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Feuerbrand: Katastrophenfall im Südharz ausgerufen

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt informiert aktuell über das vermehrte Auftreten von Feuerbrand. Die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte und meldepflichtige Krankheit tritt vor allem an Obstgehölzen, wie Apfel, Birne, Quitte (nicht an Stein- und Beerenobst) und verschiedenen Ziergehölzen (zum Beispiel Rotdorn, Weißdorn, Zwergmispel, Feuerdorn, Mehlbeere oder auch Cotoneaster) auf. Insgesamt sind 130 Pflanzenarten als Wirt möglich. Befallene Bäume können in kürzester Zeit absterben, zudem greift die Krankheit sehr schnell um sich. Wie das Ministerium weiter informiert, breitet sich der Feuerbrand derzeit in besorgniserregendem Ausmaß, insbesondere in den Regionen um das Seegebiet Mansfelder Land sowie Eisleben und Helfta, aus.

Feuerbrand verbreitet sich sehr schnell und führt nicht selten zum Absterben ganzer Pflanzen. Foto: LLFG Sachsen-Anhalt

Für den Landkreis Mansfeld-Südharz wurde sogar der Katastrophenfall ausgerufen. Der Landesverband „Sächsisches Obst“, Fachgruppe Sachsen-Anhalt sieht insgesamt 300 Hektar der Obstanbaufläche im Umkreis des Süßen Sees als gefährdet an. Seit 30 Jahren sei eine solche Befallsdichte im Bundesland nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Nach derzeitigem Kenntnisstand nicht betroffen sind die sachsen-anhaltinischen Baumschulen, wie Falko Beyme, Vorsitzender des BdB-Landesverbandes Sachsen-Anhalt gegenüber der TASPO informierte.

In einem speziellen Merkblatt informiert die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt (Dezernat Pflanzenschutz, Bernburg) darüber, dass der Erreger des Feuerbrandes nicht durch Pflanzenschutzmittel bekämpft werden kann. Er dringe über geöffnete Blüten, Stomata (Spaltöffnungen) und mechanische Verletzungen (zum Beispiel durch Hagel) in die Pflanze ein und überwintere an der Grenzzone zwischen gesunder und kranker Rinde. Von dort aus könne es bei günstigen Temperaturen und hoher Luftfeuchte immer wieder zu neuen Infektionen kommen.

Nach Angaben des Julius Kühn-Institutes (JKI) stellt der hohe Befallsdruck in Sachsen-Anhalt im bundesweiten Überblick eine Sondersituation dar.

Meldungen zum Auftreten des Feuerbrandes gab es aus anderen Bundesländern nur vereinzelt, so etwa aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Schleswig-Holstein (hier sind auch zwei Baumschulen betroffen). Keinerlei Angaben erfolgten aus Bayern und Baden-Württemberg.

Gleichermaßen verweist das Institut darauf, dass eine chemische Bekämpfung des Feuerbrandes – selbst in Extremsituationen, wie jetzt in Sachsen-Anhalt – kaum möglich ist, da in Deutschland für das als weltweit am wirksamsten geltende Antibiotikum Streptomycin (Plantomycin) keine Zulassung bestehe. (ts)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserer aktuellen TASPO Ausgabe 29/2013.