Grüne Branche

Gartenbau: Braucht die Branche wirklich so viele Sparten?

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„Ein Beruf – sieben Fachrichtungen. Ich will Gärtner werden! Aber welcher?“: So lautet die Einstiegsfrage des Gartenbauverbands Nordrhein-Westfalen auf seiner Nachwuchsakquise-Seite. Und genau um diese Kernfrage geht es derzeit in nahezu allen Fachverbänden: Braucht die Grüne Branche wirklich noch so viele Sparten?

Sieben Fachrichtungen kennt der Beruf Gärtner aktuell – vom Zierpflanzenbau bis zum Pflanzenfachberater. Foto: GMH

Nur noch drei Fachrichtungen in der Gartenbau-Realität!?

Die TASPO diskutierte diese Frage mit Vertretern der Gartenbau-Branche. Angeregt hat die erneute Diskussion ein Statement von Michael Seuthe, Inhaber von drei grünen Einzelhandelsunternehmen im norddeutschen Raum und Anwärter für den Vorsitz des Bildungsausschusses im Wirtschaftsverband Gartenbau Nord.

Der nämlich bekräftigte jetzt noch einmal: „Wir haben in der Realität nur drei Fachrichtungen am Markt – Produktion, Dienstleistung und Handel. Unsere Ausbildungsverordnung ist nicht entsprechend an diese Entwicklung angepasst.“ Seine Forderung führte er gegenüber der TASPO nun noch einmal näher aus.

Über 70 Prozent der Gärtner nicht mehr in gelernter Fachrichtung tätig

Seuthe sagt:

  • Über 70 Prozent der ausgebildeten Gärtner sind nicht mehr in ihrer gelernten Fachrichtung tätig.
  • Über 50 Prozent der heute ausgebildeten Gärtner brauchen übergreifende Kenntnisse in den Bereichen Stauden, Baumschule, Zierpflanzen, Gemüse.
  • Außerhalb der spezialisierten Anbaugebiete wie Niederrhein oder Ammerland sind mehr als 50 Prozent der ausgebildeten Gärtner (ohne Dienstleistung) im Handel tätig.
  • Es gibt nur noch selten Berufsschulklassen in der Wochenbeschulung, die in einer Fachrichtung besetzt werden können. Meisterschulen können landesweit nur noch bedingt Fachklassen aufstellen.
  • Ausbildungsbetriebe scheuen die Ausbildung, weil sie der „verstaubten“ Ausbildungsverordnung nicht mehr gerecht werden können.
  • Die Gartenbau-Branche leidet auf allen Ebenen unter Fachkräftemangel. Betriebe können aus diesem Grund nicht weitergeführt werden.
  • Absatzwege im Handel versiegen, weil das Produkt nicht mehr gehandelt werden kann.
  • Ausbildung findet aus Mangel an Meistern oft nicht mehr statt. Der Handel außerhalb unseres Berufsbildes bildet nur selten aus.

„Retten, was noch zu retten ist“

„Ich kann nur alle im Gartenbau engagierten Kollegen aufrufen, fachrichtungsübergeifend zu denken, um zu retten, was noch zu retten ist“, so Seuthes Appell an die Branche.

Was Vertreter der Branche – von GaLaBau bis Gartenbaumschulen – dazu meinen, lesen Sie in der TASPO 16/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.