Grüne Branche

FLP kommt zum Teil zu anderen Untersuchungsergebnissen als Öko-Test

In ihrer Maiausgabe 2011 veröffentlichte die Zeitschrift „Öko-Test“ einen kritischen Untersuchungsbericht über Pestizidrückstände an Rosen, die in Entwicklungsländern angebaut wurden. In einer gemeinsamen Stellungnahme dazu begrüßen Gertrud Falk, Vorstandsvorsitzende Flower Label Program (FLP) und Ralf Jonas, FLP-Geschäftsführer jede Untersuchung über einen möglicherweise unverantwortlichen Pestizideinsatz in der Blumenproduktion.

Denn neben der sozialen Absicherung von BlumenarbeiterInnen sei der Gesundheits- und Umweltschutz auf den Blumenplantagen weltweit ein Hauptanliegen des FLP. Allerdings kommt das FLP hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse zum Teil zu anderen Einschätzungen als „Öko-Test“.


Mengenangaben nicht genannt

So lasse die Analyse die Mengenangaben der zwölf Pestizide vermissen, die an den FLP-Rosen gefunden wurden. Dabei hängt die toxische Wirkung einer Chemikalie unmittelbar mit ihrer Menge zusammen. Wie „Öko-Test“ beurteilt FLP die Gefährlichkeit der Pestizide auf der Basis internationaler WHO- und EPA-Standards. Daher könnte FLP das Urteil von „Öko-Test“ nicht bestätigen, dass sich auf den FLP-Rosen drei „besonders bedenkliche Pestizide“ befänden, von denen zwei nach den Richtlinien sogar ‚gestattet’ seien.

Ohne Zweifel treffe das Kriterium der besonderen Bedenklichkeit auf das festgestellte Pestizid Iprodion zu, welches nach FLP-Richtlinien nicht hätte angewendet werden dürfen. Die von „Öko-Test“ als ebenfalls „besonders bedenklich“ klassifizierten Fungizide Carbendazim und Pyrimethalin würden dagegen weder in der EPA-Liste noch in der WHO-Klassifizierung als „besonders bedenklich“ eingestuft.

Sie seien daher, unter strengen Gesundheits- und Arbeitsschutzvorgaben, in der Anwendung auf FLP-Farmen gestattet. Falk und Jonas führen den Unterschied in der Beurteilung auf eine Fehlinterpretation der EPA-Kriterien zurück.

Die beiden oben genannten Fungizide würden dort als „possible human carcinogen“ geführt, was in weiterer Ausführung aber heiße, dass zum Grad ihrer Giftigkeit für Menschen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorlägen. Ihre mögliche toxische Wirkung könne nur aufgrund der Resultate einzelner Tierversuche nicht ausgeschlossen werden.

Nichtsdestotrotz nehme FLP die Feststellung von einem auch seines Erachtens nach „besonders bedenklichen Pestizids“ auf den geprüften FLP-Rosen sehr ernst.


Offene Fragen mit Öko-Test klären

Wie Falk und Jonas darlegten, machten laut Gesprächen mit zertifizierten Produktionsbetrieben in Ecuador die klimatischen Bedingungen der letzten 14 Monate in einzelnen Betrieben einen kurzfristigen Einsatz von Pestiziden notwendig, deren Verwendung für FLP-Betriebe regulär verboten ist.

Die FLP-Richtlinien erlaubten die Verwendung von hochgefährlichen und Krebs erregenden Pestiziden nur in Ausnahmefällen, wenn nachweislich kein wirksames Mittel einer geringeren Giftigkeitsstufe zur Verfügung stehe, um die Produktion zu retten. Von den betroffenen Unternehmen wurde glaubhaft dargelegt, dass der Einsatz nur in kritischen Momenten erfolgte, in denen die gesamten Ernten der Betriebe – und somit auch die Arbeitsplätze der Belegschaften – durch Feuchtigkeitsschäden und Pflanzenschimmel bedroht wurden.

Zu keiner Zeit hätte eine gesundheitliche Bedrohung der PlantagenmitarbeiterInnen aufgrund der, auch von „Öko-Test“ bestätigten, strengen Arbeits- und Gesundheitsschutzrichtlinien des FLP bestanden.

Ungeachtet dessen nehme FLP die Untersuchung zum Anlass, die Ausnahmemaßnahmen mit allen Mitgliedsbetrieben zu thematisieren.