Grüne Branche

Friedhofs-App geht im November online

Dank eines neuen Internetangebotes können Interessierte künftig bundesweit historisch wertvolle Grabstätten mit dem Smartphone, iPad oder Tablet-PC erkunden.

So funktioniert die App: Mit der Karte können historische Gräber auf ausgewählten Friedhöfen gefunden werden. Foto: Anett Kirchner

„Nach dem Tod der Mutter 1771 führte Charlotte den väterlichen Haushalt und kümmerte sich um ihre Geschwister. Im Jahr darauf begegnete sie Johann Wolfgang Goethe, auf einem Ball im Jägerhaus…“ Wenn der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz diese Zeilen spricht, fühlt sich der Zuhörer wie in einer Lesung oder einem Theaterstück. Mit angenehmem Timbre trägt er die Worte vor, hebt oder senkt die Stimme, wird langsamer und wieder schneller. Bei dem Vortrag handelt es sich aber weder um eine Lesung noch ein Theaterstück. Vielmehr steht der Zuhörer vor einem Grab auf einem Friedhof; in der Hand sein Smartphone, iPad oder einen Tablet-PC.

Im November 2014 wird die erste, deutschlandweite Friedhofs-App frei geschaltet. Sie ermöglicht einen audiovirtuellen Rundgang auf ausgewählten historischen Friedhöfen bundesweit. Initiatoren, Organisatoren und Geldgeber sind nun gespannt, wie das neue Online-Angebot von den Nutzern angenommen wird. Projektträger ist die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe Berlin-Brandenburg. Der Titel und gleichzeitig auch die Webadresse lauten: „Wo sie ruhen.“ (www.wo-sie-ruhen.de). Es werden insgesamt 1.000 bedeutende Grabstätten von 37 Friedhöfen vorgestellt; kommunale, evangelische und katholische sowie jüdische Friedhöfe. Neu daran ist, dass alle Texte gesprochen sind.

Wer also ein internettaugliches Mobiltelefon oder ein Tablet-PC hat, kann sich künftig mit der kostenlosen App bequem vor Ort die Ausführungen zu dem jeweiligen Grab anhören; oder natürlich auch lesen. Zugang bekommen die Nutzer mit einem so genannten QR-Code, der jeweils am Eingang des Friedhofes oder an der Informationstafel zu finden ist. „Natürlich kann die Webseite auch wie gewohnt Zuhause am Computer angesehen werden“, erklärt Christa Ringkamp vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro Hortec.
Ihre Firma ist unter anderem auf die Entwicklung und Erstellung von GPS-gestützten Leitsystemen in Parks oder auf Friedhöfen spezialisiert und wurde mit der Umsetzung sowie Betreuung des Pilot-Projektes zu der Friedhofs-App betraut. Programmierer, Grafiker, Layouter, Fotografen, Autoren, Historiker, Friedhofsverwalter, Lektoren und Sprecher – alle Fäden liefen jeweils bei Hortec zusammen. Der logistische Aufwand war größer als zunächst gedacht, verrät Ringkamp. Mehr dazu in der August-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 15.