Grüne Branche

Eukalyptus aus Pirna für Dresdner Koalas

Seit rund vier Wochen sind die beiden Koala-Männchen Mullaya und Iraga die neuen Stars im Zoo Dresden. Die australischen Beuteltiere, die rund 20 Stunden pro Tag schlafen, stellen allerdings ganz spezielle Ansprüche an ihr Futter – Koalas ernähren sich nämlich fast ausschließlich von frischen Eukalyptusblättern.

Koala-Männchen Mullaya wird im Dresdner Zoo unter anderem mit frisch geschnittenem Eukalyptus aus der Gärtnerei Zschieschang gefüttert. Foto: Zoo Dresden

Der Zoo Dresden lässt das bevorzugte Grünfutter seiner plüschigen Publikumsmagneten bereits seit Längerem in der Gärtnerei Zschieschang in Pirna-Jessen anbauen. Denn der Zoo sollte schon 2010 Koalas bekommen, musste aber noch gut drei Jahre warten, bis die passenden Jungtiere gefunden waren. Erforderlich waren außerdem Haltungsgenehmigungen von der australischen Regierung, deren Eigentum alle außerhalb Australiens gehaltenen Koalas sind, und vom Zoo San Diego (USA), der die Koala-Zucht weltweit beaufsichtigt.

In Abstimmung mit dem Zoo Duisburg, aus dessen Zucht Mullaya und Iraga stammen, wählte der Dresdner Zoo das Saatgut für die 18 verschiedenen Eukalyptusarten aus, die seit 2009 in der Pirnaer Gärtnerei Zschieschang angebaut werden.

Warum der Dresdner Zoo ausgerechnet ihren Betrieb ausgewählt hat, weiß Betriebsinhaberin Annette Zschieschang bis heute nicht. „Vielleicht, weil wir bereits Erfahrung mit Eukalyptus hatten“, vermutet sie. Vor dem Großauftrag des Zoos wurden die Pflanzen in der Gärtnerei allerdings eher im kleinen Rahmen kultiviert, als Kübelpflanzen und Schnittgrün für die Floristik.

Inzwischen wachsen in einem der Gewächshäuser der Endverkaufsgärtnerei – die auf rund 4.000 Quadratmetern unter Glas und Folie sowie auf etwa 1,5 Hektar Freiland Beet- und Balkonpflanzen, Schnittblumen und Gemüse anbaut – etwa 900 Eukalyptuspflanzen.

Das rund 800 Quadratmeter große, extensiv genutzte Gewächshaus war renovierungsbedürftig und musste für den Eukalyptusanbau durch Umrüsten von Glas auf Doppelfolie „fit gemacht werden“, sagt Annette Zschieschang. Für den Anbau der Pflanzen und die Nutzung des Gewächshauses erhält sie vom Zoo eine Aufwandsentschädigung.

Auf den Einsatz von Chemie muss Annette Zschieschang bei ihren Eukalyptuspflanzen komplett verzichten, lediglich biologische Mittel dürfen bei dem Koala-Futter zum Einsatz kommen. Gegen Blattläuse setzt die Pirnaer Gärtnerin vor allem auf Chrysoperla, der vor einiger Zeit aufgetretene Eukalyptusblattsauger wäre hingegen gut mit Vertimec zu bekämpfen gewesen. „Da wir dieses Mittel aber nicht einsetzen dürfen, mussten wir die befallenen Pflanzen zurückschneiden“, erinnert sich Annette Zschieschang. Dünger wird kaum noch verwendet, „dafür viel Pflanzenstärkung“, so die Gärtnerin.

Da die Fressvorlieben der Beuteltiere variieren können, besteht eine Herausforderung für die Gärtnerei darin, die jeweils bevorzugten Arten in der erforderlichen Menge liefern zu können – etwa 500 Gramm Eukalyptusblätter frisst ein Koala pro Tag. „Es kann passieren, dass die Koalas eine Eukalyptusart monatelang begeistert fressen und diese von heute auf morgen nicht mehr mögen“, sagt Annette Zschieschang.

Derzeit werden sechs Eukalyptusarten vom Zoo angefordert: Eucalyptus robusta, E. saligna, E. tereticornis, E. viminalis, E. camaldulensis und E. grandis. Die Gärtnerei liefert davon regelmäßig rund einen Meter lange Triebe nach Dresden, von denen die Koalas meist nur die oberen Blättchen fressen. Da Annette Zschieschang aber allein schon flächenmäßig nicht den gesamten Eukalyptusbedarf von Mullaya und Igara decken kann, bezieht der Dresdner Zoo außerdem noch Eukalyptus aus Florida – verbunden mit hohen Transportkosten.

Die drücken auch aufs Budget des Duisburger Zoos, der für seine Koalas deshalb nach einer Eukalyptusgärtnerei in Deutschland sucht. Interessenten, die bereits Eukalyptus anbauen oder ausreichende Flächen zur Verfügung haben, können sich direkt beim Zoo Duisburg (www.zoo-duisburg.de) bewerben. (ds)