Grüne Branche

FloraHolland 2020 vorgestellt: Zurück zu den Kernaufgaben

Höhere Margen für Gärtner und Einkäufer, eine stabile Preisfindung sowie eine neutrale Rolle als Vermarkter, der sich den Kernaufgaben widmet. Das sieht der FloraHolland-Geschäftsführer Lucas Vos als die Ziele für die Zukunft. Dazu hat er einen Entwurf zur künftigen Geschäftsstrategie für die niederländische Vermarktungsorganisation vorgelegt. In dem FloraHolland 2020 genannten Papier sind Positionen und Aufgaben aufgelistet.

Ein Ziel von FloraHolland 2020 ist, der beste Marktplatz, virtuell und physisch, mit dem größtmöglichen Sortiment zu werden. Foto: fh

Die Geschäftsführung zeigt sich zuversichtlich, dass FloraHolland mit dieser Strategie erneut und zukunftssicher einen Mehrwert für Mitglieder und Kunden sowie für die Mitarbeiter schaffen kann. Die Basis des Strategieentwurfs seien Untersuchungen und Gespräche mit Mitgliedern, Kunden, Mitarbeitern und anderen Betroffenen gewesen. Ausdrücklich wolle man aber keine fertige Strategie nebst konkreter Umsetzungsplanung vorstellen. Stattdessen ist seit Anfang Oktober bei den Regionaltreffen der Genossenschaft die Diskussion eröffnet. Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter sollen ihre Meinung äußern und Input einbringen.

Die Grundelemente der Strategie 2020 sind:

  • Kundenorientierung:
    „Die heutige Absatzkette ist zu stark nach innen orientiert. Das ist nicht ganz unverständlich, wenn man die schlechte Lage vieler Marktteilnehmer und den unklaren Kurs von FloraHolland berücksichtigt. Wenn wir die Branche wieder nach vorne bringen wollen, ist Kooperation genauso notwendig wie Kundenorientierung. FloraHolland wird sich daher aktiv dafür einsetzen, Anbieter und Kunden in Kontakt miteinander zu bringen und einen effizienten Handel zwischen ihnen zu ermöglichen. Dabei handeln wir nachfrageorientiert. Letztlich entscheidet der Geldbeutel des Verbrauchers und der gewerbliche Markt über die Lebensfähigkeit der Branche. FloraHolland wird sich auch dafür einsetzen, den Verbraucher besser zu verstehen und zu überzeugen. Um das erreichen zu können, kommt es auf ein gutes Verhältnis zu unseren Kunden an. Dies gehört daher zu unseren Unternehmenszielen. Das bedeutet auch, dass wir Aktivitäten nach der Kaufentscheidung so weit wie möglich dem Markt überlassen.“
  • Offener Marktplatz:
    „Die natürliche Rolle von FloraHolland besteht darin, Marktplatz zu sein. Dazu sind wir seinerzeit gegründet worden, und dabei müssen wir die besten sein. Durch die Rolle, die FloraHolland derzeit für die Branche erfüllt, und durch eine sich globalisierende und virtualisierende Welt wird die Genossenschaft bis an die Grenzen belastet. Um unsere vorhandenen Mitglieder möglichst gut bedienen zu können, ist es wichtig, dass wir weiterhin Kaufkraft anziehen. Auch solche Kaufkraft, die heute auf dem Markt noch nicht existent ist. Dieses Ziel erreichen wir, indem wir der beste Marktplatz sind, virtuell und physisch, mit dem größtmöglichen Sortiment. Um letzteres erreichen zu können, öffnen wir uns für alle Anbieter von Zierpflanzenprodukten. Gleichzeitig möchten wir dem Unternehmertum innerhalb der Mitgliedschaft mehr Raum bieten. Ein anderer Aspekt der sich ändernden Welt ist, dass der Unterschied zwischen ,Produzent‘ und ,Kunde‘ nicht mehr trennscharf ist.
    Heute ist jeder in der Handelskette beweglich und übernimmt oft mehrere Funktionen. FloraHolland ermöglicht allen Anbietern von Zierpflanzenprodukten, Mitglied zu werden. Sowohl auf der Angebots- als auch auf der Kundenseite werden wir weiter an Zahlungskonditionen festhalten, die uns in die Lage versetzen, Zahlungssicherheit zu bieten. Das gehört zu den großen Stärken von FloraHolland und ist ein stabilisierender Faktor für die Branche.“
  • Effizienter Marktplatz:
    „FloraHolland glaubt an die Stärken der Uhr. Es gibt aber keinen Grund zu der Annahme, dass sich das Handelsvolumen an der Uhr anders entwickeln wird als man derzeit beobachten kann. Das bedeutet für den Zeitraum von 2014 bis 2020 einen permanenten Druck auf unsere Kosten. Ein Trend, den wir schon seit Jahren beobachten und der zwingend zu Kostensenkungen führen muss. Dies wird leider Konsequenzen für die Arbeitsplätze bei FloraHolland haben. Betriebsbedingte Kündigungen gehören nicht zu unserer Kultur, und wir werden alles tun, um solche Maßnahmen auch künftig zu vermeiden. Wir können sie aber auch nicht ausschließen.
    Auch der Immobilienbestand muss überprüft werden. Die Aktivseite der Bilanz muss verkleinert werden. Entscheidend für die Kostensenkung wird die neue Art und Weise der Versteigerung sein. Wir haben schon viele Ideen zur Verbesserung der Versteigerung hören können wie landesweit versteigern, Pflanzen nach Schnittblumen, Versteigerung ab Produzent. Jetzt ist die Zeit gekommen, gemeinsam mit Gärtnern und Kunden Nägel mit Köpfen zu machen. Die Versteigerung muss anders organisiert werden. Wir werden in Abstimmung mit den Partnern in der Handelskette festlegen, wie wir das machen. Das wird dann auch zu Konsequenzen für unsere Immobilien und für die Ausrichtung unserer Personalstrategie führen.“
  • Organisation und Grundwerte:
    „Um vorgenannte Ziele zu erreichen, müssen wir innerhalb der Genossenschaft anders miteinander umgehen. Dabei werden wir unsere Ziele im Auge behalten und prozessorientiert arbeiten, wobei ständige Verbesserungen eine wichtige Rolle spielen. Jeder Mitarbeiter hilft dabei, dass Anlieferer und Kunden mit uns zufrieden sind und bleiben. Das Wichtigste ist, dass wir wieder zur verbindenden Kraft in der Zierpflanzenbranche werden und dafür sorgen, dass möglichst viele Blumen und Pflanzen auf möglichst effiziente Weise ihren Weg zum Verbraucher finden. Das eigene Unternehmen von FloraHolland ist dabei von sekundärer Bedeutung. Das kommt auch in der Formulierung unserer Grundwerte zum Ausdruck, bei denen wir ,Mut‘ durch ,Gemeinsam‘ ersetzen. Um die richtige Fokussierung zu erreichen, werden wir kurzfristig die verschiedenen Aktivitäten des Unternehmens einzelnen Business Units zuteilen, die unterhalb der Genossenschaft angesiedelt sind.“ (fri)