Grüne Branche

Garantien für Stadtgrün

IUPC-Symposium in Berlin
Einen Austausch auf hohem Niveau zwischen Vertretern aus Wissenschaft, Produktion und Planung bot das Symposium „Gesundes Stadtgrün durch funktionale Konzepte“ am 14. und 15. Oktober 2014 in Berlin.

Der Erfolg einer Baumpflanzung hängt von vielen Faktoren ab, viele Gewerke sind daran beteiligt. Das Problem: Wer soll dann die Garantie übernehmen? Foto: DGS

Ziel der Veranstaltung war es, Wissenschaft so zu diskutieren, dass die Erkenntnisse an die Praxis weitergegeben werden. Das prall gefüllte Programm gab dabei einen guten Überblick über Probleme, mit denen das Stadtgrün zu kämpfen hat.

Die Schäden durch Auftausalze an Straßenbäumen etwa nehmen zu, wie Dr. Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin aufzeigte. Und auch der Druck durch Schadorganismen und Pflanzenviren steigt, wie Dr. Martin Hommes (JKI) und Prof.Dr. Carmen Büttner (DPG) verdeutlichten. Durch den prognostizierten Klimawandel würden sich die dargestellten Probleme für das Stadtgrün in Zukunft noch verschärfen.

Viele Probleme des Stadtgrüns seien aber auch auf Fehler in der Planung, Ausführung und Pflege zurückzuführen, so etwa falsche Baumarten- und Standortwahl, mangelhafte Standortvorbereitung, zu tiefes Pflanzen und nicht ausreichende Bewässerung. Insgesamt hat das Stadtgrün also einen schweren Stand, und der wird durch die geringe Wertschätzung seitens der Politik nicht verbessert.

„Die Herausforderungen sind gewaltig“, stellte auch Bernhard von Ehren (BdB) klar. „Als Baumschuler stehen wir in vorderster Front dieser Entwicklungen, und wir wollen die Wissenschaft an unserer Seite wissen.“
Mit Blick auf die Forschung bemängelte er, dass Theorie und Praxis häufig zu weit auseinander lägen. Auch im Hinblick auf Pflanzensortimente sei die Abstimmung zwischen Forschung und Gewerken nicht ausreichend.

Auch bei den Verbänden im grünen Bereich gebe es keinen Schulterschluss. Das Problem sei, dass „jeder für sich vor sich hin“ arbeite. So habe man der Politik gegenüber keine Lobby – „das können wir nur gemeinsam“. Man müsse den Austausch auf hohem Niveau vorantreiben – dafür sei dieses Symposium ein sehr guter Beitrag.

Pflanze ist Stiefkind der Planer
In der Landschaftsplanung beobachtet von Ehren den Trend weg von den Pflanzen, „das Grün fällt immer weiter zurück“. Für Beleuchtung oder Papierkörbe werde viel Geld investiert, für die Pflanzen sei dann kein Geld mehr da.

Das könne man auch auf den Gartenschauen sehen, so von Ehren. Gerade bei den jungen Landschaftsarchitekten stellt er eine gewisse Unerfahrenheit durch geringe Pflanzenpraxis fest, das Thema Pflanzenverwendung werde oft als „Stiefkind“ behandelt. Er wünsche sich, dass den Landschaftsplanern mehr Spaß an der Pflanzenverwendung vermittelt wird. Hilfreich wäre dabei auch die Entwicklung anwenderfreundlicher Pflanzendatenbanken.

Langfristige Garantien: ja, aber von wem?
Ob langfristige Garantien bei der Stadtbegrünung hilfreich und realistisch wären, stellte Prof. Dr. Hartmut Balder in einer Podiumsdiskussion zur Debatte. Die Frage dabei sei, wer diese Garantien geben sollte, denn es sind so viele Gewerke daran beteiligt: Der Erfolg einer Baumpflanzung fängt beim Planer an, geht über die Baumschule, den ausführenden GaLaBau-Betrieb und hängt zuletzt von der richtigen Pflege ab. So könne keiner eine Garantie geben.

Viele sehen die Baumschulen in der Pflicht, da sie die Pflanzen liefern. Diese haben aber keinen Einfluss mehr auf die Pflanzen, sobald sie auf der Baustelle ankommen – und da beginnen oft die Probleme. Es gehe schon beim Abladen und Lagern der Pflanzen los. „Wenn wir als Baumschule auch das Pflanzen und Pflegen der Bäume übernehmen würden, könnten wir auch langfristige Garantien geben“, meinte Christoph Dirksen (Wilhelm Ley Baumschulen, Meckenheim).
Die Schwierigkeit sei auch nach wie vor, dass bei Ausschreibungen alles über den Preis gehe, so Dirksen. Bei den geringen Budgets sei es kaum möglich, hochwertiges Pflanzenmaterial zu liefern und eine fachgerechte Ausführung und Pflege zu gewährleisten.
Er kritisierte auch, dass Planer teilweise Pflanzen ausschreiben, die noch nicht zu Ende getestet wurden. „Die neuen Sorten müssen erstmal gefunden, gesichtet und produziert werden“, so Dirksen. Und bis ein neuer Baum produziert ist, vergingen nun mal 20 bis 25 Jahre.

Mehr bürgerschaftliche Mitverantwortung forderte Stephan Richter, Stiftung „Zukunft Berlin“. Die Bürger sollten sich in die Gestaltung und Pflege von Grünflächen und Baumscheiben einbringen können. Der Trend des Urban Gardening zeige, dass mit viel Herzblut viel gemacht wird – leider oft mit wenig Fachwissen. „Die Sensibilität für Grün ist größer geworden, das Engagement nimmt zu, die Bürger sehnen sich immer mehr nach Grün“, betonte Richter. Es gebe viele Initiativen in den Städten, hier könnten sich die Fachbetriebe mit ihrem Wissen einbringen.

An einem Strang ziehen
Das Symposium verdeutlichte, wie wichtig der fachliche Austausch auch über die eigenen Grenzen hinaus ist, zumal eigentlich alle Beteiligten das gleiche Ziel verfolgen.

Martina Borowski, Braunschweig

Lesen Sie den ausführlichen Artikel in Ausgabe 12/2014 Deutsche Baumschule.