Grüne Branche

Fargesia demissa ‘Gerry’ ist der Bambus des Jahres 2014

Als Bambus des Jahres 2014 hat die Europäische Bambusgesellschaft Sektion Deutschland (EBS-D) Fargesia demissa T.P. Yi ‘Gerry’ bekanntgegeben. Damit folgt ein horstig wachsender Bambus nach der seit 2008 anhaltenden Serie an Phyllostachys (2013: Phyllostachys aureosulcata ‘Harbin Inversa’).

Wie Dr. Steffen Greiner von der EBS-D zu Fargesia demissa ‘Gerry’ ausführt, wurde die Pflanze, auf der die Artbeschreibung beruht, 1979 in der chinesischen Provinz Gansu auf 2.050 Metern von Tong Pei Yi gesammelt.

Allerdings ist laut Greiner bis heute strittig, ob es sich tatsächlich um eine neue Art handelt. So wird sie im 2006 herausgegebenen Werk Flora of China schlicht als kleinere Form von Fargesia nitida angesehen. Ungeachtet dessen und wegen deutlicher Unterschiede zu Fargesia nitida (dickere Halme bei geringerer Höhe, längere Rhizomhälse, andere Halmscheiden), verwendet Greiner in seiner Beschreibung des Bambus des Jahres für den gartenbaulichen Gebrauch den Artnamen „demissa“.

Neben ‘Gerry’ kamen 2004 den Angaben zufolge noch acht weitere demissa-Klone über das Forest Department von Lanzhou nach Europa: demissa ‘A’, ‘B’ (‘Bernhard’), ‘C’, ‘D’, ‘E’, ‘F’ (alle durch Jos van der Palen) sowie demissa ‘Lanzhou 1’ und ‘Lanzhou 2’ ( letztere durch Fred Vaupel). Noch seien die Erfahrungen zu allen demissa-Klonen relativ jung, sodass nachfolgende Angaben teilweise als vorläufig zu betrachten sind, so Greiner.

Fargesia demissa ‘Gerry’ sei auch noch nicht überall verfügbar. Sicher ist es aber einige Anstrengungen wert, so Greiner mit dem Blick Richtung Gartenliebhaber, diese sehr außergewöhnliche Fargesie für den eigenen Garten zu erwerben.

Fargesia demissa stammt laut Greiner etwa vom 36° N und damit vom nördlichen Rand des Verbreitungsgebietes der Gattung. Das sei zwar etwa auf dem Breitengrad Siziliens, aufgrund Höhenlage und kontinentalen Klimaeinflusses aber nicht zu vergleichen. Das dortige trockenkalte Klima im Winter lasse eine Winterhärte ähnlich Fargesia nitida vermuten, welche oft mit etwa minus 28 Grad Celsius angegeben wird. Bisher habe es praktisch keine Berichte über Winterschäden in hiesigem Klima gegeben.

Die Pflanze wächst aufrecht, nur dünne, mehrjährige Halme können etwas überhängen. Der Halmabstand ist im Vergleich zu Fargesia nitida mit bis 15 Zentimetern relativ groß. Die Endhöhe ist meist zwischen zwei und drei Meter zu vermuten. Allerdings habe die größte Pflanze eines EBS-Mitgliedes vergangenes Jahr bereits 3,3 Meter erreicht, unter bestimmten Standortbedingungen oder im Alter seien somit vielleicht auch Höhen bis vier Meter denkbar.

Die bis 1,5 Zentimeter starken Halme sind zunächst bläulich/lila/schwarz und etwas weiß bemehlt. Die Internodien sind elf bis 20 Zentimeter lang. Der Austrieb erfolgt verhältnismäßig spät im Juni, und die neuen Halme gehen ohne Seitenzweige in den Winter. Erst im Mai des Folgejahres bilden sie Seitenzweige. Die Halmscheiden sind relativ langlebig, violett oder violett-braun, gewöhnlich kürzer als die Internodien und spärlich weiß-grau borstig behaart. Die Knoten und vor allem die Narben der Halmscheiden sind auffallend und sehr charakteristisch.

Die Blätter sind klein aber verhältnismäßig breit. Im Herbst fallen meist etwa 80 Prozent der Blätter ab, die verbleibenden können in Dauerfrostperioden eingerollt sein. So kann im Winter ein blattloser Eindruck entstehen. Im Frühjahr bilden sich sehr früh (März) neue frischgrüne Blätter, sodass laut Greiner „in Kombination mit den schwarzen Halmen ein unschlagbarer Kontrast entsteht“.

Auffallend ist auch, dass an eher sonnigem Standort die Seitenzweige deutlich kürzer zu bleiben scheinen. Wegen der herausragenden Winterhärte könnte sich „demissa“ dem Bambusexperten zufolge gut zur Topfkultur im Außenbereich eignen. Wegen der geringen Beblätterung im Winter sei die Pflanze für Hecken und als Sichtschutz wohl eher ungeeignet. Als Solitär sei er aber im Frühjahr und Sommer „unschlagbar schön, vielleicht für manche der Schönste im Garten!“ (hlw)