Grüne Branche

Friedhofsgärtner: Frühaufsteher mit Feingefühl

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Roland Wagner arbeitet dort, wo Menschen in erster Linie hinkommen, um zu trauern, um sich zu erinnern und um Ruhe zu erleben. Traurig jedoch findet der 48-jährige Friedhofsgärtner aus Rheda-Wiedenbrück seinen Arbeitsplatz auf keinen Fall. Eher im Gegenteil.

Bunt und lebensbejahend: Friedhöfe im Frühjahr

„Besonders jetzt in der Frühlingszeit ist der Friedhof bunt und lebensbejahend“, findet Wagner. Der Friedhofsgärtner kümmert sich hauptsächlich um die Bepflanzung und Pflege von Gräbern, die Angehörige nicht selbst pflegen können oder wollen und diese deshalb an den Profi abgegeben haben.

Bei seiner Arbeit richtet sich Wagner häufig nach den individuellen Kundenwünschen. So besorgt der Friedhofsgärtner beispielsweise die Lieblingsblumen des Verstorbenen, dekoriert das Grab zu den Totengedenktagen mit liebevollen Gestecken und achtet im Rahmen einer Dauergrabpflege zu jeder Jahreszeit auf ein ansprechendes Aussehen des ihm anvertrauten Grabes.

Friedhöfe durch „kuriose“ Bestattungsangebote gefährdet

Wagner sieht sich darüber hinaus mitverantwortlich für den Erhalt von Friedhöfen, die durch zunehmend „kuriose“ Bestattungsangebote gefährdet seien. Ungenutzte, aber dennoch pflegebedürftige und damit kostenintensive Bereiche auf einem Friedhof seien die Konsequenz der Abwendung der Menschen.

„Wir Friedhofsgärtner müssen uns hier bewegen und wir können uns auch bewegen! Unsere Aufgabe ist es, neue Angebote zu schaffen, die die Menschen ansprechen und auf den Friedhof zurückholen“, erklärt Wagner. Eines seiner innovativen Angebote ist der Memoriam-Garten, den er seit 2015 auf dem Kommunalfriedhof in Rheda-Wiedenbrück zusammen mit zwei weiteren Gärtner-Kollegen betreibt.

Memoriam-Garten erhält viel Zuspruch

Dabei handelt es sich um eine fertig gestaltete und zusammenhängende Anlage, die nach und nach mit Grabstellen belegt wird. Wagner und seine Mitstreiter verantworten die dauerhafte Pflege des Memoriam-Gartens. Zusammen mit Steinmetzen, Bestattern und der Friedhofsverwaltung wird das Konzept vermarktet und erfährt viel Zuspruch in der Bevölkerung. „Die Leute sehen hier schon vorher, was sie bekommen und zahlen ein Komplettpaket. Viele sind sehr begeistert von der gesamten Wirkung der Anlage“, so Wagner.

Ob er die Pflege eines Grabs übernehmen soll oder eine Bestattung im Memoriam-Garten gewünscht ist, erfährt der Friedhofsgärtner in intensiven Gesprächen mit den Kunden. „Beratungsgespräche erfordern oft viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen. Aufmunternde und tröstende Worte für Hinterbliebene zu finden ist genauso wichtig, wie sachlich über Gestaltungsmöglichkeiten zu informieren“, erklärt Wagner.

Nie langweilig: Arbeitsalltag eines Friedhofsgärtners

Auch die Büroarbeit ist ein wichtiger Teil seines täglichen Geschäfts. Gerade als Betriebsinhaber ist Wagner dabei als Allrounder gefordert: Die Übersicht über die Finanzen zu wahren, Vorbild für die Kollegen zu sein und ansprechbar zu bleiben – der Arbeitsalltag des Friedhofsgärtners ist alles andere als langweilig.

Wie Wagner das alles schafft? Das weiß er manchmal selber nicht so genau. „Vermutlich liegt es daran, dass ich zwischendurch auch kreativ sein darf und das Zusammenspiel an Formen und Farben mich glücklich macht. Kreativ sein – das ist eben die Seele von uns Friedhofsgärtnern.“