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Friedhofsgärtner NRW: „Nicht auch noch Kakteen auf dem Grab“

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Durch den Klimawandel und die immer verheerendere Schädlingssituation auf dem Friedhof werden in Zukunft vermehrt Pflanzen-Innovationen für die Grabbepflanzung gesucht. Der Fachverband Friedhofsgärtner Nordrhein-Westfalen warnt in diesem Zusammenhang allerdings vor Übertreibung.

Für die Wechselbepflanzungsbeete sowie bei den Bodendeckern suchen Friedhofsgärtner nach Pflanzen-Neuheiten, die sich veränderten Rahmenbedingungen gewachsen zeigen und gleichzeitig attraktiv für den Verbraucher sind. Foto: BdF

Friedhofsgärtner auf der Suche nach angepassten Neuheiten

Man habe bereits bei der Internationalen Gartenausstellung Berlin Grabgestaltungen mit Sukkulenten gesehen, gibt Carsten Nöll, Vorsitzender des Fachverbands, zu bedenken. „Wir wollen nicht auch noch Kakteen auf dem Grab“, erklärt der Friedhofsgärtner.

Benötigt würden vielmehr angepasste Neuheiten sowohl für die Wechselbepflanzungsbeete als auch bei den Bodendeckern, die sich veränderten Rahmenbedingungen gewachsen zeigen und zugleich attraktiv in Form und Farbe für die Verbraucher sind, so Nöll.

Im Hinblick auf neue Pflanzen-Sortimente wollen die Friedhofsgärtner in Nordrhein-Westfalen deshalb den Dialog mit den Baumschulen und dem Zierpflanzenbau suchen.

Auch zum Thema Ausbildung soll bei den Friedhofsgärtnern und im Gartenbau in den kommenden Jahren einiges in Bewegung kommen. Nordrhein-Westfalen hat zwar die meisten friedhofsgärtnerischen Fachbetriebe und bildet mit über 270 jungen Leuten in allen drei Ausbildungsjahren auch am stärksten in Deutschland aus.

Mehr Ausbildungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen vonnöten

Dennoch reiche diese Zahl bei Weitem nicht aus, so Nöll. Wirtschaftlich betrachtet könnte sie ohne Probleme um 30 Prozent höher liegen. Damit Interessierte auch einen Platz finden, würden allerdings mehr Ausbildungsbetriebe benötigt. Stärker auf die Veränderungen der Realität in den Betrieben eingehen und Ausbildungsinhalte anders gewichten, dahingehend sollte sich die Ausbildung laut Nöll verändern.

Stagnierend oder sogar leicht rückläufig ist zu Nölls Bedauern die Zahl der Fachbetriebe, die derzeit in Nordrhein-Westfalen mit dem Qualitätszeichen Überprüfter Fachbetrieb Friedhofsgärtnerei ausgezeichnet sind. 110 Fachbetriebe tragen aktuell das Siegel, im Fachverband gebe es aber durchaus auch kritische Stimmen zu diesem Projekt.

Geschäfts- und Treuhandstellen der Friedhofsgärtner ziehen um

Die neue gemeinsame Geschäftsstelle für den Gartenbauverband Nordrhein-Westfalen soll am Rande des Olga-Parks der Landesgartenschau Oberhausen entstehen. Dorthin umziehen würden auch die Geschäftsstellen der Friedhofsgärtner und die beiden Treuhandstellen. Ein möglicherweise schmerzhafter Weg für Mitarbeiter, so Nöll, aber auch ein profitabler für die Mitglieder.

Der Garten- und Landschaftsbau Nordrhein-Westfalen sei ihn schon vor vielen Jahren gegangen und habe es nie bereut.