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Friedhöfe müssen schrumpfen

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Die Gesamtfläche der Friedhöfe in Deutschland beträgt aktuell rund 35.000 Hektar, laut Mitteilung von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, sei das jedoch zu viel und werde in Zukunft nicht benötigt. Was also tun mit den Überhangflächen?

Laut Mitteilung von Aeternitas müssen Deutschlands Friedhöfe schrumpfen. Foto: Aeternitas e.V.

Feuerbestattung benötigt weniger Raum

Der Trend zur Feuerbestattung und zu Platz sparenden Urnengräbern führt auf vielen Friedhöfen zu nicht mehr benötigten Freiflächen. Mehr als zwei Drittel der Verstorbenen werden in Deutschland mittlerweile eingeäschert. Mitte der 1990er Jahre war das Verhältnis von Feuer- und Erdbestattungen noch umgekehrt und hat sich in den zurückliegenden 25 Jahren komplett gewandelt. Fakt ist, dass Urnengräber weniger Platz benötigen, als klassische Sarggräber. Hinzu kommen Beisetzungen abseits von Friedhöfen in Wäldern und auf See zum Beispiel. Darüber hinaus werden die Nutzungsrechte an großen Familiengrabstätten immer seltener verlängert.

Überhangflächen werden frei

In den letzten Jahrzehnten hat sich damit auf vielen Friedhöfen das Problem der sogenannten Überhangflächen verschärft. Diese Flächen werden laut Mitteilung nicht mehr für Bestattungen benötigt, verursachen aber dennoch einen hohen Pflegeaufwand und damit auch hohe Unterhaltungskosten. Experten gehen davon aus, dass bereits rund die Hälfte der Friedhofsfläche in Deutschland von diesem Problem betroffen sei.

Auswege, um Kosten zu decken

Die Kosten für Pflege und Unterhaltung überflüssiger Friedhofsflächen dürfen nicht den Gebührenzahlern aufgebürdet werden. Dementsprechend sind Friedhofsträger auf der Suche nach anderen Auswegen. Allerdings gestaltet sich das nicht so einfach, denn die Überhangflächen zu veräußern oder für andere öffentliche Zwecke bereitzustellen bürgt Konfliktpotential. Nicht zuletzt spielt der Gesichtspunkt der Pietät eine Rolle. „Um möglichen Konflikten im Vorfeld zu begegnen, sollte immer der Dialog mit den Bürgern gesucht werden“, bekräftigt Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas. Eine gänzliche Schließung von Friedhöfen sei ebenfalls keine oder nur in den seltensten Fällen eine Lösung.

Vorbildliche Initiativen in Hamburg und Köln

Wie es funktionieren kann und der Bürger in die Entscheidungen, was mit den Überhangflächen geschieht, eingebunden werden kann, zeigen Projekte in Hamburg und Köln. Im Rahmen des Projekts „Ohlsdorf 2050“ steht die Beteiligung der Bürger für Friedhofsverwaltung, Stadt und Behörden an zentraler Stelle. Auf dem Friedhof Ohlsdorf werde schon heute nur noch ungefähr die Hälfte der knapp 400 Hektar als Grabflächen genutzt, bis 2050 werden es voraussichtlich nur noch rund ein Viertel sein. Auch in Köln, wo über die Hälfte der Flächen der insgesamt 55 städtischen Friedhöfe nicht mehr für Bestattungen benötigt werden, werden unter dem Motto „Kulturraum Friedhof 2025“ die Ideen und Wünsche der Bürger zur Nutzung der Friedhofsflächen abgefragt.

Unterschiedliche Nutzung von Überhängen

„Grundsätzlich sollte die Frage des Überhangs an Bestattungsflächen möglichst zeitnah angegangen werden und mit einem planvollen Abbau einhergehen“, fordert Keldenich. Schon heute kann zum Beispiel beim Belegen der Grabstätten gezielt auf geeignete freiwerdende Flächen hingewirkt werden, die in Zukunft einmal entwidmet werden könnten. Als Alternativen für die Nutzung der Überhangflächen gelten je nach örtlichen Gegebenheiten unter anderem Kultur und Sport, Grünflächen und Gärten, Landwirtschaft und Gartenbau oder auch die Bebauung. In insgesamt 18 Positionspapieren bezieht Aeternitas unter anderem auch zum Thema Überhangflächen Stellung. Zu finden sind diese Papiere alle auf der Internetpräsenz der Verbraucherinitiative Bestattungskultur.