Grüne Branche

Floristen-Löhne: FDF wehrt sich gegen Kritik

Die Industriegewerkschaft Bauen–Agrar–Umwelt (IG BAU) hat rund um den Valentinstag erneut die Floristen-Löhne kritisiert. „Der Druck für die Beschäftigten ist enorm. Sie wollen gerade zum Valentinstag jedem der vielen Kunden gerecht werden. Das ist harte Arbeit. Dafür erhalten Floristen noch immer viel zu wenig Lohn“, so der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum. 

Floristen verdienen zu wenig Geld, kritisiert die IG BAU. Foto: Kzenon/Fotolia.com

„Im Westen verdienen Floristen derzeit mindestens 8,54 Euro die Stunde. Selbst das Wenige wird im Osten noch unterschritten. Dort weigern sich die Arbeitgeber – anders als im Westen, wo der Tariflohn für gelernte Floristen zehn Euro beträgt – einen Tarifvertrag für die Branche abzuschließen“, so Schaum weiter.

IG BAU: Liebesbeweis vom Floristen und Niedriglohn passen nicht zusammen

Deshalb sei es gut, dass der gesetzliche Mindestlohn endlich da ist: Seit Januar erhalten die Fachkräfte 8,50 Euro. „Es ist beschämend, dass gelernte Fachkräfte so schlecht bezahlt werden. Auch für viele Kunden ist es ein mulmiges Gefühl, Sträuße, die ihren Lieben eigentlich Freude bringen sollen, auf Kosten der Arbeitnehmer binden zu lassen“, sagte Schaum. „Liebesbeweis und Niedriglohn passen nicht zusammen.“

Die IG BAU fordert deshalb die Ost-Arbeitgeber auf, ihre Blockadehaltung zu Tarifverhandlungen endlich aufzugeben und vernünftige Branchenlöhne zu verhandeln, die das Können und die Kreativität der Beschäftigten wirklich wertschätzen.

Floristen-Löhne: FDF nimmt Stellung zur Kritik der IG BAU

Der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) hat inzwischen Stellung zur Kritik der IG BAU genommen: „Es ist mittlerweile Tradition, dass die IG BAU den Valentinstag für Presseinformationen über die Lohn- und Tarifsituation in der Floristik-Branche nutzt. Dabei wird außer Acht gelassen, dass viele Unternehmer in der Floristik nicht nur nach geltendem Tarif, sondern zusätzlich leistungsorientiert ihre Angestellten bezahlen.

Darüber hinaus missachtet die IG BAU, dass der FDF mit dem (gemeinsamen!) Tarifvertrag West wertvolle Signale für das Image des Berufsbildes gesetzt hat. Und war es nicht die IG BAU selbst, die den letzten Tarifabschluss aus 2013 als ‚ganz großen Wurf für die Arbeitnehmer‘ gefeiert hat?

Oft falscher tariflicher Stundenlohn als Maßstab genannt

Floristen werden in öffentlichen Diskussionen und den Medien schon lange nicht mehr in einem Atemzug mit Branchen genannt, die in ihren Vergütungen weit vom gesetzlichen Mindestlohn entfernt waren. Dies wirkt sich positiv auf das Berufsbild Florist und das Image der Branche aus. Jedoch wird immer wieder ein falscher tariflicher Stundenlohn als Maßstab kommuniziert: 8,53 Euro je Stunde ist der Lohn für eine ungelernte Aushilfskraft, der typische tarifliche Stundenlohn für eine ausgebildete Fachkraft liegt hingegen zwischen 10,00 und 12,30 Euro je Stunde – mindestens!

In den neuen Bundesländern ist die frei verfügbare Kaufkraft (noch) deutlich geringer als in den alten Bundesländern. Trotzdem sind Unternehmer mit Einführung des Mindestlohns verpflichtet, diesen zu bezahlen. Diese Anpassungen können allerdings nur in einem unternehmerischen Einklang vollzogen werden, denn Öffnungszeiten und betriebliche Fixkosten wie Miete, Betriebs- und Finanzierungskosten müssen auch weiterhin im gleichen Ausmaß vom Unternehmer bedient werden. Dies ist ein existenzieller Spagat, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Branche in den neuen Bundesländern mittelfristig entwickeln wird.

Ganz sicher tragen Negativ-Schlagzeilen an einem der wichtigsten Blumenschenktage nicht dazu bei, das Vertrauen von Verbrauchern in den Fachhandel, mit seinen motivierten und engagierten Fachkräften, zu stärken. Darunter leidet die Branche – und somit jedes einzelne Blumenfachgeschäft und letztendlich jeder einzelne Mitarbeiter!

Liebe IG BAU, auch Ihr seid Sozial- und Tarifpartner und tragt für die Branche große Verantwortung – steht zu den tariflichen Vereinbarungen, die ihr selbst mit unterschrieben habt! Werbung für die eigene Organisation ist legitim, aber bitte nicht ständig auf Kosten des anderen Sozialpartners.“ (aeg)