Grüne Branche

Friedhofs- und Bestattungskultur: Statistische Planungsdaten gefordert

Politisch Verantwortliche sollten mehr als bisher über die Friedhofs- und Bestattungskultur wissen. Die Verbände der auf dem Friedhof tätigen Unternehmen forderten die Politik Mitte Juni im Rahmen einer gemeinsamen Presseerklärung dazu auf, politische Entscheidungen, das Branchenfeld betreffend, künftig auf gesicherte statistische Grundlagen zu stellen.

Hintergrund der Erklärung, die der Bund deutscher Bestatter, der Bund deutscher Friedhofsgärtner im Zentralverband Gartenbau, der Bundesinnungsverband des deutschen Steinmetz-, Stein- und Holzbildhauerhandwerkes sowie der Verband der Friedhofsverwalter Deutschland und die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal gemeinsam verfassten, ist die derzeitige Situation bei der Entscheidungsfindung im politischen Umfeld. Da kaum Zahlen vorhanden seien, so die Erklärung, basierten Beschlüsse bis hin zu Gesetzesnovellen mehr auf Vermutungen und vermeintlichen Zuständen als auf der Realität. Dies beträfe nahezu alle Bestattungsgesetze der Länder, die, nachdem jahrzehntelang keine Veränderungen eingeflossen sind, gerade in den letzten Jahren neu gefasst wurden. Eben dieser Zeitraum ist es auch, in dem sich der Wettbewerb im Branchenfeld Friedhof begann zu entwickeln, wie Jörg Freimuth, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Friedhofsgärtner (BdF) gegenüber der TASPO erläuterte. Solange es einen regulierten Markt gab, waren Zahlen verfügbar. Beispielsweise über Kremationen, die der Bund deutscher Bestatter bereitwillig bekannt gab. Nachdem aber private Anbieter auf den Markt drängten, ist diese Bereitschaft an vielen Stellen nicht mehr vorhanden. Selbst auf kommunaler Ebene fehlen häufig Daten. Der einzig verlässliche Wert, auf den die Branche heute zurückgreifen kann, ist die Sterbezahl, so Freimuth.

Auf dieser Basis entwickelten sich dann Theorien über Trends in der gesellschaftlichen oder Bedarfsentwicklung, denen die glaubwürdige Grundlage fehle. Mit Zahlen aber lasse sich beispielsweise belegen, ob deutschlandweit neue Bestattungsformen, wie die ins niedersächsische Bestattungsgesetz aufgenommene Gefriertrocknung, Eingang in unsere Kultur finden sollten. Aus Sicht der Branchenvertreter erscheinen folgende Werte geeignet, politische Entscheidungen faktisch zu basieren: Zahlen nach Bestattungs- beziehungsweise Beisetzungsart pro Jahr, Zahl der nicht im Gemeindegebiet Bestatteten, Zahl der Friedhöfe in Deutschland, Nutzung der Friedhofsfläche nach Funktion (Grabstätten, Wege, Parkflächen, Vorratsflächen) in Prozent. Erst, wenn diese Zahlen vorliegen, gibt es eine Grundlage für die politische Diskussion.

Die Initiatoren der Erklärung sind sich darüber im Klaren, dass die Forderung nach statistischer Erhebung in Zeiten des Bürokratieabbaus auf ein eher schwieriges Umfeld trifft, doch stünde das geforderte Maß an Daten nicht im Widerspruch dazu. Ein Gemeinwesen brauche eine bestimmte Qualität an Eigenorganisation. Dies könne nur auf der Basis entsprechender Erhebungen geleistet werden.

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