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Friedhof: Patenschaft für historisches Grab

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Gräber werden nicht mehr gepflegt, Bepflanzungen gehen ein, Grabsteine verkommen: Historischen Gräbern droht das Aus, wenn jahrzehntelange Mietverträge auslaufen. Von Grabmal-Patenschaften versprechen sich viele Verwaltungen den Erhalt kulturhistorischer Zeugnisse. Wir haben nachgefragt.

Grabmal-Patenschaften sollen den Erhalt historischer Gräber sichern. Foto: Pixabay

Viele interessante Grabmale befinden sich nicht mehr in Familienbesitz und drohen im Laufe der Jahre zu verfallen. Leider fehlen oft die finanziellen Mittel, um die wertvollen Objekte zu erhalten, so die Erfahrung von Andreas Adam, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Friedhöfe Mannheim. „Deshalb haben wir in Mannheim am Anfang des Jahres ein Konzept erarbeitet, das es nun ermöglicht, solche kulturhistorisch oder biografisch wertvollen Gräber zur Patenschaft anzubieten.“

Pate übernimmt Pflege von Grab und Grabstein

Mit dem Erwerb einer Patenschaft obliegt dem Paten die Pflege des Grabsteins und die gärtnerische Instandhaltung des Grabes – der Grabstein bleibt jedoch Eigentum der Friedhöfe Mannheim, erklärt Adam. Der Pate trägt Adam zufolge nicht nur dazu bei, ein Stück Kulturgut zu bewahren, sondern er erhält auch die Möglichkeit, später im Bedarfsfall in das Patenschaftsgrab zu bestatten.

„Allerdings stehen die Friedhöfe Mannheim mit ihrem Patenschaftskonzept erst am Anfang des Weges. Der Aufbau eines Portfolios ist in Arbeit, und die Bewerbung des Projektes ist erst angelaufen. Daher können wir noch keine Erfahrungswerte weitergeben. Auch Gemeinschaftsgräber in historischen Grabanlagen sind bei uns zurzeit kein Thema“, ergänzt Adam.

Anders in Aachen: „Wir bieten eine Gemeinschaftsgrabanlage für Urnenbestattungen auf dem Aachener Westfriedhof an“, sagt Wolfgang Berg, Bereichsleiter Friedhof und Krematorium bei den Aachener Stadtbetrieben. „Es sind 26 Plätze für Urnen in einer historischen Grabanlage, die wie ein Urnenreihengrabfeld gehandhabt und städtisch gepflegt wird. Es gibt die Möglichkeit, eine Stelle für den Ehegatten zu reservieren. Am historischen Grabmal können Tafeln mit dem Namen des Verstorbenen befestigt werden.“

Grab-Patenschaften in Aachen sehr gut angenommen

Seit 2011 sind auf den historischen Friedhöfen in Aachen Grab-Patenschaften möglich. „Dies wird sehr gut angenommen“, erklärt Berg. „Es gibt zurzeit etwa 150 Patenschaften. Der Pate zahlt eine Bearbeitungsgebühr von derzeit 25 Euro und erhält eine Patenschaftsurkunde. Er muss das Grabmal in einem verkehrssicheren Zustand halten. Jegliche Veränderung ist mit der Unteren Denkmalbehörde und der Friedhofsverwaltung abzustimmen.“

Erst im Beisetzungsfall ist ein Nutzungsrecht zu erwerben, dann fallen Kosten nach der geltenden Gebührensatzung an, so Berg weiter. „Vorteil für den Paten: Er zahlt nichts für die Übernahme der vorhandenen Aufbauten. Nachteil: Bei Kündigung der Patenschaft werden die in die Instandhaltung oder Restaurierung investierten Mittel nicht erstattet.“

Seit 1995 Ohlsdorfer Grabmal-Patenschaften

Auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf werden seit 1995 die Ohlsdorfer Grabmal-Patenschaften angeboten. „Mittlerweile sind rund 400 neu überlassene Grabstätten mit historischen Steinen, Engeln, Skulpturen, Reliefs und ähnlichen Motiven vergeben“, zeigt Lutz Rehkopf, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Hamburger Friedhöfe (AöR), auf.

„Den Grabstein dürfen die Paten nicht versetzen. Darüber hinaus muss der Name des ,ersten‘ Verstorbenen erhalten bleiben, zumindest auf der Grabmal-Rückseite. Hierbei wurden sehr individuelle, moderne Ideen umgesetzt, wie beispielsweise mittels einer Glasplatte, die vor dem historischen Grabstein angebracht wurde.“

Der komplette Beitrag über Patenschaften für historische Gräber ist in der TASPO 39/2017 erschienen.