Grüne Branche

Friedhöfe: artenreichste Baumstandorte in der Stadt

„So macht Verbandsarbeit wirklich Spaß und Sinn!“, fasste Hermann Berchtenbreiter, Vizepräsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes (BGV) und selbst Friedhofsgärtner, die traditionelle Nachallerheiligenbegehung zusammen, die die Mitglieder der Fachgruppe Friedhof am 6. November nach Traunstein und Ruhpolding in Oberbayern führte.

Wolfgang Fegg (r.) führte die Teilnehmer über den Waldfriedhof Traunstein. Foto: tbf

Über den in diesem Jahr mit dem Entente-Florale-Ehrenpreis „Friedhof – grüne Oase in der Stadt“ ausgezeichneten Waldfriedhof in Traunstein wurden die Friedhofsgärtner von Wolfgang Fegg, Obermeister der Gartenbaugruppe Traunstein, geführt. Anschließend besichtigte die Gruppe den Berg-Friedhof in Ruhpolding.

Fachlich begleitet wurden die Begehungen durch Dr. Gerhard Richter, ehemaliger Professor für Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der die friedhofsgärtnerische Qualität sowie den dendrologischen und kulturellen Wert der sehr unterschiedlichen Friedhöfe hervorhob.

Friedhöfe seien die artenreichsten Baumstandorte in der Stadt, so Dr. Richter. Er verschwieg allerdings auch nicht das Problem, das mit den alten Bäumen einhergeht. Wenn neue Gräber in der Nähe eines solchen Baumes angelegt werden sollen, müssen oft dicke Wurzeln durchtrennt werden.

Der Ruhpoldinger Friedhof sei nach seinen Worten „ein würdevoller Friedhof, geradezu ein Kulturgut“. Beeindruckend sei allein, dass die Gräber alle nach Osten ausgerichtet sind, was seit Mitte des 18. Jahrhunderts üblich war und heute praktisch nicht mehr zu finden ist. Durch seine Lage an einem steilen Hügel sei auf diesem Friedhof alles Handarbeit, vom Ausheben der Gräber, der Bestattung bis zum Transport des Grabmals. Mit den Worten „es ist eine Ehre, dort bestattet zu sein“ brachte Dr. Richter die Empfindungen vieler Anwesender zum Ausdruck.

Höhepunkt des zweiten Veranstaltungsteils war, neben der Neuheitenpräsentation dreier Bodendeckerproduzenten, der Vortrag des Österreichers Jürgen Knickmann vom Lehr- und Forschungszentrum Schönbrunn. Der Diplomingenieur stellte seine Forschungsarbeit im Sichtungsgarten Königshof vor, wo auf Wunsch österreichischer Friedhofsgärtner auf rund 100 Versuchsparzellen die unterschiedlichsten Stauden und bodendeckenden Gehölze aufgepflanzt und verglichen werden.

„Entscheidend sind die wichtigsten ‚Friedhofstage‘ Muttertag und Allerheiligen. An diesen Tagen müssen die Versuchspflanzen ein gutes Bild abgeben, um als gut bewertet zu werden“, so Knickmann. Zusätzlich fließen in die Bewertung die Winterhärte, die Erholung nach Winterschäden und der Bedeckungsgrad in einem kurzen Zeitraum ein. Mit viel Hintergrundwissen präsentierte Knickmann den Gärtnern die Ergebnisse, wohl wissend, wie wichtig solche Erfahrungswerte für die Verwendung in der Praxis sind. (tbf)