Grüne Branche

Floristen: Strukturwandel und die Folgen

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Floristen sind die wichtigste Kundengruppe der Blumengroßmärkte (BGM), doch immer mehr Blumenfachgeschäfte schließen. Wie wirkt sich das auf die Umsätze der BGM aus, und wie reagieren diese? TASPO-Autor Martin Hein bekam Antworten von Raimund Korbmacher, Geschäftsführer des BGM Köln.

Raimund Korbmacher ist Geschäftsführer des Blumengroßmarkts Köln. Foto: BGM Köln

Herr Korbmacher, als Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Blumengroßmärkte (VDB) muss es Sie beunruhigen, dass immer mehr Blumenfachgeschäfte schließen. Wirkt sich das schon auf die Umsätze der Blumengroßmärkte aus?

Es stimmt, wir haben den Eindruck, dass die Neugründungen die Schließungen nicht ganz ausgleichen. Für den Blumengroßmarkt Köln kann ich aber sagen: Wir verzeichnen trotz dieser Situation positive Umsätze. Wir hatten im Jahresergebnis 2014 gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,1 Prozent, in den Jahren 2015 und 2016 haben wir die Zahlen wieder erreicht. Und 2017 hatten wir gegenüber 2016 wieder ein Plus von einem Prozent.

Woran liegt das, gibt es klar fassbare Umsatzmotoren?

Ja, abgesehen von einigen Segmenten mit sehr positiver Entwicklung – nennen möchte ich etwa den Sommerflor – ist es vor allem unser Lieferservice, der deutlich zum positiven Bild beiträgt. Wir verzeichnen seit einigen Jahren ein deutliches Plus, allein im vergangenen Jahr fast fünf Prozent.

Spricht der Lieferservice Kunden an, die aus Zeitgründen nicht mehr so oft wie früher zum BGM fahren – oder sind es Neukunden?

Sowohl als auch. Durch eine Ausweitung könnten wir sicher noch mehr Neukunden gewinnen. Doch muss die Qualität der Kunden auch stimmen.

Was meinen Sie mit Qualität?

Mein Eindruck ist, dass manchmal das fachliche und betriebswirtschaftliche Know-how nicht mehr dem Niveau entspricht, wie man es gewohnt war. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es gibt viele tolle neue Geschäfte. Doch es gibt auch die ein oder andere neue Gründung, bei der man den Eindruck hat, dass nur mit sprichwörtlich halber Kraft gefahren wird. Wir sind also gefordert, in bestimmten Bereichen unsere Kunden zu unterstützen.

Welche Bereiche sollten das sein?

Werbliche Unterstützung, insbesondere im digitalen Bereich, ist wichtig. Es fehlt vielen Blumeneinzelhändlern schlicht die Zeit, manchmal auch das Geld, um im Bereich Marketing aktiver zu sein. Speziell unterstützt werden sollten auch Geschäftsbereiche wie die Wochenmarkthändler oder die Friedhofsgärtnereien und andere.

Auch wenn die Umsatzzahlen positiv sind: Müssten die BGM sich nicht neben dem traditionellen Blumeneinzelhandel um andere Kundengruppen bemühen?

Sicher sollte man sich neuen Vertriebsformen nicht verschließen, doch werden auch in Zukunft die regionalen Erzeuger, die Blumengroßmärkte und der Blumeneinzelhandel eng miteinander verwoben sein. Es wird in den nächsten Jahren vorrangig darum gehen, sich gegenseitig zu stützen. Wobei dies nicht einseitig geschehen kann.

Die Blumengroßmärkte stehen voll hinter ihren Kunden, die sollten aber auch hinter den Blumengroßmärkten und den regionalen Erzeugern stehen. Es kann nicht sein, dass der FDF-Bundesverband erwartet, dass nur die Floristen und keine anderen Branchen auf den BGM einkaufen dürfen, gleichzeitig aber die Nähe zu einer Online-Plattform gesucht wird, die hauptsächlich holländische Ware vermarktet.

Wird es denn in Zukunft überhaupt noch eine flächendeckende Versorgung mit Blumenfachgeschäften geben?

Nach Verbandsangaben hält der traditionelle Blumeneinzelhandel etwa 48 Prozent Marktanteil. Bezogen auf die reine Quantität, also die Stiele, laufen aber rund zwei Drittel Umsatz über andere Vertriebsschienen. Da stellt sich schon die Frage, ob die Floristen bei immer größer werdenden Einheiten im globalisierten Blumenhandel überhaupt noch für diese international agierenden Anbieter interessant bleiben?