwarten, so Harring. Abschließend muss noch der Rat der Europäischen Union dem Text zustimmen. Hier sei ebenfalls keine überraschende Wandlung mehr zu erwarten, die Prozedur gelte jetzt als Formsache. (fri)