Grüne Branche

FGL Hamburg: Sonderbudget für öffentliches Grün gefordert

Optimistisch blickt der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg (FGL) in die Zukunft. Hintergrund sind die gute Konjunktur Hamburgs im Jahre 2014 und die guten Aussichten für die kommenden Jahre und Monate durch den starken Wohnungsbau in der Hansestadt. Anlass zur Klage gebe jedoch die Unterhaltung und Pflege öffentlichen Grüns.

Thomas Schmale, Verbandsvorsitzender (vorn mit Charta), und die Referenten. Foto: FGL

Es dürfe nicht sein, dass neue Parks oder Grünanlagen als „Lockmittel“ gebaut werden, wenn zeitgleich andere Grünflächen und Parks in Hamburg aufgrund nicht berücksichtigter Pflegekosten in der Verwahrlosung versinken, wandte sich der FGL-Vorsitzende Thomas Schmale auf der Fachtagung des Verbands an die Politik.

Schmale fordert Sonderbudget für öffentliches Grün

Schmale forderte daher – auch in Absprache mit den anderen grünen Verbänden – von der Politik ein Sonderbudget in den kommenden fünf Jahren von jährlich mindestens drei Millionen Euro zusätzlich bereitzustellen, um die in der Vergangenheit aufgelaufenen Pflegedefizite öffentlicher Grünanalagen abzubauen.

Optimistisch stimme die gute Konjunktur Hamburgs im Jahre 2014, in dem kontinuierlich durchgearbeitet werden konnte, wie auch die guten Aussichten der kommenden Jahre und Monate, begründet durch den starken Wohnungsbau in der Hansestadt, so Schmale. So schätzen laut der letzten Konjunkturumfrage im vergangenen Herbst auch 88 Prozent der befragten Betriebe die Zukunftsaussichten für die nächsten fünf Jahre optimistisch ein. Kein Grund zur Klage für die Landschaftsgärtner also, meinte Schmale.

Michael Sachs, Hamburger Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, ging anschließend auf eine Reihe lokaler Erfolge, angesichts fehlender Finanzmittel aber auch auf kommende Probleme ein. Nicht ganz so hoch wie eingangs von Schmale gefordert seien die Finanzmittel, die die Hansestadt für 2015 und 2016 zur Grünflächenpflege bereitstellen könne. Immerhin seien die Mittel aber noch einmal um je zwei Millionen Euro aufgestockt worden.

Hamburger Gründachstrategie Thema auf FGL-Tagung

Sachs wies auch auf die Hamburger Gründachstrategie hin. Bis 2019 werden freiwillig durchgeführte Dachbegrünungen auf Bestands- oder Neubauten mit drei Millionen Euro unterstützt, maximal mit 50.000 Euro je Gebäude. Auch die Fertigstellungspflege ist förderfähig. Er hoffe, so Sachs, dass dieser Betrag als Initialzündung wirke, um die Dachbegrünung in Hamburg voranzubringen.

Im Rahmen der FGL-Fachtagung erläuterte Peter Menke, Vorstandsmitglied der Stiftung „Die grüne Stadt“, außerdem die Thesen der Charta „Zukunft Stadt und Grün“, an die sich auch das Hamburger Tagungsthema „Zukunft Hamburg mit Grün“ anlehnte. Über 20 Organisationen gehörten inzwischen zu den Unterzeichnern der Charta, so Menke. Bundesweit gebe es eine Aufbruchstimmung und deutlichen Rückenwind für eine integrierte Stadtentwicklung, in der die Grün- und Freiraumplanung eine wesentliche Rolle spielt, stellte Menke fest.

FGL-Fachtagung: städtische Strukturen verdichten

Zu den „neuen Aufgaben der Landschaftsarchitektur“ gehört es, die städtischen Strukturen zu verdichten, um eine Zersiedelung zu vermeiden und das zu erhalten, was man eigentlich sucht: natürliche Landschaft, so Prof. Sigurd Karl Henne, Leiter der Akademie für Vegetationsplanung und Landschaftsbau (Avela) aus Nürtingen, und erläuterte auch die entsprechenden Methoden dazu. Es bedarf grüner Kompensations- und Entwicklungsmaßnahmen, vor allem den Umbau von Freiräumen, Gebäuden und Infrastrukturen.

Neue Baustoffe, Techniken und Planungsmethoden seien der Schlüssel zur Lösung wesentlicher „grüner“ Umbauaufgaben hin zu einer nachhaltigen Stadtlandschaft, so Prof. Hennes These. Dafür bestehe ein breiter Planungs-, Forschungs- und Entwicklungsbedarf für die „grüne Branche“, aber auch für den technischen Bereich. Henne ließ vor dem Auditorium bildhaft Beispiele aus aller Welt für Modelle und Utopien für eine nachhaltige Stadt-Landschaft Revue passieren, in der die vertikale und die Dachbegrünung mit raffinierter Technik eine Hauptrolle spielen werde.

Neben neuen Grünstrukturen müssen auch vorhandene Industrie- und Infrastruktur-Brachen revitalisiert werden. Für alle Vegetationsflächen gelte es, dauerhafte Bepflanzungstypen und neue, reduzierte, aber effektive Pflege(stufen)konzepte zu entwickeln.

Ökologisch hochwertige Gründächer

Pflanzliche Artenvielfalt und Strukturvielfalt sind die beiden wichtigsten Kriterien für ökologisch hochwertige Gründächer, und sie werden entscheidend beeinflusst von der Substratwahl, weniger hingegen vom Klima, stellte Prof. Dr. Manfred Köhler von der Hochschule Brandenburg in seinem Vortrag dar. Dachlandschaften böten eine wichtige Freiraumreserve, vor allem in Städten. Auch hier aber hänge der Erfolg nicht zuletzt wieder an der hochwertigen Anlage, der Auswahl der richtigen, da anpassungsfähigen Pflanzenarten und der nachfolgenden Pflege.

„Lust und Frust mit Stauden“ war das Thema von Jörg Pfennigschmidt. Mit vielen ansprechenden Fotos von konkreten Beispielen aus privaten und öffentlichen Bereichen zeigte er, wie sich mit einer differenzierten und standortgerechten Staudenverwendung außergewöhnliche Farbharmonien und mit neuen Staudensorten und Gräsern interessante Möglichkeiten der Gestaltung ergeben. Auch das abnehmende Pflanzen- und Staudenwissen bei Fachleuten in Planung und Ausführung war Thema seines Beitrags. (ds/jen)