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Friedhof: große Schäden durch Wildschweine

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Erst musste der Waldfriedhof „In den Kisseln“ in Berlin-Spandau wegen der vielen Baum-Schäden durch Sturm Xavier wochenlang geschlossen werden, jetzt sorgen Wildschweine für Aufregung und verursachen nicht nur an Gräbern große Schäden.

Wildschweine wühlen den Boden auf der Suche nach Nahrung auf und können dadurch nicht nur auf Friedhöfen große Schäden anrichten. Foto: Pixabay

Wildschweine verwüsten Berliner Gräber

Nicht nur auf Freiflächen und zwischen altem Baumbestand wühlen die Schwarzkittel den Boden auf, sondern arbeiten sich auch durch die Erde auf Gräbern und Wegen, beobachten Friedhofsbesucher und -verwaltung auf dem Waldfriedhof Berlin-Spandau. Neben ihren Hinterlassenschaften sei der Geruch durchdringend, berichtet die Berliner Morgenpost über die Situation und die Verunsicherung von Angehörigen und Besuchern.

Zu ernsthaften Vorfällen sei es in Spandau bisher nicht gekommen. Das Grünflächenamt bemüht sich um eine zeitnahe Behebung der Verwüstungen. Um die betroffenen Gräber müssen sich die Angehörigen aber selbst kümmern.

Schutz durch Gitter und Zäune?

Entsprechend wurden für den Waldfriedhof „In den Kisseln“ Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Vor dem Eindringen soll ein sogenannter Weiderost schützen, eine Gitterkonstruktion mit Betonfundament im Boden am Haupteingang. Auch nach außen öffnende Tore sollen die Wildschweine daran hindern, auf den mehr als 130 Jahre alten Friedhof zu gelangen, berichtet die Berliner Morgenpost.

Allerdings fänden die bis zu 100 Kilogramm schweren Tiere immer wieder Löcher in den Zäunen, durch die sie sich zwängen oder unter denen sie sich einfach hindurch buddeln. Ein Außenzaun mit einem „Unterwühlschutz“ sowie tiefer in den Boden eingelassene Zäune unterstützen die Vorkehrungen.

Gezielte Treibjagd soll Abhilfe schaffen

Mithilfe einer Treibjagd, die je nach Erfolg auch wiederholt werden muss, hofft der Spandauer Bezirk, die Wildschweine langfristig zu vertreiben, wie Jens Häsing, Sprecher der Spandauer Baubehörde gegenüber der Berliner Zeitung erklärte. Friedhöfe gelten als Siedlungsgebiet, daher dürfe aus Sicherheitsgründen nicht gejagt werden, es bedarf einer Ausnahmegenehmigung.

Katrin Koch, Referentin des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) und Derk Ehlert, Wildtierexperte und Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, sind der Meinung, dass sich das Wildschwein-Problem auf dem Waldfriedhof nicht durch Bejagung lösen lässt. Einzelne Abschüsse stünden in keinem Verhältnis zur immens hohen Vermehrungsrate der Tiere. Beide Experten sehen mehr Erfolgschancen in der konsequenten Einfriedung des Friedhofes.

Bestattungswälder: kein ernsthaftes Wildschwein-Problem

Auch Carola Wacker-Meister von der FriedWald GmbH weiß um die Zunahme der Wildschwein-Population in Wäldern. „Grundsätzlich stellen Wildschweine aber keine Gefahr für Urnen im Friedwald dar. Diese bestehen aus einem biologisch abbaubaren Materialmix und enthalten keinen Geruchsstoff. Zudem erfolgen Beisetzungen in einer ausreichenden Tiefe von 80 Zentimetern.“

Kein ernsthaftes Problem mit Wildschweinen, die phasenweise auftauchen, sieht Wolfgang Schmidt vom Wiesbadener Bestattungswald Terra Levis. „Allerdings lieben die Wildschweine Hackschnitzel, die bei uns auf den Gehwegen liegen. Die Wildschweine reißen nachts schon mal einen zehn bis 20 Meter langen Gehweg auf – auf der Suche nach Schnecken und Regenwürmern in den Hackschnitzeln, denn sie lieben tierisches Eiweiß“, so Schmidt.