Grüne Branche

Gartenbau-BG: Konjunktur federt Beitragserhöhung ab

Letztmalig hat in diesem Jahr der Vorstand der Gartenbau-Berufsgenossenschaft in seiner Sitzung Mitte April die Höhe des Berufsgenossenschaftsbeitrages festgesetzt. Ab 2013 wird hierfür die neu zu errichtende „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)“ zuständig sein. In welcher Höhe dann die Beiträge für die rund 132.000 heute bei der Gartenbau-BG versicherten Betriebe erhoben werden, weiß bisher noch niemand. 

Derzeit denken Experten darüber nach, welche Grundlage für die Berechnung die richtige ist, das heißt, ob der Beitrag neben dem Risiko zukünftig wie bisher nach dem Arbeitswert oder – wie in der Landwirtschaft üblich – nach dem Arbeitsbedarf errechnet werden soll. Arbeitsbedarf bedeutet, dass Flächengröße und Nutzungsart und gegebenenfalls die Tierhaltung für die Höhe des Beitrages maßgeblich sind und nicht die Lohnsumme.

Gleichwohl muss kein Betrieb in den nächsten Jahren aufgrund der Neuorganisation größere Beitragsschwankungen befürchten; für eine Übergangszeit bis 2017 hat der Gesetzgeber eine gleitende Anpassung an den neuen Beitragsmaßstab vorgesehen und zumindest in 2013 gelten auch im Gartenbau die bisherigen Regelungen weiter.

Von der Gartenbau-BG wurde nunmehr für das Umlagejahr 2011 eine geringe Erhöhung der Beiträge beschlossen. Der Jahresbeitrag je 1.000 Euro Lohnsumme steigt jetzt für Unternehmen des Erwerbsgartenbaus und des Garten- und Landschaftsbaues von 22,85 Euro auf 22,94 Euro. Für den kaufmännischen Betriebsteil werden 4,11 Euro fällig statt 4,10 Euro im Vorjahr.

Alles in allem also keine gravierende Erhöhung, die insbesondere mit Blick auf die gestiegenen Leistungsausgaben des Unfallversicherungsträgers in 2011 von rund 85,6 Millionen Euro eher moderat ausgefallen ist. Zu verdanken ist dies der positiven konjunkturellen Entwicklung, die mit steigenden Arbeitswerten von fast 6 Milliarden Euro den Beitragsanstieg abgefedert hat. In 2010 wurden Arbeitswerte von 5,75 Milliarden Euro von den versicherten Betrieben an die BG gemeldet.

Die gemeldeten Arbeitswerte, d. h. die Lohnsummen, die im Gartenbau im letzten Jahr gezahlt wurden, sind demgemäß eine gewichtige Größe für die Berechnung des Berufsgenossenschaftsbeitrages. Sie stehen der Summe der Entschädigungsleistungen, die die berufsständische Unfallversicherung für Heilbehandlungen, Renten und Verletztengelder ausgeben musste, gegenüber. Je höher also die Arbeitswerte im Umlagejahr sind und je geringer die Kosten für Entschädigungsleistungen ausfallen, desto niedriger sind auch die Beiträge für die einzelnen Betriebe.

Gingen die Erhöhungen bei den Arbeitswerten in den vergangenen Jahren mit steigenden Versichertenzahlen einher, ist zumindest für das Jahr 2011 eine Trendwende zu verzeichnen. Erstmals seit Jahren waren weniger Arbeitnehmer als im Vorjahr bei der BG versichert. 629.579 Versicherte waren gemeldet; rund 5.000 weniger als noch in 2010. Bei um drei Prozent erhöhten Arbeitswerten und einem Anstieg bei den versicherten Betrieben um ca. 1.000 Neuanmeldungen 2011 deuten Experten dies als klares Anzeichen für einen spürbaren Facharbeitermangel in einer wachsenden Branche.

Die Bemühungen der Berufsgenossenschaft durch ihre Präventionsarbeit – insbesondere durch die Förderung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements – dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden daher in vielen gärtnerischen Unternehmen positiv wahrgenommen.

Darauf, dass sich gute Präventionsarbeit aber nicht nur durch gesunde und motivierte Mitarbeiter auszeichnet, sondern sich auch auszahlt, wiesen einige Vorstandsmitglieder am Rande der Sitzung hin. Insgesamt 50.661 Betriebe erhalten für 2011 einen Beitragsnachlass, weil keine oder nur geringe Leistungen der BG in Anspruch genommen wurden.

Die Frage, ob das bewährte Bonussystem des Gartenbaus unter dem Dach der zukünftigen „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Gartenbau und Forsten“ weiterhin fortgeführt wird, konnte von den Mitgliedern der gärtnerischen Selbstverwaltung allerdings nicht positiv beantwortet werden. (Quelle: Sozialversicherung Gartenbau)