Grüne Branche

EU-Projekt: Energie aus Schnittgut

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Wie kann die energetische Nutzung von Landschaftspflegematerial gesteigert werden? Diese Frage stand im Zentrum des von 2015 bis 2017 laufenden europäischen Projekts „greenGain“ (grüner Gewinn). Jetzt liegen die Ergebnisse vor, wie die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) berichtet.

Holzhackschnitzel aus der Landschaftspflege können beispielsweise Heizöl als Energiequelle ersetzen. Foto: Pixabay

Landschaftspflege zwingend notwendig

Landschaftspflegematerial ist als Biomasse bislang unterschätzt und wird in der Regel kompostiert oder an Ort und Stelle ohne Nutzung der Energie verbrannt. Dabei ist Landschaftspflege im öffentlichen Interesse zwingend notwendig, und die energetische Anwendung wäre nicht nur nach Ansicht der FNR, die das Projekt koordinierte, sinnvoll. Die Integration in bereits bestehende, regionale Wertschöpfungsketten zur Bioenergie-Erzeugung liege von daher nahe.

Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Sonnenblumen stellen ein großes Biomasse-Potenzial dar, stehen jedoch in Konkurrenz zu der Produktion von Futter- und Lebensmitteln. Zur nachhaltigen Umsetzung der Energiewende sei es deshalb sinnvoll, verstärkt auch alternative Biomasse-Ressourcen zu nutzen. 

Holziges und krautiges Material aus gesetzlich vorgeschriebenen Landschaftspflege-Maßnahmen von öffentlichen Flächen wie Grün- und Parkanlagen, Wallhecken, Straßen und Wegen stelle solch eine Alternative dar. Charakteristisch für diese Biomasse, die bislang als Restbiomasse beziehungsweise Abfallstoff eingestuft wird, sei ihre starke räumliche und saisonale Heterogenität, die unterschiedliche Brennstoffqualitäten zur Folge hat.

Als Energieträger noch die Ausnahme

Noch sei die Nutzung von Landschaftspflegematerial als Energieträger deshalb die Ausnahme. Weitere Hürden macht die FNR in Wissensdefiziten sowie fehlenden administrativen Zuständigkeiten aus. In Europa gebe es zum Beispiel kein Gesetz, das Landschaftspflegematerial und seine Nutzung zur Energieproduktion direkt reguliert.

Im Rahmen von greenGain wurde unter anderem das Biomasse-Potenzial von Landschaftspflegematerial in Pilotstudien untersucht. So ließen sich in der deutschen Pilotregion Friesland, wo Hecken- und Baumreihen typisch sind, zwischen drei und 16,62 Tonnen Frischmasse pro Quadratkilometer und Jahr gewinnen. Im Vergleich zu Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft ein geringes Potenzial. Dennoch könne seine Nutzung einen Beitrag zur Energiewende und zur lokalen Wertschöpfung leisten. On top sei damit ein finanzieller Ausgleich für die Pflegekosten verbunden.

Mit Landschaftspflegematerial Treibhausgase reduzieren

Die Energiegewinnung aus Landschaftspflegematerial spare zudem Treibhausgase ein. So würden in der friesischen Pilotregion jährlich rund 15.000 Kubikmeter Holzhackschnitzel aus der Landschaftspflege vermarktet. Diese Menge ersetze 1,5 Millionen Liter Heizöl und entspreche einer Einsparung von fast 5.000 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Die Verbrennung von Holz ist CO2-neutral, hinzurechnen müsse man den Energieaufwand zur Ernte und Aufbereitung des Materials. Insgesamt spare die Verbrennung von Landschaftspflegematerial gut 94 Prozent Treibhausgas-Emissionen gegenüber der von Heizöl ein.

greenGain sammelt Infos zum Thema Landschaftspflege

Ein weiteres Ziel des Projekts greenGain habe darin bestanden, Informationen zum Thema Landschaftspflege zu sammeln und diese einem breiten Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Alle Akteure der Wertschöpfungskette sollen so Zugang zum Thema und seinen politischen, finanziellen, logistischen, technischen und sozioökonomischen Aspekten bekommen.

Das Projekt greenGain wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Horizon 2020 gefördert. An greenGain waren acht Einrichtungen aus Deutschland, Italien, Spanien und der Tschechischen Republik beteiligt.