Grüne Branche

Gartenbau: gute Erfahrungen mit Flüchtlingen

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Die Baumschulen Bruns (Bad Zwischenahn) und Heydorn (Klein Nordende) sowie der Bio-Gemüsebau-Betrieb „Gemüsehof Weßling“ (Neuenkirchen) haben alle eines gemeinsam: Sie beschäftigen einen oder mehrere Geflüchtete – und sind mit ihrer Wahl äußerst zufrieden.

Afghane Mahdi Yousefi (r.) und seine Ausbilderin Andrea Köhncke. Foto: Baumschule Heydorn

Erst Praktikum, dann Ausbildung in der Baumschule

„Er ist einfach ein so toller Mensch, dass wir uns nach einem Praktikum entschlossen haben, ihn bei uns auszubilden.“ Das sagt Andrea Köhncke, Ausbilderin in der Baumschule Heydorn, über den jungen afghanischen Flüchtling Mahdi Yousefi.

Schon im Praktikum habe er sich gut angestellt, war in Topfen und Versand eingesetzt. Und sei von Anfang an im gesamten Team gut integriert gewesen. „Irgendwie haben wir uns gesucht und gefunden“, spricht Köhncke für die ganze Belegschaft.

Über Background von Flüchtlingen informieren

Dennoch hat sich das Unternehmen vor seinem Entschluss genau über den Background des Flüchtlings informiert – über Aufenthaltsstatus, bisherige Betreuung in Deutschland, Herkunft. „Das würde ich auf jeden Fall jedem Betrieb raten“, sagt die Ausbilderin ganz klar.

Mahdi bestand alle Nachfragen – und gemeinsam mit ihm, mit der Willkommenslotsin der Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein, Britta Küper, mit Ausbildungsberater, Berufsschullehrer und Betreuern wurde am runden Tisch ein Plan für Mahdis Ausbildung erarbeitet: Vorweg ein Jahr Einstiegsqualifikation, von der Bundesarbeitsagentur gefördert, die Zeit zum Deutschlernen gab.

Nach wie vor Sprachbarrieren

Am Berufsschulunterricht nahm der junge Afghane währenddessen als Gasthörer an einem Tag der Woche teil, drei Tage war er im Betrieb und Freitag und Samstag hatte er ganztägig Sprachkurs. Ein straffes Programm, das nur durchhält, wem wirklich an der Arbeit gelegen ist.

Seit dem 1. September 2018 hat Mahdi die reguläre Ausbildung in der Baumschule Heydorn begonnen, was nicht nur ihm, sondern auch dem Betrieb eine ganze Menge an Mehraufwand gegenüber einer „normalen“ Ausbildung abfordert. Denn größtes Problem sind nach wie vor seine Sprachschwierigkeiten. „Praktisch versteht er alles sofort – aber in der Schule klappt es noch nicht so gut. Was ihn aber selbst am meisten stört, weil er unglaublich ehrgeizig ist“, weiß Köhncke.

Mehr Aufwand – aber es lohnt sich

Die Ausbilderin unterstützt ihn nach Kräften – moralisch genauso wie fachlich. Und gibt ihm sogar selbst Nachhilfeunterricht. „Aber auch, wenn er doch noch ein Jahr länger braucht – wir ermutigen ihn“, sagt sie. „Wenn der Mensch es wert ist, investiert man auch gerne mehr Zeit. Dass das bei der Ausbildung eines Flüchtlings notwendig ist, war uns von Anfang an klar.“

Mahdi dankt es mit Fleiß, Leistung, Arbeitsfreude und immer guter Laune – und soll sogar schon Meister-Ambitionen geäußert haben. Auch, wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist: So viel Motivation wünscht sich eigentlich jeder Betrieb – Mahdis Übernahme nach der Ausbildung ist durchaus wahrscheinlich.

Welche Erfahrungen die Baumschule Bruns und der Gemüsehof Weßling in ihren Betrieben mit Geflüchteten gemacht haben, lesen Sie in der TASPO 04/2019.