Grüne Branche

GaLaBau: „Corona hat das Kundenverhalten verändert“

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Wie steht eigentlich der Garten- und Landschaftsbau während der Corona-Krise da? Und welche Umsatzentwicklungen sind für die Zukunft zu erwarten? Dies und mehr beantwortet Lutze von Wurmb, Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) im Interview mit der TASPO.

Zuversichtlich, dass die Leistungen der GaLaBau-Betriebe weiter gefragt sein werden: BGL-Präsident Lutze von Wurmb. Foto: BGL

Es gibt Stimmen, der GaLaBau wäre nur wenig von der Corona-Krise betroffen. Was sagen Sie dazu, jetzt nachdem wir schon einige Monate mit der Corona-Pandemie zu tun haben?

Trotz der aktuellen Situation zeigt sich der Markt im Ganzen recht stabil. Die Nachfrage nach landschaftsgärtnerischen Dienstleistungen und damit die Auftragslage ist immer noch gut. In der augenblicklichen Entwicklung sind wir beinahe privilegiert. Trotzdem gibt es eine verbreitete Unsicherheit, wie sich die Situation weiterentwickelt.

Ein besonders starkes Standbein für den GaLaBau waren in den vergangenen Jahren Privatkunden. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Bereich? Sind Verhaltensänderungen der Kundschaft durch Corona festzustellen?

Ja, solche Trends sind ganz klar zu beobachten. Aus diesem Grund und der auch in Teilen ungewissen Entwicklung des Privatkunden-Marktes, haben wir uns im BGL dafür ausgesprochen, kurzfristig im Rahmen der Image- und PR-Kampagne Maßnahmen zur Auftragssicherung zu entwickeln und umzusetzen. Ziel der Aktivitäten im Privatkunden-Markt ist es, auf das veränderte Kundenverhalten und auf die neuen Kundenwünsche in Zeiten der Corona-Pandemie einzugehen und den Markt für das Privatgarten-Segment mit inhaltlich neuen Botschaften zu stimulieren und damit weiterhin Nachfrage auszulösen. Übergeordnete Themen sind hier Urlaub/Sommer im Garten und den Garten frisch und fit machen. Mit der neuen Kampagne soll ganz klar dem verstärkten Wunsch der Menschen nach dem Grün in ihrem eigenen Traumgarten entsprochen werden. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf Online-Kanälen und in den sozialen Medien. Hier werden Videos, gestaltete Anzeigen und Posts geschaltet, die den Traumgarten in Zeiten von Corona als etwas Besonderes und Wünschenswertes hervorheben.

Im Kommunal- und Ausschreibungsbereich stehen durch Corona möglicherweise die Finanzen im öffentlichen Bereich unter Druck. Wie schätzen Sie die Auftragslage beim öffentlichen Grün ein?

Um das öffentliche Grün in der aktuell angespannten Situation nicht zu vernachlässigen, haben wir uns, zusammen mit dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), dem Bund deutscher Baumschulen (BdB), dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) und dem Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) für ein wirksames Förderprogramm für kommunales Grün eingesetzt. Parks und Grünflächen sind systemrelevant, sie sind nicht nur grüne Lungen für den Menschen, sondern haben auch eine hohe Bedeutung als Lebensraum und Vernetzungsstruktur für städtische Biodiversität. Das im Juni beschlossene Konjunkturpaket setzt mit den vereinbarten Maßnahmen deutliche Anreize für Investitionen. Und das sind richtige und wichtige Impulse auch für die kleinen und mittleren Betriebe im GaLaBau, damit sie trotz der schwierigen Lage weiterhin ausbilden und sichere Arbeitsplätze bieten können.

Daneben wollen Bund und Länder im Rahmen eines kommunalen Solidarpakts 2020 die krisenbedingten Ausfälle bei der Gewerbesteuer kompensieren. Die in einzelnen Förderprogrammen sonst üblichen kommunalen Eigenanteile werden zudem reduziert. Und nicht zu vergessen: In der Städtebau-Förderung sind die „Grün-Investitionen“ als Fördervoraussetzung verankert. Jetzt ist es wichtig, dass Städte und Gemeinden diese Angebote auch für gezielte Investitionen in ihre grüne und blaue Infrastruktur nutzen. Mit Grün- und Freiflächen schaffen die Kommunen, gerade in einer Zeit des Abstandhaltens, Räume für die Naherholung der Menschen. Das trockene und heiße Frühjahr hat gezeigt, dass die Klimaanpassung mit Grün gerade in den Städten weiter Priorität haben muss. Städte und Gemeinden stehen mehr denn je vor der Aufgabe, ihr Grün zu pflegen, auszubauen und neue Projekte umzusetzen. Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass auch im öffentlichen Grün weiterhin Investitionen getätigt werden.

Gehen Sie insgesamt von einem Umsatzzuwachs der Branche aus, wie er in den vergangenen Jahren regelmäßig zu verzeichnen war?

Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Jahren solche Umsatzzuwächse wie in der Vergangenheit haben werden. Ich bin aber insgesamt sehr zuversichtlich, dass die Leistungen der GaLaBau-Betriebe weiter gefragt sein werden. Denn: Nach Bewältigung dieser Gesundheitskrise sind die Experten für das Grün wieder gefordert, die Herausforderungen im Klimaschutz zu bewältigen und den Menschen ein lebenswertes Umfeld zu schaffen.

Das komplette Interview mit BGL-Präsident Lutze von Wurmb lesen Sie in der TASPO 30/2020.

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