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Friedhof Alpbach: Alpenblick und Physik-Nobelpreis

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Ein schmiedeeisernes Kreuz schmückt ein jedes Grab auf dem Alpbacher Friedhof, an vielen hängt der „Gekreuzigte“. Andere ziert die Figur des Auferstandenen Christus als Hinblick auf das Ewige Leben. Alleine diese Gleichheit stimmt den Besucher in gewisser Weise friedvoll. Doch nicht nur deshalb ist der Friedhof in Alpbach (Tirol) sehenswert.

Nobelpreisträger Erwin Schrödinger in Alpbach bestattet

Die Stimmigkeit, die auf dem Friedhof herrscht, spiegelt sich im Ort selbst wieder, denn aufgrund seines einheitlichen und einzigartigen Holzbaustils sowie der Blumenpracht wurde Alpbach 1983 in einer Fernseh-Show zum „Schönsten Dorf Österreichs“ gekürt. Gleichzeitig trägt der auf tausend Meter Höhe gelegene Ort den Titel „Schönstes Blumendorf Europas“. Er wurde im europäischen Blumenschmuckwettbewerb „Entente Florale“ 1993 verliehen.

Der Alpbacher Friedhof befindet sich traditionell rund um die katholische Pfarrkirche herum. Nach eigenem Wunsch wurde Erwin Schrödinger (1887 bis 1961) hier bestattet. Das Grab des Wiener Nobelpreisträgers für Physik ist leicht zu finden. Vom Eingang aus befindet es sich in der fünften Reihe direkt neben der Friedhofsmauer, auf der sich ein separater Hinweis auf diese besondere Persönlichkeit befindet.

Auch seine vier Jahre später verstorbene Frau Annemarie fand ihre letzte Ruhe in diesem Grab. Erwin Schrödingers einziges Kind, Ruth Brauninzer (geboren 1934), wohnt noch heute in Alpbach – unweit des Friedhofs. Zusammen mit ihren Kindern pflegt sie das Grab ihres Vaters.

Raum auf dem Friedhof äußerst begrenzt

Weil der Raum sehr beschränkt ist, werden oft drei Plätze in einem Grab vergeben. „Auf dem Alpbacher Friedhof befinden sich rund 200 Grabstätten. Vorwiegend finden Erdbestattungen statt. Die Anzahl der Urnenbeisetzungen wird sich aber aufgrund des hohen Platzmangels erhöhen“, vermutet Pfarrer Franz Bachmaier. „Mitte 2017 wurde die Urnenwand auf über 50 Urnennischen erweitert.“

Beeindruckend dargestellt sind in der Totenkapelle die „Vier letzten Dinge“: Tod, Gericht, Himmel und Hölle. Im Jahr 1954 wurde von Jakob Lederer ein Kriegerdenkmal zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege errichtet. Die Kirche, der Friedhof sowie der sogenannte Heilige Kasten/ Heiligenkasten sind denkmalgeschützt.

Kindergräber an der Rückwand der Pfarrkirche

Beim Gang über den kleinen Friedhof können dem Besucher die Schicksale mancher Familien zu Herzen gehen. Auch dort wird die „Gute Hoffnung mit jähem Ende“ betrauert. Vielleicht spendet es den gläubigen Hinterbliebenen ein wenig Trost, dass sich diese Kindergräber direkt an der Rückwand der Pfarrkirche befinden – und somit unweit des Tabernakels sind?

„Früher waren rund um die Kirche herum Kindergräber. Damals sind viele Kinder gestorben“, blickt Pfarrer Bachmaier zurück. „Heute ist das Gott sei Dank nicht mehr so oft der Fall.“