Gärtnerische Ausbildung: „Bei uns ist jeden Tag Girls‘ Day“

Veröffentlichungsdatum: , Daniela Sickinger / TASPO Online

Die angehenden Landschaftsgärtnerinnen (v. l.) Kim Uphoff, Lisa Musehold und Lea Petit werden derzeit im GaLaBau-Betrieb Gaerten von Hoerschelmann im schleswig-holsteinischen Bargfeld-Stegen ausgebildet. Foto: FGL Schleswig-Holstein

Der Frauenanteil in der gärtnerischen Ausbildung liegt derzeit bei knapp 20 Prozent – immer noch zu wenig, wie der ZVG anlässlich des Girls‘ und Boys‘ Day anmerkt. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel gelte es, wichtiges Potenzial nicht zu verschenken. Viele Betriebe haben dies bereits erkannt – beim GaLaBau-Unternehmen Gaerten von Hoerschelmann beispielsweise sind derzeit alle drei Auszubildenden weiblich.

Frauen als Auszubildende im Gartenbau immer noch unterrepräsentiert

„Der Anteil von Frauen in der gärtnerischen Ausbildung nimmt stetig zu, ist aber mit knapp 20 Prozent noch lange nicht zufriedenstellend“, stellt ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer fest. Den bundesweiten Girls‘ Day und Boys‘ Day am 28. April nutzte der Zentralverband Gartenbau (ZVG), um darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen als Auszubildende im Gartenbau zahlenmäßig nach wie vor unterrepräsentiert seien. So zählen unter anderem Gärtner in den Fachrichtungen Friedhofsgärtnerei, Obstbau, Baumschule und Garten- und Landschaftsbau sowie Gärtnermeister zu den sogenannten „Girl’s Day Berufen“, bei denen der Frauenanteil jeweils unter 40 Prozent liegt.

ZVG warnt davor, wichtiges Fachkräftepotenzial zu verschenken

Weil jedoch Nachwuchskräfte in den gärtnerischen Betrieben fehlen und sowohl Auszubildende als auch Meister und Techniker im Gartenbau zukünftig gebraucht werden, warnt der ZVG davor, wichtiges Potenzial zu verschenken. Viele Betriebe würden bereits die Möglichkeit nutzen, über den bundesweiten Aktionstag potenzielle Bewerberinnen für eine Ausbildung im Gartenbau zu begeistern. Der Zentralverband Gartenbau unterstütze die gärtnerischen Betriebe bei der Nachwuchssuche durch gezielte Werbemaßnahmen und -mittel, darüber hinaus war der ZVG auch selbst mit einem digitalen Angebot beim Girls‘ Day vertreten, um über den Gärtnerberuf mit seinen sieben Fachrichtungen zu informieren.

Gaerten von Hoerschelmann: „Geschlecht ist nicht ausschlaggebend“

Über Nachwuchsmangel oder einen zu geringen Frauenanteil kann sich das Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen Gaerten von Hoerschelmann im schleswig-holsteinischen Bargfeld-Stegen nicht beklagen – jedes Jahr stellt das Unternehmen nach eigener Aussage mindestens eine neue Auszubildende oder einen neuen Auszubildenden ein. In den vergangenen fünf Jahren waren dies mehrheitlich Frauen, und auch im Sommer 2022 wird eine weibliche Nachwuchskraft ihre Ausbildung in Bargfeld-Stegen beginnen. „Bei der Auswahl unserer Auszubildenden ist das Geschlecht nicht ausschlaggebend“, erklärt Klaaß Plagmann, Geschäftsführer und Ausbilder bei Gaerten von Hoerschelmann. „Wir suchen nicht gezielt nach weiblichen oder männlichen Mitarbeiterinnen, sondern nach motivierten ‚Überzeugungstäter:innen‘, die mit Leidenschaft und Motivation dabei sind. Und das waren in den letzten Jahren eben verstärkt junge Frauen.“

GaLaBau-Betrieb bildet derzeit drei angehende Landschaftsgärtnerinnen aus

Aktuell bildet der GaLaBau-Betrieb mit Lisa Musehold, Lea Petit und Kim Uphoff drei angehende Landschaftsgärtnerinnen aus, die sich allesamt bewusst für die Ausbildung im nach wie vor von Männern dominierten Garten- und Landschaftsbau entschieden hätten und sich nicht von Vorurteilen abschrecken ließen. „Maschinen können Männer und Frauen steuern, Hebel und Knöpfe sind für alle gleich“, ist zum Beispiel Lisa Musehold überzeugt. Dass Kraft nicht unbedingt geschlechterabhängig ist, weiß auch Lea Petit: „Blockstufen schleppen ist am Anfang für jeden schwer. Die Ausdauer und die Muskeln kommen bei Frauen und Männern mit der Zeit“, so die Auszubildende. „Wenn wir gelegentlich körperlich vielleicht nicht alles genauso machen können, wie ein sehr kräftiger Mann, machen wir das häufig mit Empathie, einem guten Blick für Details und einem empathischen Umgang mit den Kolleg:innen und Kund:innen wett“, ergänzt Kim Uphoff.

Diese Beobachtung hat auch ihr Ausbilder gemacht: „Wenn Frauen auf der Baustelle sind, ist der Umgangston gleich netter. Sie sind mit Kopf und Herz dabei und engagieren sich oft auch über die Pflichtaufgaben hinaus“, so die Erfahrung von Klaaß Plagmann. Lisa Musehold zum Beispiel schreibt zusätzlich im Landschaftsgärtner-Azubi-Blog „Alles Grün“, außerdem tritt sie zusammen mit Kim Uphoff in diesem Jahr beim Landschaftsgärtner-Cup Nord in Rostock an.