Grüne Branche

Fachkräftemangel in der Baumpflege: visionäres Konzept für die Zukunft

Auch im Bereich der Baumpflege gewinnt das Thema Fachkräftenachwuchs zunehmend an Bedeutung. Wie damit künftig auch unter veränderten demoskopischen und wirtschaftlichen Bedingungen umzugehen ist, diskutierten daher die Teilnehmer der Qualitätsgemeinschaft Baumpflege und Baumsanierung (QBB) im Rahmen ihrer letzten Mitgliederversammlung (wir berichteten in der TASPO 29/12, Seite 12). 

Übungsaufgabe für angehende Fachagrarwirte Baumpflege: habitusgerechter Jungbaumschnitt mit Lichtraumprofil. Foto: LVG Heidelberg

Qualifizierten Baumpflegebetrieben geht es in diesem Zusammenhang insbesondere darum, den eigenen Einfluss auf die Fachkräftesicherung zu stärken. Bislang verfügt der Berufszweig nicht über eine eigene Ausbildungsberechtigung, da der Baumpfleger kein eigenständiger Ausbildungsberuf ist und die spezifische Qualifikation nur über Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erreicht werden kann.

Ausgangspunkt einer seit Jahren geführten Diskussion mit dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) ist die Ausbildungsfinanzierung. Viele Baumpfleger sind Mitglied im Verband und entrichten mit ihren Mitgliedsbeiträgen auch anteilige Zahlungen an das BGL-eigene Ausbildungsförderungswerk (AuGaLa), aus dem die Weiterbildung zum Baumpfleger jedoch nicht finanziert wird.

Hintergrund dazu sind die tarifvertraglichen Vereinbarungen und satzungsgemäßen Festlegungen im Hinblick auf das Ausbildungsförderungswerk. Aus dem jetzigen Status quo heraus ließe sich daran auch nicht viel ändern. Aus diesem Grund will der Fachverband geprüfter Baumpfleger als Mitglied der Interessengemeinschaft Deutsche Baumpflege (IDB) nun einen neuen Lösungsansatz in die Diskussion einbringen.

Nach den Worten von Bodo Siegert, 1. Vorsitzender des Vereins, geht es insbesondere darum, die Voraussetzungen für eine Verbundausbildung im Bereich Baumpflege zu schaffen, wobei derzeit über den Begriff Baumpflegefachbetrieb diskutiert werde. Ziel sei es, die inhaltliche Definition in enger Zusammenarbeit mit der Gartenbau-Berufsgenossenschaft zu erarbeiten.

Ersten Vorstellungen zufolge sollte der Baumpflegefachbetrieb über eine betriebliche Organisationsstruktur verfügen, das heißt, mindestens zwei Mitarbeiter beschäftigen. In der Diskussion seien weiterhin klare Regelungen in Fragen der Arbeitssicherheit. Diese betreffen unter anderem das Arbeiten in großen Höhen, wobei Vorgaben sowohl die Zugangstechnik (Seil oder Hebebühne) als auch den Umgang mit der Motorsäge betreffend zu formulieren seien.

Im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus sind seit Jahren zunehmende Spezialisierungsausrichtungen zu beobachten, denen auch in der Verbandsentwicklung des BGL Rechnung getragen werden muss, so Siegert. Gemeint sei damit unter anderem die Schwimmbadtechnik, der Trockenbau, die Dachbegrünung und eben auch der Bereich der Baumpflege und -sanierung.

Für all diese Spezialisten schlägt Siegert das Modell einer Zertifizierung unter dem Dach des BGL vor. „Wir stellen uns vor, dass der Verband sagt, es gibt GaLaBau-Betriebe und GaLaBau-Betriebe mit Spezialisierung. Letztere könnte über ein Sondersiegel oder ein Zertifikat verdeutlicht werden.“ Natürlich, meint Siegert, sollte eine solche Zertifizierung dem hohen Spezialisierungsgrad in der Praxis auch gerecht werden – etwa eine RAL-Zertifizierung Baumpflege, die es ja bereits gibt, werde den Ansprüchen nicht gerecht. Vielmehr vertrete der Fachverband die Ansicht, dass die Zertifizierungen von Fachorganisationen geleitet werden sollten, um eigene Standards, die im Bereich der Baumpflege auch juristisch manifestiert seien, zu erhalten. Ähnlich wie bei der ISO-Zertifizierung könnten die Fachorganisationen als Partner des BGL fungieren, über den die Generalabwicklung der Zertifizierung laufe.

Bis zum September will der Fachverband geprüfter Baumpfleger nun konkrete Vorschläge erarbeiten und das nach Siegerts Worten „visionäre Konzept“ auf der GaLaBau in Nürnberg zur Diskussion stellen.

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