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Frauenmantel: robuste Staude mit Lückenfüllertalent

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Gartenbesitzer schätzen den Frauenmantel (Alchemilla) als unkomplizierte Staude mit großem Lückenfüllertalent. Doch ursprünglich wurde die in ganz Europa verbreitete Pflanze als Heilkraut verwendet. Diese Tatsache steckt sogar im Namen, der vom Begriff Alchemie abgeleitet ist.

Die heimische Alchemilla vulgaris steht ab Juni in voller Blüte. Foto: Pixabay

Blätter können Wasser „schwitzen“

In Mitteleuropa kommen wild hauptsächlich Alchemilla vulgaris beziehungsweise Alchemilla xanthochlora vor. Frauenmantel wächst auf eher feuchten, nährstoffreichen Wiesen und fällt vor allem durch seine handförmig gelappten Blätter mit gezähnten Rändern auf. Das Besondere an ihnen ist die Tatsache, dass sie aus den Rändern Wasser „schwitzen“ können.

Die kleinen Tröpfchen werden als Guttationstropfen bezeichnet, sie laufen meist in der Vertiefung der Blattmitte zu einem größeren Tropfen zusammen. Besonders am frühen Morgen ist das Phänomen zu beobachten.

Dem Frauenmantel wurden schon früh besondere Eigenschaften zugerechnet. Die Form der Blätter galt in der christlichen Kirche als Symbol für einen Mantel der heiligen Maria, unter dem Hilfesuchende Schutz finden konnten. Alchemisten im Mittelalter glaubten, dass sich die morgendlichen „Tautropfen“ für die Zubereitung heilender Essenzen oder sogar zur Herstellung von Gold eigneten, während sie in späteren Jahrhunderten immerhin noch als Grundlage für hautverschönernde Gesichtswässer herhalten mussten.

Frauenmantel: Zierstaude und Heilpflanze

Die Hauptwirkstoffe, die im Frauenmantel enthalten sind, sind Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide und ätherische Öle. Die Gerbstoffe wirken vor allem adstringierend und werden daher äußerlich für die Behandlung von Wunden und Entzündungen eingesetzt. Als Tee werden die getrockneten Blätter traditionell gegen Regelschmerzen und bei minder schweren Durchfallerkrankungen verwendet. Die jungen Blätter schmecken aber auch kurz gedünstet als Gemüse oder roh als Salatbeigabe.

Angebaut wird der Frauenmantel zum einen als Heilpflanze, von der die Blätter zur Gewinnung von Tees und Auszügen geerntet werden, zum anderen aber auch als Zierstaude zur Gewinnung der Blütenstängel, die gerne in der Floristik verwendet werden. Die winzigen gelb-grünen Blüten sitzen in vielblütigen wolkigen Rispen zusammen und wirken ähnlich wie Schleierkraut, nur eben in Gelb statt Weiß.

Auf ausreichende Luftzirkulation achten

Frauenmantel ist eine recht robuste Staude, die als Dauerkultur in Reihenkultur auf nahrhaftem und tiefgründigem Lehmboden angebaut wird. Vorkultur mit Leguminosen ist empfehlenswert. An Standorten mit zu geringer Luftzirkulation können die Blätter von Rost und Mehltau befallen werden. Blätter für die Weiterverarbeitung können zweimal im Jahr geschnitten werden: Anfang Juni vor der Blüte und im August, wenn das neue Laub sich kräftig entwickelt hat.

Saatgut gibt es unter anderem bei Jelitto und Rieger-Hofmann.

Dieses Pflanzenporträt ist Teil des neuen TASPO extra Genusspflanzen, das heute in der TASPO 20/2018 erschienen ist.