Grüne Branche

Fachkräftemangel: Betriebe, Ihr habt es selbst in der Hand

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Beim Ahlemer Forum stand der Fachkräftemangel innerhalb der Grünen Branche im Fokus der Diskussionen. Statistisch sei dieser nur schwer nachweisbar. Es herrsche großes Potenzial, was der Bereich GaLaBau besonders zeige, aber nur, wenn mehr Betriebe ausbilden und spartenübergreifend denken.

Der Fachkräftemangel beherrscht weiterhin die Diskussionen. Foto: GMH

Gartenbau faktisch nach Zahlen gut aufgestellt

Rund um das Thema Fachkräftemangel rankte sich ein Part des diesjährigen Ahlemer Forums im Januar. Gleich vorweg machte Marcel-Alexander Janßen vom Bereich Berufsbildung im Gartenbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eines deutlich: Der Fachkräftemangel im Gartenbau ist statistisch nach wie vor nicht so recht zu belegen. Zudem sei Gärtner kein sogenannter Engpassberuf – denn die Vakanz freier Gärtnerstellen liegt im Schnitt unter 100 Tagen. Zum Vergleich verwies der Fachbereichsleiter auf den Pflegebereich: Dort beträgt die Vakanzzeit etwa 171 Tage. Wo also liegt die Wahrheit über den Fachkräftemangel im Gartenbau? Janßen bediente sich bei den Antworten auf diese Frage der Statistik am Beispiel Niedersachsen. Das, um klar zu machen, dass der vielbeklagte Fachkräftemangel derzeit noch nicht unbedingt nachweisbar ist. Allein in Niedersachsen waren im Jahr 2019 rund 34.500 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer im Gartenbau tätig, davon 56 Prozent mit anerkanntem und fünf Prozent mit akademischem Abschluss. „Faktisch nach reinen Zahlen also gut aufgestellt“, fasst Janßen zusammen, auch bundesweit.

Dreiviertel der Ausbildungsverträge im GaLaBau

Allerdings sei die Fachkräfteversorgung in den einzelnen Fachrichtungen völlig unterschiedlich gut, eine wichtige Ursache dafür zeigen die Ausbildungszahlen. So wurden von den insgesamt in Niedersachsen im Jahr 2019 bestehenden 1.645 Ausbildungsverträgen rund drei Viertel im GaLaBau abgeschlossen, das letzte Viertel verteilt sich auf die anderen Fachrichtungen, allen voran den Zierpflanzenbau (acht Prozent) und den Baumschulbereich (sieben Prozent). Der GaLaBau macht es also weiter vor und zeigt: Azubis und damit potenzielle spätere Fachkräfte für die Grüne Branche gibt es durchaus. „Wir hätten im Gartenbau die Chance auszubilden“, so Janßen. Wenn die Bezahlung stimmen würde (ein Gärtner-Azubi verdiene im dritten Lehrjahr etwa soviel wie ein GaLaBau-Azubi im ersten Lehrjahr) – und wenn genügend ausbildungsfähige Betriebe auch ausbilden würden.

Zu wenige Betriebe bilden Fachkräfte aus

In Niedersachsen beispielsweise tun das von 1.250 anerkannten Betrieben derzeit aktiv nur 694, darunter 484 GaLaBau-Betriebe. „Nur noch 30 bis 40 Prozent der Zierpflanzen- und Baumschulbetriebe bilden aus“, bedauert Janßen. Sehr erfreulich sei, dass 80 Prozent der fertigen Azubis den Gartenbau toll finden und dabei bleiben wollen. Auch die Zahl der Fortbildungsabsolventen im Vergleich zu den Gesuchen lasse nicht auf einen wirklichen Mangel schließen. „Das Potenzial für Fachkräfte ist also da“, sagt Janßen. Sein Appell: „Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Nachbar für Sie ausbildet – die Zeiten sind endgültig vorbei. Und schauen Sie bei der Suche nach Fachkräften über alle Fachrichtungen.“

Mehr zum Thema Fachkräfte lesen Sie in der TASPO 18/2020, die in unserem Online-Shop abrufbar ist.

 

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