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Friedhofsgärtner: „Trockenheit & Wärme haben uns übermannt“

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„Es reicht langsam. Gießen bringt nichts, wenn die Begonien regelrecht verbrennen“: Dieses Aufstöhnen eines Friedhofsgärtners in den neuen Medien war sinnbildlich für die Situation auf den Friedhöfen in diesem Sommer. In vielen Regionen kamen die Friedhofsgärtner schon im heißen Juli zu nichts anderem, als tagein tagaus Gräber zu gießen. Die heißen August-Tage legten bei vielen noch einmal „einen drauf“.

Gießen war auch in diesem Sommer Hauptaufgabe der Friedhofsgärtner. Foto: BdF

Pflanzen auf den Friedhöfen regelrecht „verkocht“

Die Schäden der heißen Juli-Periode waren bereits immens: Sogar die überall als Standard verwendete, als robust geltende Begonia semperflorens zeigte starke Verbrennungsschäden – Folge einer durch Hitze zerstörten Zellstruktur. „Die sind in der Sonne regelrecht verkocht“, sagt ein Friedhofsgärtner.

Gleiches gilt für Bodendecker, bestätigt Jonas Traubenkraut, Grabkontrolleur bei der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: „Viele Bodendecker sind verbrannt, Hecken und Wechselbepflanzungen kaputt gegangen“, weiß er. Die andere Rahmenbepflanzung auf den Friedhöfen leide ebenfalls. Den Friedhofsgärtnern bleibe nur, zu gießen, zu gießen und nochmals zu gießen...

„Neun Personen, jeden Tag fünf Stunden Gießen an sechs Tagen der Woche – und das seit etwa acht Wochen“, rechnet ein Friedhofsgärtner für den Sommer vor. Da komme schon eine Unmenge an Arbeitsstunden zusammen. Ein anderer mit ebenfalls sehr vielen Pflegegräbern addiert einen Verbrauch von bis zu 100.000 Litern Wasser pro Tag.

Turnusmäßige Grabpflege bleibt bei so viel Gießen auf der Strecke

Und das, obwohl vielerorts Wasser teilweise schon Mangelware ist. So hat der Landkreis Gifhorn ein Drittel weniger Bodenwasser als im Vorjahr, nennt Traubenkraut ein Beispiel. An anderen Standorten sank der Wasserstand so tief, dass es bis zu Tiefen unter drei Metern kein Wasser mehr gibt. „Das Problem zieht sich durchs ganze Bundesgebiet“, weiß Traubenkraut.

Bei so viel Gießen blieb und bleibt vielerorts wenig Zeit, den turnusmäßigen Grabpflegearbeiten nachzugehen. Wofür so mancher Kunde kein Verständnis hat. Bei den Friedhofsgärtnern selbst und in den Treuhandstellen landeten Kundenbeschwerden, beispielsweise darüber, dass Bodendecker und Hecken noch nicht geschnitten, Unkraut nicht entfernt war. Birgit Ehlers-Ascherfeld, Friedhofsgärtnerin aus Langenhagen und Vorsitzende des Bunds deutscher Friedhofsgärtner (BdF), besänftigte ihre Kunden mit einem Entschuldigungsbrief. „Trockenheit und Wärme haben uns übermannt und fesseln unsere Kapazitäten“, hieß es darin.

Alternativbepflanzungen sollen Sonne und Hitze besser aushalten

Was den Friedhofsgärtnern als Ausweg bleibt, ist, für die nächsten Jahre über Alternativbepflanzungen nachzudenken, die starke Sonne und Hitze besser aushalten. Das waren nach Aussagen der Friedhofsgärtner in diesem Jahr beispielsweise Euphorbien, Dipladenien, Osteospermum und Minipetunien. Alternativen zeigt auch die neue Bodendeckerliste des BdF auf, die kostenlos auf der Website des BdF einsehbar ist.

Mehr zum Thema „Friedhofsgärtner im Dauer-Gießeinsatz“ lesen Sie in der TASPO 36/2019, die am 6. September erscheint.