Grüne Branche

FloraHolland will einzelne Versteigerungsuhren aufgeben und Mitarbeiter entlassen

Die Versteigerungsuhren von Bleiswijk geschlossen, eine „Floristenuhr“ in Naaldwijk, insgesamt weniger Tribünen, 200 Mitarbeiter entlassen: Das sind schon mal die heftigsten Auswirkungen des „Kompass“ genannten Mehrjahresplanes, den FloraHolland jetzt vorgestellt hat. 

Wann die Uhren in Bleiswijk schließen müssen, ist noch nicht bekannt. Foto: FloraHolland

Der Markt, in dem FloraHolland aktiv ist, habe sich verändert, die Mitglieder befassen sich heute selbst mit Marketing und Vertrieb, auch über mehrere Stufen der Handelskette hinweg. Die Anlieferungen zur Versteigerung gehen zurück, ihre Umsätze ebenfalls, entsprechend weniger Arbeit fällt an. So begründet FloraHolland die Maßnahmen. Schon im Laufe des nächsten Jahres sollen die Veränderungen greifen.

Der sich ändernde Markt verlange zunehmend andere Dienstleistungen als traditionell üblich. Entsprechend müsse sich FloraHolland auf vermehrte Dienstleistungen und auf effizientere Abläufe für die Mitglieder einstellen, beispielsweise mehr auf die direkten Absatzwege setzen. Dies geschehe sowohl in einzelnen Marktsegmenten, wie bei Dienstleistungen für Einzelhandel und Floristen, als auch durch die virtuellen Marktplätze und die Weiterentwicklung bei der Versteigerung.

Weitere Dienstleistungen wären die logistische Abwicklung von Direktlieferungen, mit logistischen Hilfsmitteln und mit internationalen Finanzdienstleistungen, um 24 Studen am Tag handlungsfähig zu sein und Vermarktungsdienste anbieten zu können.

Mit der Zunahme der virtuellen Märkte entkoppeln sich immer mehr Transaktionen, Logistik und Standort. Um die großen Exportströme effektiv leiten zu können, bemüht sich FloraHolland darum, die „landesweiten“ Versteigerungsabläufe zusammenzuführen. Zunächst werden die Blumenversteigerungen in Aalsmeer und Naaldwijk gekoppelt. Die Zahl der physischen, also tatsächlich existenten, Versteigerungstribünen reduziere sich dadurch.

Verstärkt werden sollen die Dienstleistungen für die in kleineren Einheiten einkaufenden Marktteilnehmer wie Floristen oder Gartencenter durch eine „Floristenuhr“ und einen Webshop. Außerdem werden alle unterstützenden Leistungen für diese Zielgruppen am Standort Naaldwijk zusammengefasst, die Versteigerungsaktivitäten von Bleiswijk nach Naaldwijk verlagert. Wann die Uhren in Bleiswijk schließen müssen, ist noch nicht bekannt. Die direkte Einzelhandels-Logistik von Marktteilnehmern mit Sitz in Bleiswijk soll dort weiter unterstützt und ausgebaut werden.

Vollständige und zuverlässige Informationen von den Produzenten über ihre zur Versteigerung angelieferten Produkte werden immer wichtiger, so FloraHolland. Dadurch würden die von ihr selbst durchgeführten Prüfungen und Körungen an Bedeutung verlieren. Und die Versteigerung will deshalb die „Eigenbeurteilung“ der Anlieferer weiterentwickeln, die eigenen Prüfungen als Standard-Dienstleistung abschaffen.

Weiterhin sollen alle Mitarbeiter mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen auf zwei Geschäftsbereiche verteilt werden: Geschäftsbereich Produkte und Geschäftsbereich Dienstleistungen. Damit will FloraHolland sie besser auf die Organisationsstrukturen ihrer Mitglieder einstellen und die Mitglieder sollen dadurch besser bedient werden. Dadurch werde das Unternehmen kompakter, die Zahl der Managementfunktionen werde um ein Viertel reduziert. Dies werde im Jahr 2014 zu einem Verlust von rund 200 Vollzeitstellen führen. Betriebsbedingte Kündigungen seien leider nicht auszuschließen. Die Gewerkschaften und der Betriebsrat werden bei den weiteren Folgeschritten mit eingebunden.

Rund 20 Millionen Euro setzt FloraHolland als einmalige Kosten für das Umsetzen aller Maßnahmen an. Der Gesellschaftsvertrag ermögliche, die Finanzierung dieses Verlustes aus dem Liquiditätsbeitrag zu begleichen. Im Rahmen des Jahresabschlusses 2013 soll auch der verfügbare Grundbesitz überprüft und bewertet werden. Voraussichtlich werden rund zehn Millionen Euro zu Lasten des Eigenkapitals abgeschrieben, so der Vermarkter.

Er will mit der Reorganisation einen zukunftssicheren Geschäftsbetrieb sicherstellen. Die Versteigerung hat nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro, betreibt 38 Versteigerungsuhren und beschäftigt 4.000 Mitarbeiter.