Grüne Branche

Gartenbau: „Kalter Ausstieg“ aus Torf nicht möglich

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Drei Jahre lang ist das Projekt „Torfersatz im Gartenbau“, kurz TeiGa, gefördert vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, nun gelaufen. Jetzt stellte es seinen Abschlussbericht vor. Das Fazit: Nur ein schrittweiser Umstieg auf „torffrei“ ist möglich – aber der Gartenbau ist auf dem richtigen Weg.

Substrat-Hersteller gewinnen Torf zu immer größeren Teilen im Baltikum, beispielsweise in Lettland. Foto: fotofox33/Fotolia

Torffreie Kultur funktioniert – mit Einschränkungen

Eines zeigten sowohl Anbauversuche an unterschiedlichen Forschungseinrichtungen als auch in Praxisbetrieben sehr deutlich: Eine torffreie Kultur funktioniert zwar in vielen Fällen schon – allerdings mit Einschränkungen, wie die Projektbeteiligten bei der TeiGa-Abschlussveranstaltung an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Ahlem anhand ihrer Versuchsergebnisse zeigten.

So lässt sich im Baumschulbereich schon ein Spektrum an Pflanzen wie Taxus baccata oder Hydrangea torffrei anbauen, im Zierpflanzenbau ist man ebenfalls auf einem guten Weg (Stecklingsvermehrung, Pelargonien, Poinsettien). Und im Gemüsebau ließen sich beispielsweise Topfkräuter und Gemüse-Jungpflanzen schon ohne Torf produzieren.

TeiGa hat Gartenbau einen großen Schritt vorangebracht

Die torffreie, selbst auch schon die torfreduzierte Kultur stellt allerdings anspruchsvolle Anforderungen an die Kultivateure. Zum einen kann es das eine, funktionierende torffreie Substrat niemals geben. Zudem reagiert kaum eine Kultur oder Sorte gleich auf torffreies Substrat – damit wird sich die Produktion künftig sehr individuell anpassen müssen.

Aber, das haben die einzelnen TeiGa-Projekte ganz klar gezeigt: Der Gartenbau sei mit TeiGa einen großen Schritt vorangekommen, wie es Projektkoordinatorin Dr. Gerlinde Michaelis von der LVG Bad Zwischenahn zusammenfasste – in die richtige Richtung, um irgendwann wirklich torffrei produzieren zu können.

Gartenbau kommt um torffreie Produktion nicht herum

Darum wird die Branche auch nicht herumkommen: Auch, wenn Substrat-Hersteller Torf mittlerweile zu immer größeren Teilen im Baltikum und anderen Gebieten gewinnen, sind auch diese Quellen begrenzt. Dabei spielt nicht nur der dortige verfügbare Torfvorrat eine Rolle, sondern auch die durchaus mögliche gesetzliche Unsicherheit.

„Wir können nicht wissen, ob das eine oder andere Land im Baltikum nicht auch irgendwann seine umweltpolitische Meinung ändert und Gebiete begrenzt“, hieß es in Ahlem sinngemäß.

Druck durch Ansprüche des Handels

Großen Druck könnten auch die Ansprüche des Handels ausüben. Wenn der nämlich Vorreitern wie den toom-Baumärkten nacheifert und immer mehr Pflanzen-Lieferungen „ohne Torf“ fordert, dann muss die gartenbauliche Produktion gewappnet sein. Denn ein Umstellen auf torffreie Produktion „ad hoc“, ein „kalter Ausstieg“ aus Torf ist für den Gartenbau keinesfalls möglich – das dürfte auch den in Ahlem anwesenden Vertretern des Handels und der NGOs glasklar geworden sein.

Mehr zur Abschlussveranstaltung des Projekts TeiGa, den Versuchsergebnissen und den torffreien Zukunftsplänen von toom lesen Sie in der TASPO 08/2019.