Grüne Branche

Flamarium Saalkreis eröffnet neue Urnengemeinschaftsanlage

Die Flamarium Saalkreis GmbH hat am 29. Mai auf ihrem Urnenfriedhof in Osmünde eine Gemeinschaftsgrabanlage für Urnen in Schiffsform eröffnet. Die sogenannte Schiffssetzung ist eine Alternative zu der Bestattung „auf der grünen Wiese“.


Auf einer Rasenfläche sind in Form eines 20 Meter langen Schiffrumpfes Findlinge angeordnet. Der Bauch des Schiffes ist mit Erde aufgefüllt. Weitere Bepflanzung soll es nicht geben. Persönliche Stücke und Blumen dürfen auf den Erinnerungsinseln am Schiffsrand abgestellt werden.

Das Schiff am Ende des Lebens erweckt verschiedene Assoziationen: Das Boot des Charon, der die Verstorbenen über den Totenfluss bringt ist sicher das stärkste. Doch neben sagenhaften Bootsbezügen gibt es auch Belege für sogenannte Schiffsgräber. In Sutton Hoo in England wurde in einem von 19 Grabhügeln ein fast dreißig Meter großes Schiff gefunden, in dessen Bauch Grabbeigaben zu finden waren.

Die meisten Schiffsgräber gab es in der Zeit der Wikinger, sie sind in Skandinavien zu finden.

Eine weitere Form der Beisetzung im Norden Europas war die Schiffssetzung, auf die sich nun auch das Flamarium bezieht. Vor allem im skandinavischen Ostseeraum war diese Art der Beisetzung in der Bronze- und Eisenzeit verbreitet. Riesige Findlinge wurden wie der Rumpf eines Schiffes angeordnet um Ascheansammlungen und später auch Urnen einen bedeutungsvollen Platz zu geben.

Die Beisetzung der Asche erfolgte neben oder in der Schiffssetzung. Mit der Beisetzung in einem symbolischen Schiff wurde der Lebenswelt der Menschen Rechnung getragen, die am und vom Meer lebten.

Im Stile dieser vorchristlichen Anlagen wurde eine Urnengemeinschaftsanlage auf dem Friedhof in Osmünde errichtet. Mit der Schiffssetzung beschließen die Betreiber des Friedhofes ihren skandinavisch-geprägten Einstieg in alternative Formen der Urnengrabkultur.

Ausgehend von Impressionen, die der Gründer des Mitteldeutschen Feuerbestattungsvereins Heinz Knoche, während zahlreicher Schwedenaufenthalte mit nach Deutschland brachte, wurden in Osmünde bereits drei skandinavisch-inspirierte Grabanlagengeschaffen. Neben der Röse, einem Steinhügelgrab und der Anlage Ambers Ruh, stellt die Schiffssetzung eine willkommene Alternative zur grünen Wiese dar.

Neben dem noch jungen Baumbestand des Friedhofes liegt auf weiter grüner Fläche das 20 Meter lange Schiff. Der Bauch des Schiffes wurde mit Erde aufgefüllt. Um der Ursprünglichkeit des
Konzeptes gerecht zu werden, wird das Schiff nicht weiter bepflanzt, eine gepflegte Rasenfläche bedeckt den Boden, der den Urnen einen letzten Platz gibt.

Michael Kriebel und Frank Pasic, die Geschäftsführer der Flamarium Saalkreis GmbH legen nach eigenen Angaben bei der Konzeption neuer Grabanlagen großen Wert auf die Erinnerungskultur. So sollen an der Schiffssetzung die Namen der Verstorbenen einen würdevollen Platz bekommen. Persönliche Stücke und Blumen können auf den Erinnerungsinseln am Schiffsrand abgestellt werden.

„Wir möchten, dass die Urnengrabwahl nicht nur zwischen Urnenreihengrab und grüner Wiese getroffen werden muss, sondern dass Angehörige auch neue, besondere Anlagen zur Auswahl haben. Bei der Konzeption unserer Gemeinschaftsanlagen legen wir einen großen Wert auf eine tiefere Bedeutung, die sowohl historischer als auch philosophischer Natur sein kann. Das Schiff als Symbol des Schutzes vor Wasser, Sturm und Kälte passt sehr gut zu unserem Bild vom Fluss des Lebens, das sich ausgehend von der Feierhalle über den Friedhof zieht. Mit der Adaption alter Grabkulturen wollen wir den Weg für neue Anlagen bereiten, für eine Vielfalt an Möglichkeiten, die der heutigen Zeit entsprechen und von uns gepflegt werden.“ sagt Juliane Uhl, die für die Kommunikation des Flamariums zuständig ist.

Zur feierlichen Einweihung der Grabanlage wurde eine Zeitkapsel gesetzt, die neben einer tagesaktuellen Zeitung, einer Münze und einem Foto aller Anwesenden auch einen Segenswunsch für die Angehörigen beinhaltet. Mit der Schiffssetzung bekommen diese ein weiteres Mal die Gelegenheit, ihre Verstorbenen den heutigen Umständen entsprechend und würdevoll in Mitteldeutschland beizusetzen.

Die Pflege der Grabanlage wird durch einen Friedhofsgärtner übernommen, so dass für die Laufzeit des Grabes keine Grabpflege anfällt. Der Besuch des Grabes ist zu jeder Zeit möglich, da der Friedhof nicht abgeschlossen wird und durch die Nähe zur Autobahn gut zu erreichen ist.