Grüne Branche

Friedhofsgärtner-Seminar: Altersvorsorge kritisch betrachten

Unternehmer, die ihre private Absicherung und Altersvorsorge betrachten, sollten dies kritisch und mit einigem Abstand tun. Auch wenn die Verträge nicht so optimal ausfallen, nicht sofort kündigen, eventuell nachverhandeln. Denn, auch schlechte Verträge sind besser als keine.

Burkhard Fry von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen riet den Unternehmern, eine neutrale Versicherungsberatung und eine einzelbetriebliche Betrachtung einzuholen. Er erläuterte dies bei einem Seminar für Friedhofsgärtner im Bildungszentrum Landwirtschaft und Gartenbau Münster-Wolbeck.

Grundsätzlich seien Versicherungen nur für den finanziell nicht tragbaren Bedarf und nicht für jede Kleinigkeit abzuschließen. In jungen Jahren sollte nur Grundsätzliches versichert werden, beispielsweise die Absicherung des Einkommens bei Berufs- und Erwerbsunfähigkeit des Betriebsleiters sowie die Absicherung der Familie bei Tod des Betriebsleiters. Ansonsten sollte das Geld dazu verwendet werden, den Betrieb zu entwickeln. Später, wenn wirklich Geld übrig bleibt, kann man die Altersvorsorge und zusätzlich Krankheit absichern, dann die Ausbildung und Abfindung der Kinder, wenn dann zum Schluss immer noch etwas übrig bleibt, kommt dies der Kapitalbildung zugute.

Für die Altersvorsorge favorisierte Fry ein Drei-Schichten-Modell: die erste Schicht ist die Basisversorgung, abgeglichen durch die gesetzliche Rentenversicherung der Alterskasse. Die zweite Schicht ist die kapitalgedeckte Zusatzversorgung mit einer Riester-Rente, einer Rürup-Rente oder einer geförderten betrieblichen Altersversorgung. Die dritte Schicht ist die übrige Zusatzversorgung wie nicht geförderte Versicherungen oder nicht geförderte Kapitalmarktprodukte.

Unternehmer sollten sich Gedanken zur Altersvorsorge machen, und dabei möglichst einen neutralen Berater einschalten.

  • Die erste Regel lautet immer, flüssig zu bleiben, das heißt, die Liquidität zu wahren. Keine Maschinenkäufe aus steuerlichen Gründen tätigen. Eventuell Beitragsfreistellungen der Lebensversicherung beantragen, nicht kündigen. Keiner sollte Altersvorsorge mit der Brechstange vornehmen, warnte Fry.
  • Die zweite Regel lautet, staatliche Förderungen zu nutzen: bei der Rürup-Rente sind die Beträge absetzbar und bei der Riester-Rente werden Zulagen gewährt oder die Beiträge sind ebenfalls absetzbar.
  • Die dritte Regel lautet, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern die Vorsorge zu streuen. Dabei mehrere Standbeine aufbauen aus Betrieb, Alterskasse, privater Vermögensbildung. Die Beiträge auf mehrere Gesellschaften und Fonds streuen, gegebenenfalls Aktienfonds beimischen kann vernünftig sein.
  • Wichtig ist auch Regel vier: Finger weg von Spekulationen, keine Haustür-Geschäfte, keine hoch spekulativen Geschäfte.

Weiterhin kann der Vermögensaufbau auch über Aktienfonds, Rentenfonds, Immobilienfonds, Bundesschatzbriefe oder Mietobjekte laufen.
Eine Risiko-Lebensversicherung ist ein preiswerter Risikoschutz ohne Kapitalbildung zur Absicherung des Fremdkapitals, des Partners, der Familie und der Finanzierung einer Ersatzkraft. Die Angebote sind zu vergleichen, denn unterschiedliche Versicherungen haben bis zu dreimal höhere Tarife.

Die Versicherung zur Berufsunfähigkeit ist der wichtigste Risikoschutz für Berufsanfänger, sagte Fry. Auf die Bedingungen achten: Verzicht auf abstrakte Verweisungen, also auf andere Tätigkeiten, einen Prognose-Zeitraum von sechs Monaten wählen und eine Nachversicherungsgarantie. Zu empfehlen ist eine Kombination mit einer möglichst geringen Risiko-Lebensversicherung.

Zur Unfallversicherung lautet die Empfehlung von Stiftung Warentest, die Invalidität mit 100.000 Euro und 300.000 Euro Vollinvalidität abzusichern. Bei ausreichender Absicherung der Berufsunfallversicherung des Betriebsleiters erübrige sich häufig eine zusätzliche Unfallversicherung.

Gegenüber Kapital-Lebensversicherungen sollten Unternehmer sehr kritisch sein und sie unbedingt vergleichen. Zusatzleistungen seien meist nicht notwendig und teuer, beispielsweise die Dynamik oder der Unfalltod. Man könnte versuchen, diese aus dem Vertrag heraus zu kündigen und damit eine Anpassung vorzunehmen. In schweren Zeiten, wenn ein Betrieb gerade einmal illiquide sei, sollte er sie beitragsfrei stellen. (fri)