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Friedhof: Gericht verbietet Finger als Grabmal

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Nach einem aktuellen Urteil darf ein Grabmal in Form eines ausgestreckten Zeigefingers nicht auf einem Friedhof aufgestellt werden. Vor dem Verwaltungsgericht Hannover (AZ 1 A 12180.1) scheiterte die Klage eines Mannes gegen einen Bescheid der Friedhofsverwaltung.

Wie Grabmale auf Friedhöfen aussehen dürfen, müssen unter Umständen Gerichte entscheiden. Foto: Pixabay

„Aufgezwungene Befassung“ mit Finger nicht zumutbar

Diese hatte ihm verwehrt, ein ungefähr 1,80 Meter hohes Grabmal in Form eines Zeigefingers mit der Aufschrift „Carpe diem“ auf dem Grab seiner Frau aufzustellen. Die Skulptur entstand anlässlich der Documenta 6 und befindet sich derzeit im Garten des Klägers. Es sei der Wunsch von ihm und seiner Frau gewesen, dass das Kunstwerk einmal das gemeinsame Grab schmücken sollte.

Im vorliegenden Fall urteilte der Richter, dass das Grabmal das ungestörte Totengedenken zu sehr beeinträchtige und damit nicht der Würde des Ortes entspräche. Den Friedhofsbesuchern sei eine „aufgezwungene Befassung“ mit dem Finger als Grabmal und dessen Bedeutungsgehalt nicht zuzumuten. Konkret verwies das Gericht darauf, dass andere Friedhofsbesucher in Anbetracht der Skulptur eventuell über einen sogenannten „Stinkefinger“ nachdenken würden.

Darüber hinaus sei es legitim, dass die Friedhofsverwaltung den Gesamteindruck des Friedhofs in seiner althergebrachten Entwicklung bewahren wolle.

Aeternitas hält Urteil für nicht überzeugend

Die Verbraucherinitiative Aeternitas (Königswinter) hält das Urteil für nicht überzeugend. Zwar unterliege das Recht individueller Grabgestaltung wegen des Gemeinschaftscharakters eines Friedhofs gewissen Beschränkungen. Der Würde des Ortes widersprächen aber nur solche Gestaltungen, die geeignet sind, die Empfindungen der Mehrheit der Friedhofsbesucher oder mindestens eines „Durchschnittsbesuchers“ zu verletzen.

„Dass ein Grabmal lediglich nicht gefällt oder der eine oder andere bei dessen Anblick zum Nachdenken angeregt wird, reicht dazu aber nicht aus“, sagt Torsten Schmitt, Rechtsanwalt und Rechtsreferent der Verbraucherinitiative Aeternitas.

Friedhofsverwaltungen dürften und sollten auch individuelle Grabmale zulassen, die zur Interpretation anregen. Dass sich Grabmale in die Umgebung einfügen sollen, verhindere bei zu strenger Interpretation jegliche der Norm abweichende künstlerische Gestaltung. Dies könne nicht der Anspruch eines bürgerfreundlichen Friedhofs sein.