Grüne Branche

Gärtnereien: Lohnt sich eine Herbst-Aktion?

, erstellt von

Am 16. September startet die Aktionswoche „Herbstlich willkommen“, eine Initiative des Bayerischen Gärtnerei-Verbands. Rund 120 Gärtnereien aus Bayern und 60 weitere aus anderen Bundesländern nehmen dieses Jahr daran teil. Doch lohnen sich solche Herbstaktionen überhaupt? Wir haben uns in fränkischen Einzelhandelsgärtnereien umgehört.

Schwerpunkt einer Herbstaktion in der Gärtnerei können etwa Bepflanzungsbeispiele für Balkon und Terrasse in passenden Gefäßen sein. Foto: Kientzler

Herbstaktionen sollen Verkaufsimpulse setzen

Fakt ist: Das Herbstgeschäft ist leider keine „zweite Saison“ und absolut nicht mit dem Beet- und Balkonpflanzengeschäft im Frühjahr zu vergleichen. Das Sortiment ist im Herbst durchaus attraktiv und vielfältig, aber die Kundenfrequenz und damit letztlich auch der Umsatz sind häufig unbefriedigend. Entsprechend sollen Aktionen im Herbst Verkaufsimpulse setzen.

Kurt Scherdi (Landsberg-Hofstetten), Vorsitzender der Bayerischen Einzelhandelsgärtner, ist einer der Initiatoren der Aktion „Herbstlich willkommen“, die 2008 an den Start ging und heute in mehreren Bundesländern läuft. Dazu werden von den Verbänden Werbemittel – beispielsweise Plakate und Folder – bereitgestellt und die Herbst-Saisonstart-Aktion in den einzelnen Regionen initiiert.

„Herbstliche Aktionswoche hat tollen Werbeeffekt für Gärtnerei“

„Herbstlich willkommen ist fester Bestandteil unseres Event-Kalenders und kommt bei den Kunden sehr gut an. Die Aktion hat tollen Werbeeffekt für uns als Fachbetrieb“, betont Scherdi. Neben herbstlichen Angeboten und einer herbstlichen Präsentation gibt es Pflanzenaktionen für Kinder und Erwachsene sowie zum Abschluss einen Südtiroler Abend mit Brotzeit, Wein und musikalischer Unterhaltung.

Andreas Löwer von der Gärtnerei Löwer startet seine Herbstaktionen im Oktober und nutzt dazu in seinen Pflanzencentern in Mömlingen und Goldbach (bei Aschaffenburg) die verkaufsoffenen Sonntage im Oktober, an denen der Verkauf erlaubt ist. Neben herbstlichen Angeboten werden in Mömlingen in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz Igelhäuser gebaut und in Goldbach Apfelsaft zu Gunsten der Streuobstinitiative „Schlaraffenburger“ gekeltert.

„Herbstaktionen im Oktober unverzichtbar“

Herbstliche Pflanzaktionen für Kunden und ein Spezialitätengrill mit Kürbiswurst vom regionalen Metzger runden die Herbstaktionen in Goldbach ab. Geworben wird über Flyer, Anzeigen, die Homepage sowie über Facebook. Zudem gibt es eine Presse-Nachberichterstattung. „Herbstaktionen im Oktober sind für uns unverzichtbar, denn dann läuft das Herbstgeschäft richtig gut“, sagt Andreas Löwer.

Doch es gibt auch Skeptiker. Alexander Kempf (Klingenberg-Röllfeld) etwa lehnt Herbstaktionen kategorisch ab. „Das bringt nichts. Die Aktion ‚Herbstlich willkommen‘ ist im September viel zu früh, dann ist es oft noch zu warm, und in Bayern war gerade Schulanfang“, kritisiert er. Außerdem sind für ihn die Kosten der Aktion im Verhältnis zum möglichen Umsatz zu hoch, sodass damit keine hohen Ausgaben für Werbung gerechtfertigt sind. Das Geschäft läuft auch so, ist sich Kempf sicher.

Hohe Kosten, geringer Umsatz: Gärtnerei verzichtet auf Herbstaktionen

Ähnlich argumentiert Rupert Benkert, Inhaber einer Einzelhandelsgärtnerei in Waigolshausen bei Schweinfurt. „Hohe Kosten, geringer Umsatz und dann kommen auch noch das Sonntags-Verkaufsverbot und eine angespannte Personalsituation bei uns hinzu“, so Benkert. Einige Jahre hat er Herbstaktionen veranstaltet, aber die Resonanz war eher mäßig, sodass die Gärtnerei inzwischen darauf verzichtet. Gute Erfahrungen hat der Betrieb allerdings mit einer Allerheiligen-Ausstellung mit Mustergräbern und Trauerfloristik Ende Oktober gemacht.

Noch mehr Stimmen aus fränkischen Einzelhandelsgärtnereien zum Thema „Lohnen sich Herbstaktionen?“ sowie Tipps für die Themenwahl und Planung von Herbstaktionen finden Sie in der aktuellen TASPO 35/2017, die am 1. September erschienen ist.