Grüne Branche

Gartenbau-Betriebe stehen vor (neuen) Herausforderungen

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Klimaveränderungen, Strukturwandel, eine mögliche CO2-Bepreisung, der jüngst beschlossene Aktionsplan Insektenschutz – die Grüne Branche steht vor vielfältigen Herausforderungen. Um in diesem Zusammenhang notwendige Investitionen und Anpassungen tätigen zu können, bräuchten Gartenbau-Betriebe (mehr) Handlungsspielraum, wie auf dem Deutschen Gartenbautag deutlich wurde.

Gartenbau-Betriebe benötigen Planungssicherheit

Die Branche sei durchaus bereit, sich den gesellschaftlichen Diskussionen zu stellen und Zukunftsfragen anzugehen, betonte Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbands Gartenbau (ZVG), in seiner Festrede. Dabei würden die Betriebe allerdings von hohen bürokratischen Auflagen ausgebremst, die im schlimmsten Fall sogar noch den Strukturwandel beschleunigen, erklärte Mertz. Problematisch seien zudem gesetzliche Regelungen überschreitende Vorgaben des Handels sowie politische Ad-hoc-Entscheidungen, die die notwendige Planungssicherheit zunichtemachen.

Diese sei etwa im Zusammenhang mit dem Bundesprogramm Energieeffizienz notwendig, weshalb sich der ZVG bereits seit einigen Jahren für „eine Verstetigung für dieses erfolgreiche Instrument, das nachweislich Anreize zu CO2-sparendenen Investitionen schafft“ einsetzt. Dass diese Verstetigung überhaupt zur Disposition steht, sei angesichts der intensiven Diskussion um Klimaschutz und CO2-Einsparungen absolut unverständlich, so der ZVG-Präsident.

Kritisch betrachtet der Zentralverband Gartenbau auch die zur Debatte stehende CO2-Bepreisung und den in der vergangenen Woche verabschiedeten Aktionsplan Insektenschutz, durch die der Branche laut ZVG „massive Veränderungen und unverhältnismäßig hohe Belastungen“ drohen würden. Ebenfalls vor eine „Mammutaufgabe“ stelle die Betriebe, aber auch die Landesbehörden der neue Pflanzenpass, für den Mertz auf dem Gartenbautag praktikable Lösungen forderte.

Vortragsreihe und Diskussionen zum Klimawandel auf dem Gartenbautag

Einstellen müssten sich die Betriebe darüber hinaus auf Klimaveränderungen, weshalb diesem Themenkomplex eine eigene Vortragsreihe samt Podiumsdiskussion gewidmet war. So schilderte etwa Dr. Ute Vogler vom Julius Kühn-Institut die Anpassung und Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen vor dem Hintergrund des Klimawandels, der veränderte Bekämpfungsstrategien für neue, aber auch bereits etablierte Schaderreger notwendig mache.

Auf die Bandbreite der Klimaveränderungen – Starkregenereignisse, Hitzewellen und Rekordtemperaturen nehmen zu, strenge Fröste bleiben dennoch nicht aus – ging Wetterexperte und Buchautor Frank Böttcher ein. Seine Empfehlung: mehr Grün in den Städten, wobei die verwendeten Pflanzen sehr trockenresistent sein müssen. In Zukunft immer wichtiger werden könnten dem Meteorologen zufolge insbesondere vertikale Grünflächen.

Betriebe können viele Herausforderungen nicht alleine lösen

Einen Blick auf den Gemüseanbau und insbesondere die Bewässerung von Freilandgemüse warf  Prof. Jana Zinkernagel von der HS Geisenheim University. Wassermangel führe hier nicht zur Ertragsreduktion, sondern rasch zum Totalausfall der Ernte, so die Expertin. Abhilfe könnten zumindest bei einigen Gemüsearten frühere Aussaat- beziehungsweise Pflanztermine bringen.

Dass viele der neuen Herausforderungen von den Gartenbau-Betrieben nicht alleine gelöst werden können, machte Thomas Bousart, Managing Director von Dümmen Orange, deutlich. Verschiedene Partner könnten jedoch mit ihren individuellen Kernkompetenzen gemeinsam einen großen Beitrag leisten, erklärte Bousart am Beispiel von neuen strategischen Partnerschaften in der Zierpflanzenzüchtung.