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Friedhöfe als Bauland: nicht nur ethische Bedenken

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Immer mehr Friedhofsflächen sind aufgrund der zunehmenden anonymen und Urnenbestattungen unbelegt. Auf der anderen Seite drängen Menschen in die Städte, es fehlt Wohnraum. Warum also nicht Teilflächen von Friedhöfen umwidmen und als Bauland verkaufen? Dagegen melden BdF und VFFK nicht nur ethische Bedenken an.

Fallen Friedhofsteile bald der Wohnbebauung zum Opfer? Foto: Pixabay

Umwandlung von Friedhöfen in Bauland vernichtet artenreiche Naturräume

„Werden ein oder zwei große Bäume gefällt, gehen Menschen auf die Barrikaden – aber wenn es um ganze ökologische Refugien für Mensch, Tier und Pflanze geht, dann wehrt sich keiner?“, fragt Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK), gegenüber der TASPO erstaunt.

Vor allem kritisiert Mäsing die Gedankenlosigkeit im Umgang mit dem Thema Friedhof. Eine Umwandlung in Bauland vernichte wichtige, oft sehr artenreiche Natur- und Rückzugsräume, die nicht nur in der Stadt, sondern gerade auch auf dem Land als Ausgleich zu den vorwiegend intensiv-landwirtschaftlichen Flächen wichtig seien. Nirgendwo sonst sei die ökologische Dichte so hoch wie auf vielen Friedhöfen.

Friedhöfe als Orte wichtiger letzter Erinnerungen

Ein sehr wichtiges Argument, das auch Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bunds deutscher Friedhofsgärtner (BdF), zu bedenken gibt, ist, dass auf einem Friedhof Menschen begraben sind. „Auch wenn die Gräber längst aufgegeben wurden, hängen an diesen Orten tiefste Emotionen und wichtige letzte Erinnerungen, auf denen nicht einfach herumgetrampelt werden sollte“, sagen beide.

Als sehr bedenklich sieht Mäsing außerdem das Thema Nutzungsrechte an: „Die müssen beachtet werden, wenn aus Friedhofsflächen Bauland wird: Was passiert mit denen, die sich schon zu Lebzeiten ein Anrecht auf die Bestattung an diesem Ort gesichert haben? Was geschieht mit Familiengräbern?“, fragt er.

Trend zu anonymen und Urnenbestattungen kann sich umkehren

Auf den ersten Blick lasse sich mit der Umwandlung von Friedhofsflächen für Städte und Gemeinden zwar eine schnelle Mark machen. „Aber was ist langfristig? Der Trend kann sich umkehren. Was ist, wenn sich in 20 oder 30 Jahren die Leute wieder vermehrt auf Friedhöfen bestatten lassen möchten?“, gibt auch Ehlers-Ascherfeld zu bedenken.

Diese Flächen seien dann weg, es beständen keine Möglichkeiten mehr beispielsweise für Ortsteilfriedhöfe. „Und dann werden wir unweigerlich wieder bei großen Zentralfriedhöfen landen“, warnt die Expertin.

„Grünpolitischen Wert von Friedhöfen mehr schätzen“

Als Alternative zur Umwandlung in Bauland schlagen beide vor, Friedhofsteile nach und nach in Parks und Grünflächen umzuwandeln, die Biodiversität zu fördern. „Wir müssen den grünpolitischen Wert von Friedhöfen dringend mehr schätzen!“