Grüne Branche

Friedhofsmobil der Senioren: zehn Jahre per Auto zum Grab

Über 260.000 Kilometer gefahren und etwa 13.000 Fahrten zurückgelegt, immer ausgebucht: Diese Bilanz kann das Friedhofsmobil der Senioren Servicedienste Köln nach zehn Jahren ziehen. Zu 80 Prozent durch Spenden vieler kleiner Beträge und zu 20 Prozent durch die Kölner Friedhofsgärtner, so finanziert sich das Friedhofsmobil.

Gerald Meier (v. l.), Chorleiter „Unlimited Voice Company“, Pfarrer Franz Meurer, Jürgen Becker, Josef F. Terfrüchte, Martin Stankowski, Godehard Bettels, Fahrer des Kölner Friedhofsmobils. Foto: Senioren Servicedienste Köln

Nötig ist Geld für Fahrer und Unterhalt, für Fahrzeug und Benzin. Initiator Josef F. Terfrüchte zieht Bilanz, und zwar eine positive: Der Bedarf ist nach wie vor da, Interessierte müssen sich sechs bis acht Wochen vorher anmelden. Es sind zu 98 Prozent Frauen, und das Durchschnittsalter beträgt 82,9 Jahre.

Godehard Bettels, langjähriger Fahrer und Vertrauter der Seniorinnen, hat mittlerweile seine Erfahrungen und Begegnungen rund um das Friedhofsmobil in einem Buch mit Geschichten, Fotos und Zeichnungen festgehalten. Fünf bis sechs Fahrten macht er am Tag, im Durchschnitt mit 1,8 Fahrgästen. Es nehmen nur wirklich Bedürftige das Angebot in Anspruch, sagt Terfrüchte, Missbrauch habe es nie gegeben.

Mit neu gestalteter Internet-Seite, neuem Flyer und neuem Logo präsentieren sich jetzt die Senioren Servicedienste Köln und ihr Friedhofsmobil. Der Kölner Dom mit Brücke oder Band, das verbindet, vom Leben zum Tod. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kölner Friedhofsmobils kamen Ende Oktober drei prominente Autoren zur Feier nach Köln: Jürgen Becker, Martin Stankowski und Pfarrer Franz Meurer. Gleich zu Anfang ein Witz über die Kölner Originale Tünnes und Schäl am Grab – Kabarettist Jürgen Becker wusste die Senioren zu begeistern.

In einem erfrischenden Dialog ergab ein Wort das andere, als sie aus ihrer „Werkzeugkiste für Weltverbesserer“ zitierten. Unter dem Buchtitel „Von wegen nix zu machen“ motivieren sie zum Nachmachen von originellen und garantiert befriedigenden Ideen, die über den Alltag hinaus etwas bewirken können, um die Qualität des menschlichen Miteinanders zu erhöhen. Der kabarettistische Zungenschlag des Jürgen Becker, die pointierten Kommentare von Martin Stankowski und Pfarrer Meurers Begeisterung für die „Kümmerer“ in unserer Gesellschaft haben das Publikum gleichermaßen amüsiert und zum Nachdenken angeregt.

Dem Autorentrio ist auch das Kölner Friedhofsmobil ans Herz gewachsen, sie stellen es in ihrem Buch vor. Den stimmungsvollen Auftakt zur Jubiläumsfeier lieferte der Gospelchor „Unlimited Voice Company“ der Evangelischen Kirchengemeinde Köln Neue Stadt unter der Leitung von Gerald Meier. Besonders erfreut haben sich die Besucher an der eigens einstudierten Persiflage auf einen bekannten Sommerhit der Wise Guys, wobei die Senioren und das Friedhofsmobil thematisiert wurden. Des Weiteren durften sich die Kölner Senioren über ein weiteres Geburtstagsgeschenk der Kölner Senioren Union (CDU) freuen: Als Kreisvorsitzender überreichte Bernd Ensmann einen Spendencheck im Wert von 1.500 Euro an Terfrüchte. (fri)