Grüne Branche

Friedhofsgärtner: „Der Gießaufwand hat sich verdoppelt“

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Manfred Meier kam über Umwege in die Grüne Branche, heute ist er passionierter Friedhofsgärtner und liebt die individuelle Bepflanzung von Gräbern. Auf der Bundesgartenschau nimmt er mit seinem Betrieb – der Gärtnerei Meier in Waltershausen – am friedhofsgärtnerischen Wettbewerb teil, in dessen Rahmen er mit der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft unter anderem darüber sprach, wie sich die Anforderungen an den Berufszweig zukünftig verändern werden.

Manfred Meier beteiligt sich am Ausstellungsteil „Grabgestaltung und Denkmal“ auf der Bundesgartenschau in Erfurt. Auf dem Foto ist seine Erstbepflanzung der ihm zugelosten Grabstelle zu sehen. Foto: DBG

Was reizt Sie an Ihrem Beruf besonders?

Ich wollte nie Gärtner werden und habe in meinem „ersten Leben“ Maschinenbau studiert. Als mein Vater verstorben ist, hat mich meine Mutter gebeten, unsere Familiengärtnerei zu übernehmen. So erlernte ich den Beruf des Zierpflanzengärtners in Erfurt und bildete mich dann auch noch zum Friedhofsgärtner und Floristen weiter. Man kann als Friedhofsgärtner so unendlich viel gestalten, richtige kleine Kunstwerke und das reizt mich. Die Natur bietet mir so unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Ich liebe jedes Grab, bei dem ich etwas gestalten kann. Bei dem zum Beispiel der Grabstein eine Herausforderung für die pflanzliche Gestaltung darstellt. Bei der Bepflanzung des Grabs sind ja mehrere Sachen zu beachten. Zum einen ist das natürlich der Grabstein, aber mindestens genauso wichtig ist, welche Person in diesem Grab beerdigt wurde. Was war das für ein Mensch, was hat ihn ausgemacht, was hat ihm gefallen, was waren seine Hobbys oder seine Lieblingsblumen? Und all diese Ideen nehme ich dann mit in meine Pflanzplanung hinein. Für mich ist es das Allerwichtigste, das Grab von dem Menschen her zu denken, der dort bestattet ist.

Welche Gedanken beeinflussten das Gestaltungskonzept Ihres Pflanzbeitrags in Erfurt?

Das Grab in Erfurt ist konzipiert für eine jung verstorbene Frau, die das Tanzen, das Leben und ein schönes Erscheinungsbild liebte. Der Grabstein erinnert an den Faltenwurf eines sich bewegenden Kleides, an diese junge Frau und ihre Schönheit. Diese Gedanken habe ich versucht, mit Pflanzen aufzugreifen. Die Bodendecker sind in schwingenden Linien gepflanzt, um den Schwung des bewegten Kleides optisch nachzubilden. Ein Ring aus Bellis, auf Deutsch Tausendschön, greift das Motiv der Schönheit auf und das wird auch der folgende Wechselflor tun. Der Bodendecker Antenaria bildet auf dem Grab einen rot blühenden Teppich – sein deutscher Name „Katzenpfötchen“ ließ mich an die junge Frau denken, die auf diesem Teppich tanzt. Einen weiteren rötlich blühenden Akzent setzt auch die Grasnelke (Armeria) sowie später ein rot blühender Rhododendron. Alle Pflanzen blühen zu unterschiedlichen Zeiten und in einer Ecke greift eine kleine Muschelzypresse noch einmal den Schwung des Kleides aus dem Grabstein auf.

Wie werden sich die Anforderungen an Ihren Berufszweig in Zukunft verändern?

Der Klimawandel macht sich sehr bemerkbar, letztes Jahr war ja schon im März Sommer und die Sommer sind sehr trocken und damit kommen viele Pflanzen, die traditionell für die Grabbepflanzung verwendet werden, schlecht zurecht. Die Frühjahrsblüher wie Primel und Stiefmütterchen schätzen diese frühe Wärme überhaupt nicht, sehen dann schnell nicht mehr schön aus und müssen viel eher ausgetauscht werden, als es früher der Fall war. Wir verwenden deshalb bei den Stiefmütterchen Sorten, die früher blühen und auch besser die Sonne vertragen. Oder später im Jahr bei den Knollenbegonien Pflanzen mit kleineren Blüten, die nicht so sonnenempfindlich sind. Die klassischen Pflanztermine vor Ostern und vor Pfingsten verschieben sich durch den Klimawandel und darauf müssen wir entsprechend reagieren. Der Gießaufwand hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Und wir verwenden auch Bodendecker wie die Antenaria, die weniger unter der zunehmenden Trockenheit leiden. Ich gestalte so gern mit Blumen, aber die Auswahl an Pflanzen, die mit diesem veränderten Wetter umgehen können, wird kleiner.

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