Grüne Branche

Friedhöfe wegen Unkrautbekämpfung schließen?

Den Kampf gegen Unkraut auf Friedhofswegen nahm Rainer Wilke vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) unter die Lupe. Er erläuterte die Situation bei der Tagung der rheinischen Friedhofsgärtner in Kaarst. 

Für den Herbizideinsatz gilt: Friedhöfe sind Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind wie öffentliche Parks und Grünanalgen. Die Regelung in NRW besagt, dass nur Präparate, die in der vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichten Liste aufgeführt sind, dort ohne besondere Maßnahmen eingesetzt werden können.

Präparate, die nicht auf der Liste stehen, könnten in NRW nur dann eingesetzt werden, wenn besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind. Sie müssen für die Allgemeinheit unzugänglich gemacht werden. Das bedeutet eine Sperrung des Friedhofes für 48 Stunden, Absperren von Gräbern durch Flatterband und ähnliche Maßnahmen, die im Einzelnen mit dem Träger abgesprochen werden müssten.

Speziell für Nichtkulturland, also nicht gärtnerisch genutzte Flächen wie Wege und Plätze, ließe sich für den Einzelfall eine Ausnahmegenehmigung beim Pflanzenschutzamt beantragen.

Für Nordrhein-Westfalen hat allerdings das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz die Pflanzenschutzvorschrift aktuell im Januar 2014 konkretisiert:

Demnach dürfen Genehmigungen nur erteilt werden, wenn überwiegendes öffentliches Interesse, insbesondere der Gesundheitsschutz, nicht entgegen stehen. Denn zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen der jüngsten Vergangenheit hätten Zweifel an der Unbedenklichkeit des Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffes Glyphosat geäußert, so das NRW-Landesministerium.

Aus Vorsorgegründen sollten daher bis auf Weiteres Genehmigungen für die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel auf Nichtkulturland unterbleiben. Das bedeutet in der Praxis, so Wilke, sich vorrangig den mechanischen und thermischen Verfahren zu widmen. Noch Ende vergangenen Jahres waren 66 Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat mit Indikation Nichtkulturland zugelassen. (fri)