Frostnächte sorgen für Schäden im Obstbau

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Vom Frost geschädigte Blüte einer Zwetschge. Foto: Vereinigte Hagel

Ende März stiegen die Temperaturen bis auf 25 Grad Celsius, den Hoffnungen auf einen milden Witterungsverlauf im Frühjahr machte die arktische Kältewelle Anfang April allerdings einen Strich durch die Rechnung. Die Vereinigte Hagelversicherung meldete nach vorläufigen Schätzungen den zu erwartenden Schaden auf etwa elf Millionen Euro.

„Arctic Outbreak“ sorgt für winterliche Verhältnisse

Der April macht was er will, dem Sprichwort wurde der Monat in diesem Jahr absolut gerecht. Besonders in den südlichen Teilen Deutschlands wurden die Obst- und Gemüseanbauer von dem „arctic Outbreak“ buchstäblich eiskalt erwischt. Die in der Blüte besonders frostempfindlichen Bestände wurden demnach durch die spätwinterlichen Wetterverhältnisse zum Teil stark geschädigt. Grund für den späten Wintereinbruch war ein Hochdruckgebiet auf dem Atlantik, welches im Verbund mit einem Tief über Skandinavien Luftmassen polaren Ursprungs aus Norden in unsere Breiten geführt habe. Dazu zogen bei teils stürmischen Wetterverhältnissen immer wieder kräftige Schnee-, Regen-, Graupelschauer mit zum Teil kurzen Gewittern über Deutschland. Beim Aufklaren in den Nächten rutschten die Temperaturen dann zum Teil deutlich in den Minusbereich mit Tiefsttemperaturen von bis zu minus sieben Grad in den südlichen Mittelgebirgstälern.

Obstproduzenten beklagen hohe Ausfälle

Bei der Vereinigten Hagelversicherung gingen laut eigenen Angaben bereits zahlreiche Schadensmeldungen ein, wie die von Obstproduzent Martin Bähr aus Oberkirch im Ortenaukreis, dessen Zwetschgen schwere Frostschäden aufweisen. „In unserer Hanka-Anlage in der Vollblüte haben wir nach den letzten Frostnächten einen Schaden von 90 bis 100 Prozent. Letztes Jahr hatten wir auch schon einen Totalausfall. Im zweiten Jahr in Folge sind wir betroffen“, sagt Bähr. Auch im Landkreis Lörrach hat auch Obstbauer Markus Schörlin Frostschäden zu beklagen. „Bedingt durch die Frostschäden vom 6. April sind rund 85 Prozent der Blütenorgane der Apfelsorte Topaz beschädigt. Dies zeigt sich deutlich an der Schwarzfärbung der Kerngehäuse“, so Schörlin. Eine finale Bestimmung, wie hoch die Ertragsschäden ausfallen, könne aber erst nach der Blüte angestellt werden, da das weitere Blühwetter entscheidet, ob sich die gesunden Blüten noch zu Früchten entwickeln. Allerdings erwarte Schörlin sehr geringe bis stark verminderte Erträge für seine frostgeschädigten Süßkirschen- und Zwetschgenbestände, die in der Frostnacht vom 6. April einen Blüteschaden von bis zu 90 Prozent erlitten.

Schäden auf elf Millionen Euro geschätzt

Ähnlich sieht es bei den Weinbauern im Südwesten Baden-Württembergs aus. „Die Schäden sind im nördlichen Markgräflerland enorm. Aufgrund von Tiefsttemperaturen bis minus 4,4 °C wurden die sich im Wollestadium in frühen Lagen und frühen Sorten bereits im beginnenden Aufbruch der Knospen befindlichen Reben enorm geschädigt. Ausfälle zwischen 40 Prozent und 80 Prozent können nicht ausgeschlossen werden“, erklärt Weinbauberater Hansjörg Stücklin. Die Produzenten hoffen daher nun auf mildere Witterungsverhältnisse, um noch größere Schäden abzuwenden, allerdings seien weitere Kälteeinbrüche und Frostnächte im April nicht auszuschließen. Insgesamt seien laut Vereinigte Hagelversicherung mehr als 2.000 Hektar Obst- und Weinbauflächen mit einer geschädigten Versicherungssumme von circa 24 Millionen Euro betroffen. Aktuellen Schätzungen zufolge belaufen sich die entstandenen Schäden auf etwa elf Millionen Euro.