Grüne Branche

FloraHolland testet Vorverkauf, Multitransaktions-Versteigerung und „Neue Qualitätspolitik“

Mittags ab 12 Uhr stellt der Produzent seine Blumen oder Pflanzen, die er am nächsten Vormittag versteigern lassen will, in den Webshop. Bis zu ein Drittel der Menge kann er auf diesem Weg vorweg verkaufen, und zwar zu einem von ihm selbst bestimmten Preis. Das Angebot gilt bis 5.00 Uhr am nächsten Morgen. Die restlichen zwei Drittel und der noch nicht verkaufte Teil des vorweg verkaufbaren Drittels werden dann an der Veilinguhr angeboten. Dies ist das System beim Pilotprojekt „Versteigerungsuhr-Vorverkauf“. Seit April läuft es in Aalsmeer.

FloraHolland will die Versteigerung erneuern, diverse Pilotprojekte laufen zurzeit in Aalsmeer. Foto: FloraHolland

Es handelt sich um eines jener Projekte, mit denen FloraHolland das Blumenveilingsystem erneuern und hierbei den Einfluss der Produzenten stärken will (siehe hierzu TASPO 46/12). Wie Theo Aanhane – Manager für Qualität und Auktionssysteme bei FloraHolland – im Gespräch mit der TASPO-Redaktion auf der Trade Fair erläuterte, startete das Projekt mit Rosen, Gerbera, Alstroemerien, Anthurien und Cymbidien. Später kamen Amaryllis und Schnittgrün hinzu.

Eine erste Bewertung habe ergeben, dass das neue Verfahren bei Produzenten und Händlern gut ankommt. Etwa 150 Produzenten und ungefähr 50 Käufer würden sich beteiligen. Durchschnittlich seien Vorverkäufe in Höhe von immerhin etwa 24.000 Euro je Woche getätigt worden.

Abgesehen vom Vorverkaufsprojekt sind weitere Änderungen beim Veiling-Prozess in der Diskussion oder bereits im Test. Bei einem der von Theo Aanhane angesprochenen weiteren Vorhaben geht es darum, ob an den Versteigerungsuhren künftig die Händlernummern nicht mehr angezeigt werden sollen. Manche Anlieferer meinen, das Weglassen der Händlernummern würde zu etwas höheren Produktpreisen führen.

Speziell zu Topfpflanzen läuft ein Pilotprojekt, das auf eine Änderung des Mindestpreissystems abzielt. Der Produzent soll hierbei selbst einen Mindestpreis vorgeben können. Wird dieser Preis unterschritten, gehen die Pflanzen unverkauft zurück an den Gärtner.

Ein anderes Stichwort: Multitransaktionsversteigerung! Hinter dem kaum aussprechbaren Wort verbirgt sich die Möglichkeit, größere Partien während des Versteigerungsvorgangs aufzuteilen. Beispiel: Käufer X drückt bei 30 Cent, aber nur für eine bestimmte Menge. Nun haben weitere Käufer die Möglichkeit, die restliche Menge ebenfalls zu diesem Preis zu erwerben. Die Verantwortlichen bei FloraHolland gehen davon aus, dass mit diesem System in einer bestimmten Zeitspanne mehr Versteigerungsvorgänge möglich sind und damit ein positiver Einfluss auf die Preise entstehen könnte. Ein Pilotprojekt zum Multitransaktions-Verfahren ist vorgesehen, aber noch nicht terminiert.

An den Versteigerungsuhren in Aalsmeer werden in Kürze einige technische Veränderungen vorgenommen, danach die Uhren in Rijnsburg und Naaldwijk mit dem Aalsmeerer System vereinheitlicht. Die Systeme für den Fernkauf („Kaufen auf Abstand“, KOA) sind in den drei großen Versteigerungsstandorten seit August 2012 vereinheitlicht.

Eine andere wesentliche Veränderung rund um die FloraHolland-Versteigerungsprozesse betrifft eine „Neue Qualitätspolitik“. Das heutige Verfahren mit seiner ausschließlichen Ausrichtung auf die Qualitätsklassen A1, A2 und B gilt als nicht mehr zeitgemäß, sagt Nico Jansen in de Wal (Manager für Qualitätsentwicklung).

Vorgesehen ist eine ergänzende Unterscheidung der Produktströme nach „Basis“, „Garantiert“ und „Premium“, verbunden mit stärkerem Einfluss der Produzenten auf die Produktspezifikation sowie höheren Anforderungen an die Zuverlässigkeit von Lieferinformationen. Die Produzenten sind bei dem neuen System endverantwortlich für die Klasseneinteilung ihrer Produkte.

Das neue Verfahren wird derzeit durch ein Pilotprojekt mit Alstroemerien getestet, ab Januar soll es außerdem einen Testlauf mit Topfpflanzen geben. Blumen oder Pflanzen der Qualitätsklasse B könnten bei dem neuen System nur im Produktstrom „Basis“ gehandelt werden. Innerhalb der sogenannten „Garantie“-Produktströme sind A1– und A2-Produkte möglich. Die betreffenden Blumen oder Pflanzen müssen allerdings von Betrieben kommen, deren Angaben sich als verlässlich erwiesen haben.

Wer gelegentlich gegen Regeln verstößt – beispielsweise auch hinsichtlich des Umgangs mit Reklamationen – sinkt automatisch in die „Basis“-Gruppe und muss dann damit rechnen, dass seine Produkte niedrigere Preise erzielen. Für die „Premium“-Produkte gelten erhöhte Anforderungen, unter anderem hinsichtlich Qualität, Gleichmäßigkeit, Reifestadium. An den produktspezifischen Sortiervorgaben für die Qualitätsklassen A1 und A2 soll es ebenfalls Änderungen geben. Hierzu läuft ein Test mit Rosen.

Mehr zur FloraHolland Trade Fair lesen Sie auf zwei Seiten in unserer aktuellen TASPO Ausgabe 48/2012. (eh)